Erster Stadtrat Michael Stanke sieht schon jetzt im Bereich der Post an der Grabenstraße zu viel Verkehr. Umgeleitete Dieselautos würden seiner Meinung nach dort für ein Dauerchaos sorgen.
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Erster Stadtrat Michael Stanke sieht schon jetzt im Bereich der Post an der Grabenstraße zu viel Verkehr. Umgeleitete Dieselautos würden seiner Meinung nach dort für ein Dauerchaos sorgen.

Verbesserung der Luftqualität

Klares Nein zum Dieselfahrverbot in Limburg

  • VonRobin Klöppel
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Der Magistrat lehnt Fortschreibung des Luftreinhalteplans des Landes ab. Belastungen für andere Straßen seien zu groß.

Limburg – Der Magistrat der Stadt lehnt die Fortschreibung des Luftreinhalteplans Limburg des Hessischen Umweltministeriums ab. Das verkündeten Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) und Erster Stadtrat Michael Stanke (CDU) gestern bei einem Pressegespräch im Stadthaus. Grund dafür ist das vom Land der Deutschen Umwelthilfe als Kompromiss für einen Vergleich im Klageverfahren vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel angebotene Dieselfahrverbot. Ob die Stellungnahme wie gestern vorgestellt ans Land geht, muss aber erst noch abschließend das Stadtparlament in seiner nächsten Sitzung am 28. September entscheiden. Zuvor werden noch die Ausschüsse zum Thema tagen.

Das Dieselfahrverbot lehnt der Magistrat ab, weil es "keine nachhaltige Maßnahme zur Gesamtbilanz der lufthygienischen Belastung der Innenstadt darstellt", wie es in der Stellungnahme heißt, die bei der jüngsten Magistratssitzung beschlossen wurde. Bezogen ist das auf die im Entwurf des Luftreinhalteplans genannte "Schlüsselmaßnahme" der Einrichtung eines streckenbezogenen Fahrverbotes entlang der B 8 zwischen den Knotenpunkten Schiede/Diezer Straße sowie Frankfurter Straße/Wiesbadener Straße. Betroffen sein sollen die Fahrzeugtypen Ottomotoren bis Euronorm 2, Dieselmotoren bis einschließlich Euronorm 5 sowie Nutzfahrzeuge bis einschließlich Euronorm V.

Dieselfahrverbot in Limburg: Belastungen nur verlagert

Dadurch würden die Belastungen nur auf andere Streckenabschnitte verlagert, die derzeit weniger oder kaum betroffen sind. "Es werden Umverteilungen von Verkehren von den Bundesstraßen auf das städtische Straßennetz erzielt, die Schadstoffbelastung von wenigen Einwohnern auf eine deutlich größere Zahl an Wohnbevölkerung umverteilt. Dies kann im Sinne einer nachhaltigen Verkehrs- und Umweltplanung nicht akzeptiert werden", heißt in der Stellungnahme. Viele weitere Teile des Planes würden von der Stadt begrüßt und auch umgesetzt, betonte Hahn. In Sachen Fahrverbot bestehe aber die Dissonanz zwischen Stadt und dem von der Umwelthilfe verklagten Land Hessen.

Wenn die Dieselfahrzeuge auf die Nebenstraßen umgeleitet würden, konterkariere das geradezu die Bemühungen der Stadt, dort mehr Raum für Fußgänger und Radwege zu schaffen, betonte der Bürgermeister. Die Stadt müsse das Große und Ganze im Blick haben. Es könne nicht akzeptiert werden, dass der Verkehr sich in die Gartenstraße verlagere, wo sich Schulen, ein Kindergarten und ein Seniorenzentrum befinden.

Limburg will auf Alternative Verkehrsmöglichkeiten statt Verbote setzen

Stanke ergänzte, dass es Richtung Grabenstraße ähnlich aussehe, wo sich im Bereich der Post jetzt schon häufig ein Rückstau an Fahrzeugen bis zum Eschhöfer Weg bilde. Dürften Dieselfahrzeuge die Schiede nicht mehr befahren, werde die Überlastung der Grabenstraße zum Dauerzustand. Und wenn die Stadt dann reagiere und den Verkehr wieder aus diesen Straßen hole, verlagere er sich wieder weiter in die nächste Straße.

Wenn die Leute künftig weitere Strecken durch Limburg fahren müssten, belaste das die Stadt insgesamt mehr als bisher mit Schadstoffen, sagte Hahn. Er versicherte: "Um die Leute vom Individualverkehr mehr hin zum Öffentlichen Personennahverkehr zu bringen, sind wir auch bereit, kostenintensive neue Wege zu gehen." Als Beispiel nannte er das "für eine Stadt der Größe Limburgs bahnbrechende" neue Angebot des On-Demand-Verkehrs mit dem "Lahn Star". Bürger könnten damit Elektrobusse anfordern und sich mit ihnen im gesamten Stadtgebiet nach Hause bringen lassen. Hahn würde sich freuen, wenn sich andere Kommunen wie Diez, Elz und Hadamar dem Projekt anschließen würden. Man sei dabei schon in vielversprechenden Verhandlungen.

Stanke erkennt in einem Dieselfahrverbot für Schiede/Frankfurter Straße wenig Sinn, wenn man eine vierspurige Bundesstraße extrem entlaste, andererseits Radfahrer dadurch aus der Grabenstraße verdränge. Er kann es "absolut nicht nachvollziehen", warum das Umweltministerium im Klageverfahren gegen das Land das Dieselfahrverbot als Angebot für einen Vergleich so massiv angeboten habe.

Limburg: Alternativpläne der Verwaltung

Eva Struhalla, Leiterin des städtischen Amtes für Verkehrsplanung, sagte, dass die Stadt schon viel tue, um die City vom Individualverkehr zu entlasten. So sei ein Schleifensystem geplant, das den Suchverkehr direkt zu den Parkhäusern führe. Zudem sei ein intelligentes Verkehrsleitsystem vorgesehen, das den Verkehr in der Stadt reguliere. Das bedeute, wie Struhalla erklärte, das Ampelanlagen zehn bis 15 Sekunden länger auf Rot schalteten, wenn bestimmte Straßen überfüllt seien. Das falle dem Autofahrer nicht groß auf, entlaste aber die Stadt deutlich.

Die Stadt wolle zudemPark-&-Ride-Anlagen an der Peripherie schaffen. Dafür reiche es aber nicht, einfach irgendwelche Flächen als Abstellflächen zu schottern. Die Pendler müssten von dort schnell, bequem und günstig weiterkommen. Das heiße, die Busverbindungen in die Stadt müssten verbessert werden und preismäßig interessant sein.

Zudem müssten die ÖPNV-Verbindungen aus dem Umland nach Limburg beispielsweise durch die Einrichtung von Schnellbussen verbessert werden. Die Abstimmung mit Rheinland-Pfalz in Sachen Strecken und Tarifen müsse optimiert werden, forderte die Fachfrau. (Robin Klöppel)

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