Noch sind überall in der Limburger Innenstadt wie hier an der Lahn mit Blick auf Schloss und Dom Hundekotbeutel-Spender zu finden.
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Noch sind überall in der Limburger Innenstadt wie hier an der Lahn mit Blick auf Schloss und Dom Hundekotbeutel-Spender zu finden.

Mehr Problem als Lösung

Müll-Ärger in Limburg: Stadt will auf Hundekotbeutel verzichten

Limburg wollte mit den Beuteln ein Problem mit Hundekot in den Griff bekommen - Nun liegt Hundekot herum und zusätzlich die Plastiktüten. Die Stadt klagt über generelle Vermüllung.

Limburg hat ein großes Müllproblem. Das ist das Fazit einer gestern verschickten Mitteilung der Stadt, in der mehrere Probleme angesprochen werden. Die Beschwerden über die illegale Müllentsorgung nehmen bei der Limburger Stadtverwaltung zu. „Unser Betriebshof kommt mit der Müllentsorgung teilweise nicht mehr hinterher“, sagt der Erste Stadtrat Michael Stanke (CDU) und appelliert an alle Bürger, ihren Müll an den dafür vorgesehenen Stellen zu entsorgen (siehe auch Info-Kasten). Eine Lösung sieht der Magistrat in einer Aufklärungskampagne zur Müllvermeidung.

Neben einer „Vermüllung des öffentlichen Raums in Limburg“, unter anderem durch illegale Müllentsorgung an Glascontainern oder auch im Wald, räumt die Stadt zudem ein Scheitern ihres Konzepts im Umgang mit Hundekot ein. Weil sich Bürger immer wieder über Hundehaufen auf öffentlichen Wegen ärgern, hatte die Stadt Limburg insgesamt 64 Spender mit Hundekotbeuteln aus Plastik im Stadtgebiet aufhängen lassen, um möglichst alle Hundehalter während des Spaziergangs dazu zu animieren, die Hinterlassenschaft ihrer Tiere mit den kostenfreien Plastiktüten in öffentlichen Mülleimern zu entsorgen. Doch dieses Konzept ist aus Sicht der Stadt nicht nur gescheitert, sondern hat sogar ein neues Müllproblem geschaffen. Der Erste Stadtrat plädiert deshalb dafür, die öffentliche Verteilung der Tüten in Limburg abzuschaffen, anstatt weitere Spender aufzustellen, was zunehmend von Bürgern und Ortsbeiräten gefordert werde.

Stadtverordnete haben das letzte Wort

Tüten ohne Plastik sieht Michael Stanke nicht als Alternative, da diese nicht vollständig ökologisch abbaubar seien und vorgaukelten, sie könnten in die Umwelt geworfen werden, berichtete die Stadt gestern in ihrer Mitteilung. Das letzte Wort in dieser Angelegenheit werden die Stadtverordneten haben, die auch am Ende entscheiden müssen, ob sie diesem Vorschlag - formal muss es zuvor noch eine Beschlussempfehlung des Magistrats geben - folgen.

„Einen Erfolg in der Bekämpfung von Hundekot ist durch die Spender nicht zu erkennen“, sagt Stanke. Im Gegenteil: Die Tüten hätten sich selbst zum Müllproblem entwickelt. Entweder, weil einfach alle Tüten gleichzeitig mutwillig aus dem Spender rausgerissen und in der Umgebung verteilt würden oder weil die Tüten mitsamt dem Hundehaufen ins Feld geworfen würden

Wie die Stadt in der Mitteilung weiter berichtet, wurden in Limburg im Jahr 2019 an den 64 Beutel-Spendern 315 000 Tüten ausgegeben; allein der Verbrauch im Bereich von Fußgängerzone, am Serenadenhof und am Neumarkt habe bei 60 000 Tüten gelegen - und das bei 1700 Hunden im Stadtgebiet.

„Wir diskutieren über die Abschaffung von Plastiktüten und anderer Wegwerfplastikartikel und schaffen mit den Kotbeuteln ein neues Problem“, sagt der Erste Stadtrat. Allerdings gebe es auch eine Vielzahl von Hundebesitzern, die Kotbeutel mit sich führen und auch benutzten. Doch „einigen Wenigen“ sei die Nutzung gleichgültig.

Dabei ist Stanke klar, dass Hundekotbeutel weiter benötigt werden, um die Haufen der Hunde zu entfernen. Er appelliert daher an alle Hundebesitzer, die Tüten direkt von zu Hause mitzunehmen und hat nach Angaben der Stadt die Idee, künftig „Hundetütenspender im Miniformat“ gezielt an die Hundebesitzer zu verteilen, die man wie einen Schlüsselanhänger an die Leine hängen könne.

Gartenabfälle landen immer öfters im Wald

Der Hundekot ist aus Sicht der Stadt aber nicht alleine das Problem. Zu oft werde Müll an Ort und Stelle entsorgt und zwar nicht im dafür vorgesehenen Mülleimer. Schon in den vergangenen Jahren ist nach Angaben der Stadt eine Entwicklung „der Vermüllung des öffentlichen Raumes in Limburg“ zu erkennen. Seit der Corona-Pandemie habe sich dieser Trend rasant verstärkt.

„Das Müllproblem existiert flächendeckend - auf Waldwegen, in Wäldern, auf Grünflächen, öffentlichen Straßen und Plätzen, entlang der Lahn“, sagt Michael Stanke. Dabei macht es nach seiner Einschätzung keinen Unterschied, ob es dort eine hohe Anzahl an öffentlichen Mülleimern gibt oder nicht. Auch an den Sammelstellen für Kleidung und Glas und im Wald finden sich nach Angaben der Stadt Limburg mittlerweile große Müllberge. Dort werde abgeladen, was nicht mehr in den Hausmüll passt, was zum Sperrmüll gehört oder was speziell entsorgt werden müsse wie zum Beispiel alte Autoreifen.

Auch Grünschnitt und Gartenabfälle würden verstärkt in den Wald gekippt. Wie die Stadt weiter mitteilt, ist das nicht nur verboten, sondern auch gefährlich für die Natur, denn damit kämen zu viele Nährstoffe in den Wald und nicht einheimische Arten könnten eingeschleppt werden.

Zu viel Müll? So funktioniert die Entsorgung richtig

„Illegale Müllentsorgung muss nicht sein“, sagt Limburgs Erster Stadtrat Michael Stanke (CDU) und weist auf folgende Möglichkeiten der legalen Müllentsorgung hin. Der Abfallwirtschaftsbetrieb in Heckholzhausen sei die richtige Adresse für Gehölzschnitt. Pro Jahr könne dort jeder Haushalt bis zu vier Kubikmeter Gehölzschnitt kostenlos abgeben. In den Kompostwerken in Gräveneck und Heckholzhausen könnten Grünabfälle aus Gärten abgegeben werden. Wer nicht fahren wolle, könne für vier Euro beim Bürgerbüro der Stadt Limburg an der Pusteblume spezielle Abfallsäcke kaufen und beim Abholtermin der Biomülltonne neben diese stellen; ein solcher Sack fasst 120 Liter. Es gibt ihn auch für Restabfälle, die Kosten liegen ebenfalls bei vier Euro, dieser Sack fasst 70 Liter. Sperrmüll holt ebenfalls der Abfallwirtschaftsbetrieb ab. Jeder Haushalt kann pro Jahr bis zu vier Kubikmeter sperrige Abfälle kostenlos abholen lassen. Eine Anmeldung unter der Telefonnummer (0 64 71) 51 69 200 ist erforderlich. Auch Bauschutt oder Elektrogeräte können über den Abfallwirtschaftsbetrieb entsorgt werden. red

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