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Staffel: Einst klapperten 23 Mühlen am rauschenden Elbbach

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Ralf Kölb deutet in Niederzeuzheim auf das Gebäude der 728 Jahre alten Brückenmühle. Die vermutlich älteste Elbbachmühle soll einst als Fronmühle des Limburger St. Georgs-Stifts betrieben worden sein.
Ralf Kölb deutet in Niederzeuzheim auf das Gebäude der 728 Jahre alten Brückenmühle. Die vermutlich älteste Elbbachmühle soll einst als Fronmühle des Limburger St. Georgs-Stifts betrieben worden sein. © Dieter Fluck

Von der Quelle bis zur Mündung: Der Limburger Ralf Kölb hat sie alle dokumentiert

Staffel -Wer im Limburger Stadtteil Staffel auf der Eisenbahnbrücke steht, sieht, wo der Elbbach in die Lahn mündet. "Da kam mir die Erinnerung, dass wir einst so viele Müller kannten, die wir mit unserem Futtermittel- und Mehlgroßhandel bedient haben", erinnert sich Ralf Kölb. Er war die dritte und zugleich letzte Generation des Limburger Unternehmens, das sein Großvater Emil 1897 auf dem Neumarkt gründete und das bis 1979 im Bornweg am Rande der Altstadt bestand. Nach und nach drehten sich die Mühlräder nicht mehr. Industriebetriebe machten das traditionsreiche Müllerhandwerk unrentabel und in der Folge war für die Firma Kölb nach 82 Jahren Schluss. Geblieben ist Müller als häufigster Familienname des deutschen Sprachraums.

"Ich hatte meinem Enkel Jan aus unserer Familiengeschichte erzählt. Der hatte die Idee ,Opa, wir könnten doch mal gucken, wo die Mühlen sind'", berichtet der 79-Jährige. Als Jan (16) aus Stuttgart in den Ferien zu Besuch war, gingen beide auf Tour und fuhren den Elbbach von der Quelle bis zur Mündung ab. Und siehe da, an dem 40,7 Kilometer langen Bachlauf standen einst 23 Mühlen, die von den beiden Heimatforschern dokumentiert wurden. Ralf Kölb: "Das hätte ich mir so umfangreich nicht vorgestellt."

Die Elb entspringt im rheinland-pfälzischen Teil des Westerwaldes. Abenteuerlich sei in Ailertchen die Suche nach der Quelle gewesen. "Dorfbewohner, die wir fragten, konnten uns nicht weiterhelfen. Ohne die Mithilfe von Ortsbürgermeisterin Cathrin Michel-Baldus und Harry Mulder von der Gemeinde hätten wir den Tümpel nach zwei Kilometern im Wald nie gefunden", berichtet der Limburger, der mit seinem Enkel registriert hat, dass der Bach gleich zu Beginn von anderen Bächen gespeist wird und nach fünf Kilometern Hintermühlen, einen Ortsteil von Langenhahn, erreicht.

Dort entstand bereits 1525 die Markusmühle, heute Standort eines Tierfutter-Produzenten. Flussabwärts folgt die 1677 erstmals erwähnte Rothenbacher Mühle, eine Ölmühle aus dem 19. Jahrhundert. Es folgt die Markgrafmühle, die seit 1525 bestand. Ralf Kölb hat alle 23 ehemaligen und noch bestehenden Elbbach-Mühlen aufgelistet und - soweit bekannt - ihre Besonderheiten aufgeschrieben. So wurde die 1718 errichtete obere Neumühle in Herdlingen bis 1966 von Erwin Holzenthal betrieben und wird heute von seinem Sohn Hans Josef bewohnt. Die Guckheimer Mühle von 1731 war bis Anfang der 1980er Jahre in Betrieb, was schon eine Seltenheit war.

Dass Willmenrod ein Mühlrad im Dorfwappen verewigt hat, ist fünffach begründet; denn am rauschenden Bach des Westerwalddorfes klapperten nicht weniger als fünf Mühlen. Die bekannteste von ihnen firmierte im Laufe der Geschichte unter drei Namen, hieß Hahns-, Flucks- und Gauklermühle. Dort erblickte 1906 Carl-Clemens Hahn das Licht der Welt, der ab 1953 bis 1964 als erster deutscher Fernsehkoch Karriere machte und als Erfinder des "Toast Hawaii" gilt.

In der Willmenroder Friddchesmühle, die bis 1960 betrieben wurde, ist das Mühlrad mit fünf Metern Durchmesser noch funktionsfähigund kann auf Anfrage besichtigt werden. Die Arndtsmühle war nach dem Zweiten Weltkrieg sehr gefragt. Dort gab es für sieben Pfund Bucheckern einen Liter Speiseöl. Von den drei Mühlen, die sich einst in Langendernbach drehten, wird in der Neuemühle, auch Äppelmannmühle genannt, die Wasserkraft bis heute zur Stromgewinnung genutzt. In Elbtal-Heuchelheim steht noch ein ansehnliches Mühlengebäude aus der Zeit um 1700, das bis 1972 von dem Müller Leo Endruhn betrieben wurde.

Es würde den Rahmen sprengen, an dieser Stelle alle früheren Elbbach-Mühlen und ihre Bedeutung beschreiben zu wollen, was Ralf Kölb mit großer Leidenschaft gelungen ist. Es stellt sich die Frage, woher die großen Wassermengen kamen, die so viele Mühlen am Laufen hielten. "Das war nur möglich, weil der Elbbach von mehr als 60 Bächen gespeist wurde beziehungsweise heute noch wird, die direkt oder indirekt zufließen", sagt Kölb. Die Wassermengen konnten allerdings nicht vermeiden, dass die historische Mühle der Familie Güth auf der Lochmühle in Oberzeuzheim 1965 einem Feuer zum Opfer fiel, wonach der Betrieb eingestellt wurde. Es dürfte einmalig sein, dass eine Familie (wie die Güths) in der siebten Generation auf einer Mühle wohnt.

Etwas weiter abwärts erreicht das Bett des Elbbachs eine beachtliche Ausdehnung. In Niederzeuzheim dürfte es sich bei der Brückenmühle um die älteste ihrer Art mit einer interessanten Geschichte handeln. Erstmals 1293 erwähnt, war sie vermutlich eine Fronmühle, die als Dienstleistung von Bauern für ihre Herren des Limburger St. Georgs-Stifts betrieben wurde. Bis 2002 wurde sie von Alois Gotthardt als Schrotmühle am Laufen gehalten. Von der einstigen Bauernmühle auf dem Anwesen der Familie "Fischzucht Stähler" in Niederzeuzheim schlängelt sich der Bach weiter nach Hadamar, wo sein Wasser im 17. Jahrhundert die Schlossmühle im Marstall betrieb. Zudem gab es dort die Kalkmühle, die 1964 ihren Betrieb einstellte.

Sehr bekannt ist die Neumühle in Niederhadamar, eine 1694 durch Doktor Nicolaus Heeser, einen fürstlich nassauisch-hadamarischen Kanzleidirektor erbaute Getreidemühle, die 1975 abgeschaltet wurde. Eine am Haus befestigte Tafel erinnert an den Gründer. Zu erwähnen bleibt die Elzer Brötzenmühle, die erstmals 1493 beschrieben wurde, aus einer oberen und unteren Mühle bestand und 1928 zu einem Komplex vereinigt wurde. Der Neumühle in Elz war eine Bäckerei angegliedert, ein Konzept, das die Stadt Limburg vor dem Ersten Weltkrieg an ihrer Untermühle an der Lahn übernahm. Dieter Fluck

Ein Spottlied

In Elz gibt es auch noch den Erbach. Dort stand die Wannmühle. Die Kinder machten sich einst einen Spaß daraus, den dortigen Müller, nur bekannt als Matthias, mit einem Spottlied zu ärgern. Sie sangen: "Die Mattesmill, die Mattesmill, dej steht de gansse Summer still." dfl

Der Elbbach entspringt im Wald der Gemeinde Ailertchen. Ralf Kölb hat die Quelle dokumentiert.
Der Elbbach entspringt im Wald der Gemeinde Ailertchen. Ralf Kölb hat die Quelle dokumentiert. © Dieter Fluck

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