"Wenn ich ein doofes Gespräch hatte oder mich über etwas geärgert habe, dann gehe ich eine Stunde in die Schulwerkstatt und arbeite mit Holz oder Metall, und dann geht es mir wieder besser", sagt der Leiter der Friedrich-Dessauer-Schule, Stefan Laux, der Bürgermeister werden will.
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"Wenn ich ein doofes Gespräch hatte oder mich über etwas geärgert habe, dann gehe ich eine Stunde in die Schulwerkstatt und arbeite mit Holz oder Metall, und dann geht es mir wieder besser", sagt der Leiter der Friedrich-Dessauer-Schule, Stefan Laux, der Bürgermeister werden will.

Wahl zum Bürgermeister am 14. März in Limburg

Stefan Laux: "Ich hätte auch bei den Grünen landen können"

  • Stefan Dickmann
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Der von der CDU unterstützte Bürgermeisterkandidat sieht sich nicht als klassischer Parteipolitiker

Limburg -Bauingenieur, Schreiner, Berufsschullehrer - das ist der berufliche Dreiklang, für den Stefan Laux steht. Der 51-jährige Leiter der Friedrich-Dessauer-Schule, Vater dreier erwachsener Kinder, strebt seinen vierten "Beruf" an - er will Bürgermeister in Limburg werden. Als Einzelkandidat und noch recht junges CDU-Mitglied wird er von der CDU unterstützt.

Zwar hat er als Schulleiter (seit 2014) zwangsläufig Erfahrungen mit der (Bildungs-)Politik und dürfte auch über seinen Vater Werner, der lange Jahre Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler in Limburg war, Einblicke in die Kommunalpolitik bekommen haben, aber seine erste persönliche Erfahrung mit der Limburger Stadtpolitik nach einem gemeinsamen Besuch mit seinen Schülern im Ausschuss vor ein paar Jahren war eher nicht so erfreulich. Es ging um die Vorstellung eines inzwischen verwirklichten deutsch-polnischen Schulprojekts, dem "Monument of Friendship", ein Freundschafts-Denkmal, das vor dem Rathaus steht.

"Politik? Das machst Du im Leben nicht!"

"Meine erste Reaktion war: Politik? Das machst Du im Leben nicht!", sagt er. "Die Schüler waren nach der Ausschusssitzung enttäuscht, und ich war es auch." Die Schüler hätten sich sehr lange mit diesem Projekt beschäftigt und es nach einem engen Austausch mit einer technischen Berufsschule in Polen als ganz wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung angesehen. "Die Schüler ziehen ihr bestes Hemd an, und erleben dann Kommunalpolitiker, die bestenfalls gelangweilt auf sie und ihr Projekt reagieren." Er hätte sich gewünscht, dass alle Vertreter dieses Ausschusses mehr Interesse gezeigt und mit mehr Menschenverstand und Bauchgefühl auf die Schüler reagiert hätten, um junge Menschen für Politik zu begeistern. "Stattdessen fragen mich die Schüler hinterher: ,Herr Laux, ist das Politik?'"

Trotzdem (oder vielleicht auch gerade deshalb) engagiert er sich politisch und ist vor zwei Jahren Mitglied der CDU geworden. "Ich kann nur einer Partei beitreten", erklärt er. "Und ich sage offen, ich hätte auch bei den Grünen landen können, vor allem, wenn es nach meiner Frau und meinen drei Kindern gegangen wäre. Aber meine Großeltern und Eltern haben schon CDU gewählt, von daher habe ich familiär einen starken Bezug zu dieser Partei und denke, dass die CDU für eine ausgewogene Politik der Mitte steht. Ich bin aber kein klassischer Parteipolitiker. Man findet in jeder Partei etwas Gutes und etwas Schlechtes, wobei eine ganz bestimmte Partei für mich mit Sicherheit keine Alternative darstellt. Die guten Ideen werden in Limburg leider kaputt gemacht, und das möchte ich ändern."

Keine Angst davor, Fehler zu machen

Die Politik hat aus seiner Sicht in vielen Fällen den Kontakt zu den Bürgern verloren. "Kommunikation ist für mich der entscheidende Schlüssel", sagt er. "Ich kann im Grunde jedem Bürger jede noch so unpopuläre Maßnahme erklären. Aber das setzt voraus, dass der Bürger die gleichen Informationen hat wie die Politiker."

Sich selbst beschreibt er als einen Menschen, der, wenn er von einer Sache überzeugt sei, dafür brenne und alles mache, was erforderlich sei, um erfolgreiche Resultate zu erzielen. "Ich habe große Lust, Projekte anzustoßen und umzusetzen. Mir ist es wichtig, Verantwortung zu übernehmen und nicht immer nur zu kritisieren. Ich habe Mut und keine Angst davor, Fehler zu machen. Und mir ist gegenseitige Loyalität sehr wichtig."

Schulleiter zu sein, sei zwar sein Traumjob, "aber das Leben verläuft nicht immer geradlinig, und dafür bin ich sicher ein gutes Beispiel". Nach seinem Studium als Bauingenieur fing Laux nach Rücksprache mit seiner Familie - er war bereits junger Vater - eine Lehre als Schreiner an, "weil ich durch meinen Opa und Vater schon immer eine große Liebe zum Handwerk hatte".

Sollte er Bürgermeister werden, würde er allerdings in einem Gebäude arbeiten, das er als neuen Sitz der Verwaltung immer kritisch gesehen hat. "Ich war damals dagegen, mit der Verwaltung aus der Innenstadt in das jetzige Stadthaus auf der Dietkircher Höhe umzuziehen, weil ein Rathaus mitten in die Stadt und nicht auf die grüne Wiese gehört", sagt er. "Außerdem hat man damals den ersten Schritt getan, ohne den zweiten zu kennen: Was passiert denn nun mit dem leerstehenden Rathausanbau an der Pusteblume, was soll dort hin? Diese Frage hätte schon längst beantwortet werden müssen. Ich sage aber auch: Jetzt wieder in die Innenstadt zurückzukehren, wie es die FDP vorschlägt, ist nicht umsetzbar. Ich sehe dafür momentan keine politische Mehrheit."

Auch zur Zukunft des Neumarkts hat er eine klare Meinung: "Die Platanen müssen auf dem Neumarkt stehen bleiben, das ist für mich alternativlos!" Dieser Platz müsse deutlich attraktiver werden, als er ist. "Doch dafür brauche ich keine neuen Pflastersteine und auch keine neuen Versorgungsleitungen im Boden. Der Platz lässt sich unter anderem durch mehr und bessere Sitzgelegenheiten und echte Spielgeräte für Kinder beleben. Das kostet nicht so viel. Zwei Millionen Euro zu investieren für neue Steine und unterirdische Versorgungsleitungen ist den Bürgern aktuell nicht zu erklären."

Der Neumarkt spiele eine wichtige Rolle für die künftige Entwicklung der Innenstadt. "Was uns vom Online-Handel unterscheidet, ist es, Besuchern der Innenstadt einen Mehrwert zu bieten und Erlebnisse zu schaffen, damit die Menschen immer wieder gern nach Limburg kommen, wenn wir die Pandemie überstanden haben", sagt er. Neben dem wichtigen Wochenmarkt müsse der Neumarkt belebt werden durch "kleinere Events, zum Beispiel eine Jazzband, die dort spielt, eine Eisbahn oder Schneekanone im Winter, eine Biergarten-Atmosphäre im Sommer".

In seiner Freizeit kümmert sich Laux mit seiner Frau um zwei Labradore. "Der eine Hund ist neun Jahre alt, wir haben ihn vor einigen Jahren von einer Familie übernommen, weil er sonst ins Tierheim gemusst hätte", sagt er. "Von einem Tierschutzverein aus Bosnien haben wir vor Kurzem einen 14 Monate jungen Labrador übernommen."

Ein erfahrener und ein junger Hund sei eine bewusste Entscheidung gewesen. "Zum einen tut es den Hunden gut, zum anderen wird es für uns etwas leichter sein, wenn der ältere Hund eines Tages stirbt, weil wir dann noch einen Familienhund haben", sagt er. "Wir hatten mal einen Schäferhund aus dem Tierheim als Familienhund, und als er gestorben ist, haben wir sehr um ihn getrauert. Solch ein Verlust schmerzt sehr."

Nach der Bürgermeisterwahl möchte Stefan Laux einen Transporter zu einem Wohnmobil umbauen. "Sollte die Pandemie es zulassen, wollen meine Frau und ich damit in den kommenden Sommerferien nach Schottland und Irland reisen; unsere beiden Hunde kommen natürlich mit. Das wäre mein erster langer Urlaub nach langer Zeit."

Podiumsdiskussion mit allen vier Kandidaten

In einer digitalen Podiumsdiskussion dieser Zeitung, die am Donnerstag, 18. Februar, 19 Uhr, im Internet live gezeigt wird, kommen Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD), der von einer unabhängigen Wählerinitiative unterstützt wird, der von der CDU unterstützte Einzelkandidat Stefan Laux (CDU), Maximilian Acht (FDP) und Birgit Geis (Grüne) ins Gespräch.

Die vier Hauptthemen an diesem Abend sind "Verkehr", "Sicherheit", "Landverbrauch" (für Wohngebiete und Gewerbeflächen) und die "Zukunft des Neumarkts". Die von NNP-Redaktionsleiter Sebastian Semrau und Limburg-Redakteur Stefan Dickmann moderierte Veranstaltung soll rund zwei Stunden dauern und ist im Internet unter der Adresse fnp.de/eventvideo zu sehen.

Über eine Chat-Funktion kann jeder interessierte Bürger den Kandidaten während der Veranstaltung schriftlich eigene Fragen stellen. Übrigens: Das Video von dieser Veranstaltung ist nach deren Ende im Internet weiterhin abrufbar.

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