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Das Sterben der Limburger Altstadt-Läden

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Das Phänomen ist wie ein Virus, das sich langsam, aber stetig in der Altstadt ausbreitet: Kleine Geschäfte schließen. Die Mieten sind zu hoch, die Attraktivität der WERKStadt ist groß, sagen die Ladenbesitzer.

In den zwei hohen Fenstern der Galerie an der Salzgasse ist reichlich Platz für hochformatige Bilder, ausladende Skulpturen oder andere Kunstgegenstände. Aber die Auslage des Geschäfts in der Altstadt ist: leer. Seit mindestens einem Jahr sei das Ladenlokal verwaist, sagt die Inhaberin eines benachbarten Geschäfts. Zwar ist die Lage hier gut. Aber „die Lage ist nicht alles“. Die Rahmenbedingungen stimmen nicht mehr für viele Geschäftsleute. Kaum einer könne sich ein Geschäftsgebaren leisten wie die Inhaber des Kindermodengeschäfts an der Ecke zum Fischmarkt. „Die machen seit Jahren Ausverkauf“, berichtet die Geschäftsfrau. Dass die Immobilie nicht genutzt wird, störe die Besitzer wohl nicht. Das Haus sei ihr Eigentum. Geldsorgen gebe es nicht. Ein Einzelfall.

Für die Mehrheit der Anlieger mit kleinen Altstadtläden stelle sich die Sache jedoch anders dar. Für sie seien die Mieten zu hoch, sagt die Geschäftsfrau aus der Salzgasse. Schließlich müsse man bedenken, dass Limburg nicht während des ganzen Jahres eine Touristenhochburg ist. „Ab Ostern bis zum Ende der Sommerferien kommen Gäste in die Stadt“, berichtet sie. „Aber nach den Herbstferien ist nichts mehr los.“ Erst in der Vorweihnachtszeit erfährt die Altstadt eine kurze wirtschaftliche Wiederbelebung. Viele Geschäftsleute halten das nicht durch, und dann ist irgendwann Schluss. Nicht nur für Galeristen.

Auch für einen kleinen Laden in der Nähe des Altstadtparkhauses, in dem einige Jahre ein Reisebüro untergebracht war und zuletzt eine Personalagentur Quartier genommen hatte. Oder für jenes Geschäft, auf dessen Fensterbank im dunklen Innenraum eine Muttergottes steht und auf das Angebot „Zu vermieten“ hinzuweisen scheint. Auch der Betreiber eines Feinkostgeschäfts an der Plötze teilt auf einem Zettel am Schaufenster mit: „Wir schließen wegen Geschäftsaufgabe am 23.12.2017. Bei all unseren Kunden bedanken wir uns für ihre Treue.“ Schlimm sei das, dass gerade kleine Geschäfte immer häufiger dicht machen, sagt ein Passant. Er habe „immer gern“ in dem Delikatessenladen eingekauft. Und wenn die Händler nicht mehr können, „weil ihnen die Luft abgeschnürt wird“, dann „müssen sich die Verantwortlichen mal was einfallen lassen“. Nur wer sind eigentlich „die Verantwortlichen“?

Die Stadt jedenfalls hat mit dem Mietpreisniveau nichts zu tun, stellt deren Sprecher Johannes Laubach klar. Auch auf die Gestaltung der Verkaufsflächen werde vom Rathaus aus nicht eingewirkt. Das Gegenteil sei der Fall. „Die Stadt hat und wird Anstrengungen unternehmen, um die Altstadt attraktiv zu halten. Die Grabenstraße als Übergang ist deutlich aufgewertet worden durch das Städtebauförderprogramm, weitere Aktivitäten werden unterstützt.“ Geschäftsleuten, die ihren Laden dennoch schließen müssen, nützt das nichts. Sie kapitulieren vor überhöhten Mieten und möglicherweise auch, weil „es für den eher kleinflächigen Einzelhandel in der Altstadt schwierig ist, den hohen Anforderungen und Belastungen gerecht zu werden“, sagt Reinhard Vohl vom City-Ring, in dem sich die Unternehmen der Stadt zusammengeschlossen haben. Vohl zufolge sind „insbesondere die persönlichen Belastungen in häufig inhabergeführten Geschäften über eine Sechs-Tage-Woche hoch“.

Dazu kommt, dass „die Altstadt zunehmend unter der Frequenzverlagerung Richtung Neu- und WERKStadt leidet“, analysiert Vohl. Das bestätigen auch die Geschäftsfrau aus der Salzgasse und ein Café-Besitzer. „Gut getan hat uns die WERKStadt nicht.“ Die Leute parken auf dem großen Gelände der dortigen Einkaufsmeile und bleiben für ihre Besorgungen auf dem Gelände, ist ihre Beobachtung. Der Mann vom City-Ring hat hier einen Gegenentwurf parat: „Aus meiner Sicht wäre eine Absenkung der Parkgebühren im Parkhaus Altstadt, zum Beispiel in den ersten zwei Stunden, sinnvoll, um die Parkfrequenz hier wieder zu erhöhen.“

Andernfalls wird die wirtschaftliche Situation in der Altstadt immer ungünstiger. Für ein Ehepaar, das durch die Stadt schlendert und schließlich doch alle Einkaufsmöglichkeiten gebündelt haben möchte, dagegen nicht. Der Mann sagt, wer habe heute schon Zeit, durch kleine Läden zu stöbern, wenn an anderer Stelle alles übersichtlich und zentral angeboten wird. Die Frau ergänzt, auf die kleinen Läden verzichten wolle sie dennoch nicht. „Die sind doch eine schöne Kulisse.“

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