1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg
  4. Limburg

Limburg: Profiteur der Energiekrise spendet Teile des Gewinns an Bedürftige

Erstellt:

Von: Joachim Heidersdorf

Kommentare

Ein Unternehmer aus dem hessischen Limburg nimmt durch die Energiekrise mehr ein als geplant. Einen Teil der Gewinne gibt er freiwillig ab.

Limburg - Das ist mal eine gute Nachricht in der Diskussion um explodierende Energiepreise: Max Stillger unterstützt Bedürftige im Landkreis Limburg-Weilburg mit insgesamt 100 000 Euro, damit sie im Winter nicht frieren müssen. „Ich sehe die Not vieler Menschen und damit dringenden Handlungsbedarf“, sagte er gestern.

Zahlreiche Familien hätten aufgrund des Kriegs in der Ukraine und dessen Auswirkungen unverschuldet große finanzielle Probleme und wüssten nicht, wie sie die Rechnungen Gas, Öl und Strom bezahlen könnten. „Meine Initiative ist da nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Stillger, „doch ich möchte in dieser prekären Lage ein Zeichen setzen und mit gutem Beispiel vorangehen“. Deshalb werde er seiner Max-Stillger-Stiftung eine Sonderspende über 100 000 Euro zukommen lassen.

Der 60-Jährige hat sich gestern zu diesem Schritt entschlossen - getreu seiner Devise „Net schwätze, mache!“. Den letzten Anstoß gab in der vergangenen Woche eine Mitteilung des Limburger Bürgermeisters Dr. Marius Hahn (SPD) im Haupt- und Finanzausschuss, wonach eine vierköpfige Familie mit einem durchschnittlichen Verbrauch an Gas und Strom als EVL-Kunde mit einer Mehrbelastung von 4000 bis 5000 Euro im Jahr rechnen müsse. Wie das Geld von seiner Stiftung verteilt werden soll und nach welchen Kriterien die Empfänger bestimmt werden, will er in den nächsten Tagen entscheiden.

Limburg: Unternehmer hilft Bedürftigen in der Energiekrise - Und er sucht Nachahmer

„Es ist klar, dass wir uns auf Härtefälle beschränken müssen“, kündigt der Unternehmer an. Die Begünstigten müssten eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit ausüben, Rentner oder alleinerziehende Mütter sein. Bei der Auswahl werde er wahrscheinlich die Bürgerfonds der Kommunen einbeziehen.

Max Stillger zeigt den symbolischen Spendenscheck für seine eigene Stiftung.
Max Stillger zeigt den symbolischen Spendenscheck für seine eigene Stiftung. © Privat

Max Stillger macht keinen Hehl daraus, dass ihm die außergewöhnliche Spende leichtfällt, weil er als Inhaber von Solaranlagen und Windrädern zu den Profiteuren der Energiekrise gehört. „Wir nehmen für die Stromeinspeisung deutlich mehr ein als geplant; das werfe ich in den Ring“, erläutert er. Nach seinen Angaben erhalten die Betreiber für den erzeugten Strom anstelle der im EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) festgeschriebenen Mindestvergütung - ca. 8 bis 9 Cent bei Windrädern beziehungsweise 7 bis 30 Cent bei Solaranlagen, je nach Baujahr - jetzt etwa das Doppelte und teilweise noch höhere Marktpreise. Für eine 2018 gekaufte PV-Anlage habe er beispielsweise früher jährlich knapp 72 000 Euro bekommen und in diesem Jahr bis einschließlich August bereits netto 154 000 Euro.

Unternehmer aus Limburg hilft in Energiekrise: „Verantwortliche für das Desaster sitzen in Berlin“

Ihn bedrücke die Situation, dass durch die zuletzt beschlossenen Hilfen gerade kleine und mittelständische Unternehmen übergangen würden, aber auch Arbeitnehmer im unteren Lohnniveau zusehends die Motivation verlieren könnten, einer Tätigkeit nachzugehen, da es fürs „Nichtstun“ fast das Gleiche gebe. Wohngeldempfänger hätten zudem keinen Anreiz, mal die Heizung abzudrehen, „denn das Amt zahlt ja alles“. Stillger fordert deshalb einen Wohngelddeckel: „Bis zu einem festgelegten Verbrauch gibt es eine Förderung und danach ist Ende.“

Als Spender mitmachen

Kontonummer Max-Stillger-Stiftung: DE42 5709 2800 0217 4353 07, Voba Rhein-Lahn Limburg, Kennwort: „Energiekostenzuschuss“,

Der CDU-Kreistagsabgeordnete verbindet seinen Vorstoß mit einer Kritik an der alten und an der neuen Bundesregierung. „Die Verantwortlichen für das Desaster sitzen nicht in Limburg, aber auch nicht in Moskau, sondern in Berlin“, meint Stillger. Die Entscheidung von Ex-Kanzlerin Angela Merkel (CDU), „völlig übereilt und ohne Not“ aus der Kernkraft auszusteigen, sei eine der Hauptursachen. Ihr Nachfolger Olaf Scholz (SPD) habe es in seiner Zeit als Finanzminister versäumt, einen Großteil der Verbindlichkeiten langfristig zu niedrigen Zinsen abzusichern. „Voll-Versager“ wie die Minister Spahn, Scheuer und Altmeier hätten Unsummen versenkt.

Limburger Unternehmer zu Hilfe in Energiekrise: „Bin nicht der Einzige, der von Entwicklung profitiert“

In diesen Tagen sollten sich insbesondere Grüne und SPD fragen: „Warum sind es auch in diesem Fall wieder erfolgreiche Unternehmer, die geben können, während die meisten Leute Probleme haben.“ Wenn alle Profiteure so dächten wie er, brauche man kein Gesetz zur „Übergewinn-Abschöpfung“.

Stillger macht sich in seinem „Zehn-Punkte-Plan zum Überwinden der Krise“ dafür stark, kurzfristig alle Möglichkeiten der Energieerzeugung zu nutzen. Dazu gehörten in den nächsten zwei bis drei Jahren auch Atomstrom, Kohle und Fracking. In diesem Zeitraum müssten die Entwicklung von Alternativen massiv vorangetrieben und die Genehmigungsverfahren beschleunigt werden.

Seine Botschaft schließt mit dem Leitspruch „You’ll never walk alone“. Max Stillger hofft auf Nachahmer und Unterstützer seiner Aktion. „Ich bin nicht der Einzige, der von der aktuellen Entwicklung profitiert. Es gibt viele in der Region, die ebenfalls weitsichtig und schlau in erneuerbare Energien investiert haben; da dürfte der ein oder andere in die gleiche Richtung denken“, sagt er. (Joachim Heidersdorf)

Auch interessant

Kommentare