Ein Foto von einer Statue der Justizia
+
Ein junger Mann muss sich vor dem Landgericht Limburg verantworten.

Prozessauftakt am Limburger Landgericht

Prozess in Limburg: "Stimmen haben mir befohlen, den Mann anzugreifen"

Messerangriff auf einen Sozialarbeiter in der Vitos-Klinik

Limburg Aufgrund seines Drogenkonsums war ein 24 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Limburg-Weilburg in den vergangenen fünf Jahren elfmal zur Behandlung in der Vitos-Klinik Hadamar. Bei seinem letzten Aufenthalt soll er am Morgen des 13. November 2019 das Büro eines Sozialarbeiters betreten, die Tür verschlossen, sich auf den völlig verdutzen Mann gestürzt und ihn mit einem Messer, das er zuvor vom Frühstückstisch mitgenommen hatte, verletzt haben.

Für diese Tat muss sich der junge Mann nun vor der 5. Großen Strafkammer am Limburger Landgericht verantworten. Staatsanwältin Sabine Hönnscheidt wies bei Verlesung der Anklage allerdings darauf hin, dass der Angriff im Zustand der Schuldunfähigkeit erfolgt sei.

"Stimmen haben mir befohlen, den Mann anzugreifen", erklärte der Angeklagte. Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass er Stimmen im Kopf gehört habe. Das passiere aber immer nur, wenn er Betäubungsmittel konsumiert hat. Auch im November vergangenen Jahres habe er Amphetamine genommen und zudem seine Medikamente abgesetzt.

Ständig Ärger wegen der Drogen

Wenn seine Familie den jungen Mann mit Drogen erwischt hatte, gab es stets Ärger. Seine Wut ließ der Angeklagte dann nicht nur an Gegenständen und Möbeln aus. Handgreiflich wurde er auch gegenüber seinen Eltern und einem Onkel, der eine Zeitlang als gesetzlicher Betreuer für ihn eingesetzt war. Auch am Wochenende bevor es zur angeklagten Tat kam, hatte der in Deutschland geborene Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit Streit mit seinen Eltern, weil er Amphetamine genommen hatte. "Ich war sehr verwirrt, hatte nicht geschlafen, konnte nicht klar denken und hörte immer wieder komische Stimmen", beschreibt er vor Gericht. So habe er sich auch freiwillig in Hadamar gemeldet, wurde jedoch nicht aufgenommen.

Am darauffolgenden Tag brachte die Polizei den jungen Mann in die Klinik. Seine Mutter hatte um Hilfe gebeten, nachdem der Angeklagte sie geschlagen und beschimpft hatte.

Warum er den Sozialarbeiter angegriffen habe, wollte der Vorsitzende Richter Marco Schneider von dem Angeklagten wissen. "Die Stimmen haben mir das befohlen. Ich habe geglaubt, dass sie echt sind", antwortete dieser.

Vorher nie das Gespräch gesucht

Der 58 Jahre alte Vitos-Mitarbeiter berichtete, wie er den Angriff erlebt hatte. Es sei gegen 8.45 Uhr gewesen und wie üblich habe die Tür zu seinem Büro offengestanden. "Als ich den Patienten reinkommen sah, wunderte ich mich, denn in den vorhergehenden Aufenthalten hatte er nie das Gespräch gesucht." Der Angeklagte habe die Tür geschlossen und sei mit dem Messer in der Faust auf ihn zugekommen. "Ich habe die Hand mit dem Messer festgehalten und versucht, mich zu schützen", erklärte der Geschädigte. Dabei sei es zu einem Gerangel gekommen, bei dem beide Männer stürzten. Um auf sich aufmerksam zu machen, habe er gegen die Tür getreten und laut gerufen. Als eine Kollegin kam, ließ der Angeklagte los und verließ den Raum.

"Vielleicht ist irgendetwas während des Aufnahmeprotokolls passiert, was den durch Drogen induzierten Wahnzustand des Patienten verstärkt hat", mutmaßt der Zeuge. Jedenfalls erkenne er selbst keinen objektiven Grund, warum es zu der Attacke kam.

Zum Glück handelte es sich bei dem Messer nur um ein stumpfes Schmiermesser. Deshalb wurde der Sozialarbeiter nicht schwer verletzt. Er hatte lediglich ein blaues Auge, Nasenbluten und eine etwa fünf Zentimeter lange, oberflächliche Schnittverletzung im Gesicht.

"Ich habe nichts gegen Sie persönlich", entschuldigte sich der Angeklagte und erklärte, dass es ihm leidtue. Der Prozess ist auf drei Verhandlungstage angesetzt und wird am Mittwoch fortgesetzt. Kerstin Kaminsky

  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare