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Antje Masten-Schäfer ist sich nicht sicher, ob sie Mittwoch eine Biden-Party feiern kann.

Noch alles offen

Vor Präsidentschaftswahl: US-Amerikaner im Kreis Limburg-Weilburg haben klaren Favoriten

  • vonRobin Klöppel
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Trotz der Umfragen sind sie nicht von Trumps Niederlage überzeugt. Am Dienstag wird das Ergebnis feststehen.

Ginge es nach im heimischen Kreis lebenden US-Amerikanern, würde der Demokrat Joe Biden die US-Präsidentschaftswahl klar gewinnen. Allerdings sagen sie auch, dass das Rennen noch lange nicht entschieden ist und durchaus Mittwoch früh deutscher Zeit erneut Amtsinhaber Donald Trump von den Republikanern vorne liegen könnte.

Der in Langendernbach lebende Opernsänger Erwin Stephan kennt Donalds Vater Fred noch persönlich aus seiner Zeit an der Metropolitan Oper in New York: "Ich wurde ihm als talentierter Sänger empfohlen. Fred Trump hat mir dann 1985 ein Konzert in der Carnegie Hall gesponsert." Auch wenn das Ganze schon lange her ist, kann Stephan sich noch gut aus Gesprächen zurückerinnern, dass Fred Trump ein sehr angespanntes Verhältnis zu seinem Sohn Donald gehabt habe, weil der vieles angefangen und nie was zu Ende gebracht habe.

Fehlende Vaterliebe: Dornburger sieht Donald Trumps Kindheit als Grund für seine Art

Erwin Stephan glaubt, dass die fehlende Vaterliebe in der Jugend stark dazu beigetragen habe, dass Donald Trump heute so sei, wie er sei. Stephans Frau Karen Eldred ist US-Amerikanerin mit deutschen Wurzeln und schon seit vielen Jahren eine Unterstützerin der demokratischen Partei. "Noch nie war es aber so wichtig, zu wählen, wie dieses Mal", sagt die ehemalige Opernsängerin.

Sie berichtet, dass in den USA lange dafür gekämpft worden sei, die Gräben zwischen Schwarzen und Weißen, Armen und Reichen zuzuschütten. Eine weitere Periode Trump könnte ihrer Meinung nach dazu führen, dass diese Konflikte wieder unüberwindbar würden. Denn Karen Eldred denkt, dass "der Narzisst Trump" durch seine aggressive, polarisierende Art dazu beitrage, die niedersten Instinkte der Menschen wieder hervorzuholen.

Der Umgang mit Europa – Joe Biden soll Verständigung bringen

Das merke man, wenn er beispielsweise Mexikaner pauschal als Kriminelle bezeichne oder Afrika als "Müllhalde". Karen Eldred glaubt, dass Joe Biden das Verhältnis der Amerikaner untereinander wieder normalisiere und auch im Umgang mit Europa kompromissbereit sei.

Die Limburger Brüder Sascha Wagner und Carlos Green sind beide Biden-Unterstützer. Sascha schaltet per Telefon noch seine Schwester Conny Green aus Tampa Bay zu und die Geschwister sind sich einig: "Es ist egal, wer Präsident wird. Nur nicht Donald Trump." Sascha Wagner berichtet, dass Joe Biden bei jüngeren Amerikanern aufgrund seines Alters nicht gut wegkomme und teilweise bei Auftritten einen schon verwirrten Eindruck mache.

Donald Trump: Ein Lügner und Rassist

Dennoch ist er für den Limburger das kleinere Übel, als Trump, der ein Lügner und Rassist sei und das Land immer weiter spalte. Bruder Carlos erwartet ein knappes Rennen, wünscht sich aber, dass die Vernunft und Biden siegen. Was dem Linterer Hoffnung macht, ist dass viele Amerikaner unzufrieden mit der Situation im Land seien. Carlos Green denkt, dass die politischen Programme Trumps und Bidens gar nicht weit auseinander liegen würden. Was für Biden spreche, sei dass die Aggressionen aus der Politik verschwinden würden, das Verhältnis zwischen den USA und Europa, das zwischen Schwarzen und Weißen in den Staaten hoffentlich besser werde.

Trump sei das Amtes nicht würdig, spiele mit Ängsten von Menschen. Carlos Green findet es erschreckend, wie viele Menschen sich von Trump dadurch angezogen fühlten, ihn wie einen Gott verehrten.

Limburger hält Wahlmanipulation für nicht ausgeschlossen

Jermaine Guidry aus Limburg wollte auch per Briefwahl Biden wählen, hat aber trotz mehrerer Mails an die auf der Webseite der US-Botschaft angegebene Adresse nach eigenen Angaben nie seine Unterlagen bekommen. Guidry hält darum bewusste Wahlmanipulation nicht für ausgeschlossen. "Die Wahl ist für mich völlig offen", sagt Jermaine Guidry. Clinton habe bei den Umfragen ja damals auch leicht vorne gelegen und dann verloren.

Jermaine Guidry tut sich schwer, die politische Amtszeit Trumps fair zu bewerten, da er bei der Senkung der Arbeitslosenquote auch schon von Barack Obamas Arbeit profitiert habe. Guidry findet es schade, dass die Demokraten keinen jüngeren Kandidaten als den fast 80-jährigen Biden als Trump-Alternative präsentiert hätten. Er denkt, dass Personen in hohen Führungsämtern nicht älter als 60 sein sollten, weil Präsident zu sein eine extrem hohe Belastung bedeute.

Guidry glaubt, dass durch Biden die Kluft zwischen den Gesellschaftsgruppen wieder abnehmen könne. Eine grundlegende Veränderung der amerikanischen Politik verspricht er sich aber nicht von einem neuen Präsidenten. Auch Biden werde von der Europäischen Union mehr Unterstützung für Hilfen des amerikanischen Militärs fordern.

Joe Biden: "Hoffnungslos zu alt"

Antje Masten-Schäfer aus Elz hat vor sechs Wochen per Briefwahl für Joe Biden gestimmt, erwartet eine enge Wahl. Was Masten-Schäfer am aktuellen Präsidenten nicht mag, ist seine polarisierende Art. "Donald Trump macht mich aggressiv", gibt die Lehrerin zu. Es sei von daher eine Wahl gegen Trump, nicht eine Wahl für Biden, der "hoffnungslos zu alt" sei. Eine 60:40-Hoffnung, dass Trump verliert, hat die Wahl-Elzerin, weil es viele Ex-Trump-Anhänger gebe, die ihn mittlerweile kritisch sehen würden. Masten-Schäfer glaubt nicht, dass Biden viel bewegen kann, "aber die Beziehungen zu Europa wird er stabilisieren". (Robin Klöppel)

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