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Limburg Neue Aufgabe am alten Tatort

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Von: Anken Bohnhorst

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Nach rund 20 Jahren ist Ingrid Richter zurück in Limburg. Hier ist sie nun Leitende Oberstaatsanwältin und damit Nachfolgerin von Michael Sagebiel.
Nach rund 20 Jahren ist Ingrid Richter zurück in Limburg. Hier ist sie nun Leitende Oberstaatsanwältin und damit Nachfolgerin von Michael Sagebiel. © Anken Bohnhorst

Ingrid Richter ist die neue Leitende Oberstaatsanwältin in der Domstadt.

Limburg -Die meisten Witze über Namen sind nicht lustig. Der von Staatsanwältin Ingrid Richter schon: Sie sitzt an ihrem Schreibtisch, das Telefon klingt, sie meldet sich, "Richter?". - "Ach", entgegnet der Anrufer, "ich dachte, ich bin bei der Staatsanwaltschaft". Sehr häufig passiert das nicht, sagt Ingrid Richter und lacht. An ihrem jetzigen Schreibtisch in Limburg ist ein derartiger Gesprächsbeginn jedenfalls noch nicht vorgekommen. Allerdings sitzt sie dort, in der obersten Etage der Staatsanwaltschaft, auch erst seit einem Monat. Seit 9. Mai ist Ingrid Richter (56) die neue Leitende Oberstaatsanwältin in Limburg; sie ist die Nachfolgerin von Michael Sagebiel und kehrt nach Stationen in Frankfurt, Görlitz und Bad Vilbel an jenen Tatort zurück, an dem sie bereits vor rund 20 Jahren gewirkt hat.

Damals, zu Beginn der 2000er-Jahre, war sie zunächst in die Zweigstelle der Staatsanwaltschaft Limburg nach Wetzlar versetzt worden. Zuvor hatte Ingrid Richter Ostluft geschnuppert, weil sie es nach dem zweiten juristischen Staatsexamen interessant fand, in den neuen Bundesländern zu arbeiten, erzählt sie. Sie landete in Sachsen, blieb einige Zeit und kehrte schließlich nach Hessen zurück, in das "sehr familiäre" Ambiente der Behörde in Wetzlar und Limburg.

Massenschlägerei

und "Discomord"

An ihren ersten Fall vor dem Landgericht erinnert sich die Juristin gut. Um eine Massenschlägerei, die sich aus einem Grillfest entwickelte, sei es da gegangen. Mehr als ein Dutzend Personen waren involviert, Alkohol war ebenfalls im Spiel. Wie sich dann während der Prozesses herausgeschält habe, wer bei dieser Angelegenheit Opfer und wer Täter war, "das war schon sehr spannend", sagt Ingrid Richter. Der wohl spektakulärste Fall während ihrer Limburger Zeit war aus ihrer Sicht der "Discomord" Anfang der 2000er-Jahre. Zwei Mädchen waren in einen Wald gelockt, chloroformiert und getötet worden. Besonders perfide daran sei gewesen, dass die Frau des Täters als Lockvogel für die jungen Frauen gedient hatte.

Dennoch blieb Ingrid Richter nur ein paar Jahre in der Domstadt, ehe sie zur Staatsanwaltschaft nach Frankfurt ging, zur Bearbeitung sogenannter Gürteltiere, erzählt sie, also jener Verfahren, die so umfangreich sind, dass ihre Akten von langen Gürteln zusammengehalten werden müssen. "Eingreifreserve" werde diese Abteilung genannt, sagt die 56-Jährige. Auch diese Tätigkeit habe sie begeistert - bis sie 2012 an die IT-Stelle der hessischen Justiz in Bad Vilbel und kurz darauf ins Justizministerium des Landes wechselte. "Informationstechnik und Modernisierung, Justizcontrolling, Organisation und Liegenschaften" war ihr Aufgabenbereich. Ab Oktober 2016 war Ingrid Richter dann Präsidentin der IT-Stelle der hessischen Justiz in Bad Vilbel.

Die Robe der Staatsanwältin hängte Ingrid Richter dafür in den Schrank, denn an der Spitze für Informationstechnik für die Juristen in Hessen war sie nun nicht mehr für operative Ermittlungen zuständig, sondern für die IT-Ausstattung von Gerichten, Staatsanwaltschaften und Vollzugsbehörden. Sie sollte dafür sorgen, dass der moderne Staat modern agieren kann, dass die Systeme zentral implementiert und genutzt werden. Die IT-Stelle der hessischen Justiz ist die Schnittstelle zwischen Behördenleitung und Rechenzentrum. Oder: Elektronische Formulare und Rechner statt Papier, Schweiß und Blut, fasst Richter ihren ehemaligen Tätigkeitsbereich zusammen.

Digitalisierung liegt

ihr weiter am Herzen

Die Digitalisierung juristischer Abläufe liegt ihr auch weiterhin am Herzen, betont die Ingrid Richter, auch wenn sie jetzt als Leitende Oberstaatsanwältin in Limburg auf der anderen, der Behördenseite stehe. Was sie hier erwarte sei gerade auch deshalb reizvoll, weil "die Kundschaft" eine andere sei. Petitionen, Gnadengesuche oder Dienstaufsichtsbeschwerden, die künftig auf ihrem Schreibtisch liegen, hatte sie in der IT nicht. "Ich werde einen neuen Zugang zu dieser Arbeit finden", den Sprung in ein bislang unbekanntes Terrain wagen. Davon dass sie punktgenau landen wird, ist die 56-Jährige überzeugt. "Ich bin hier genau richtig aufgehoben", sagt sie. Das Team der Limburger Staatsanwaltschaft sei kompetent und motiviert.

Wird man die Leitende Oberstaatsanwältin bisweilen im Gerichtssaal sehen? Die Juristin lacht. Das werde eher die Ausnahme sein, zumal: "Ich hatte 16 Jahre lang keine Strafprozessordnung in der Hand." Juristisch gesehen fühle sie sich ein wenig "aus der Zeit geraten", räumt Ingrid Richter ein. Dafür hat sie zum Schluss des Gesprächs noch ein kleines Namens-Bonmot. Während ihrer Zeit in Sachsen arbeitete sie auch am Amtsgericht. In anderen Bundesländern sei das Berufsbild von Richtern und Staatsanwälten durchlässiger als in Hessen. Und an jenem sächsischen Amtsgericht rangierte sie unter der Abkürzung "RiRi", Richterin Richter.

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