Hoher Besuch im Impfzentrum des Landkreises Limburg-Weilburg: Der Hessische Innenminister Peter Beuth (CDU, Dritter von rechts) hat sich in der Senefelder Straße in Dietkirchen einen Eindruck über die Organisation des Impfbetriebs gegen das Coronavirus verschafft.
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Hoher Besuch im Impfzentrum des Landkreises Limburg-Weilburg: Der Hessische Innenminister Peter Beuth (CDU, Dritter von rechts) hat sich in Dietkirchen einen Eindruck über die Organisation des Impfbetriebs gegen das Coronavirus verschafft.

250 Euro pro Termin

Impfzentrum in Limburg: Nicht ausgelastet, aber extrem teuer

  • Sabine Rauch
    vonSabine Rauch
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Impfungen im Impfzentrum des Landkreises Limburg-Weilburg kosten viel mehr als bei den Hausärzten. Dennoch wird beides benötigt.

Limburg - Im vergangenen Jahr konnte Landrat Michael Köberle (CDU) noch träumen: Mindestens 1000 Menschen könnten hier täglich geimpft werden, verkündete er Anfang Dezember bei der Vorstellung der Halle, die sich der Kreis als Impfzentrum ausgesucht hatte. Bis August 2021 werde das Impfzentrum im Einsatz sein, erklärte Dr. Gundi Heuschen, die medizinische Leiterin des Impfzentrums, damals. Zum Glück läuft der Mietvertrag mit dem Besitzer der ehemaligen Halle der Limburger Offset-Druckerei länger. Denn der Impfstart im Landkreis Limburg-Weilburg war später als gedacht, und von 1000 Impflingen am Tag redet inzwischen niemand mehr.

Seit 9. Februar sind über das Impfzentrum 47 031 Menschen (inklusive mobile Teams geimpft worden, 20 768 zwei Mal. Im Schichtbetrieb. Und trotzdem wird das Impfzentrum wohl noch länger gebraucht als gedacht. Denn auch wenn die Haus- und einige Fachärzte seit Anfang April ebenfalls impfen dürfen - bis der Landkreis Limburg-Weilburg durchgeimpft ist, wird es wohl noch dauern.

Impfzentrum und Arztpraxis in Limburg: "Beides wird gebraucht"

Natürlich habe die Arbeit der niedergelassenen Kollegen geholfen, die Sache zu beschleunigen, sagt Simon Fachinger, Vorsitzender des Hausärzteverbandes im Bezirk Limburg. Aber die Impfzentren würden noch gebraucht. Schon allein, weil die Haus- und Fachärzte nicht so viele Menschen impfen könnten wie sie gerne wollen. Das sei logistisch gar nicht machbar - unabhängig von der Frage, ob überhaupt genug Impfstoff zur Verfügung steht oder nicht. Schließlich müssten die Kollegen auch noch Zeit für ihre Patienten haben.

"Wir brauchen beides", sagt Simon Fachinger. Die großen und die kleinen Impfzentren. "Weil die großen Impfzentren die Manpower haben, um diese Aufgabe zu bewältigen". Und weil die Ärzte es sich gar nicht leisten können, ihre Hauptaufgabe über längere Zeit hinten an zu stellen. "Deshalb machen mir die politischen Ansätze, die Impfzentren runterzufahren, Sorgen", sagt Simon Fachinger.

Limburg: Termin im Impfzentrum könnte bis zu 250 Euro kosten

Es geht ums Geld. Wie viel Geld die Ärzte bekommen, ist kein Geheimnis. 20 Euro pro Impfung bekommen sie vom Bund. Wie viel eine Impfung im Impfzentrum kostet, ist ein Geheimnis. Jedenfalls gibt es offiziell keine Zahlen. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen schätzt, dass sie das Siebenfache kostet, es gibt aber auch Schätzungen, dass ein Termin im Impfzentrum mit bis zu 250 Euro zu Buche schlägt.

Der Landkreis Limburg-Weilburg will sich zu den Kosten nicht äußern. Nur so viel: "Die Impfung ist ein kostenloses Staatsgut", zitiert Jan Kieserg, der Sprecher des Kreises, das Land. Aber natürlich ist sie nicht geschenkt: Nicht nur der Impfstoff, auch die Halle und das Personal sind kostspielig. So viel ist bekannt: Die Halle in der Senefelderstraße hat eine Nutzfläche von rund 6400 Quadratmetern, das Grundstück ist 16 500 Quadratmeter groß, der Mietvertrag läuft bis zum 30. November 2021 "und enthält eine Verlängerungsoption, wenn der Bedarf besteht", sagt Jan Kieserg.

Impfzentrum in Limburg: Allein 400 Mitarbeiter von DRK und Maltesern im Einsatz

Auch das Personal ist großzügig bemessen: Allein 400 Mitarbeiter des DRK Oberlahn, des DRK Limburg und des Malteser Hilfsdienstes sind im Zweischicht-Betrieb damit beschäftigt, die Impflinge zu begrüßen, zu befragen, zu begleiten und den Papierkram zu machen. Dazu kommen noch der Sicherheitsdienst und die Impfärzte.

Die Kosten tragen Bund und Land. Auch das hessische Innenministerium schweigt zu den Kosten, räumt aber ein, dass sie weitaus höher sind, als in den Arztpraxen. Es schätzt, dass jedes Impfzentrum pro Monat etwa 1,8 Millionen Euro kostet. Und: "Einrichtung und Betrieb der 28 hessischen Impfzentren unterliegen der strikten Beachtung der Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit."

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Impfzentrum in Limburg: Ausweise, Nachweise, Fälschungen und nicht abgesagte Termine

Das hehre Ziel ist klar: Den rund 171 000 Bürgerinnen und Bürgern im Landkreis Limburg-Weilburg so schnell wie möglich ein Impfangebot zu machen, in den Arztpraxen oder im Impfzentrum. Damit die am Ende auch nachweisen können, dass sie gegen das Coronavirus geimpft sind, tragen die Hausärzte die Impfung nicht nur in den gelben Impfpass ein, sondern stellen nach der zweiten Impfung auch eine Impfbescheinigung aus. Im Impfzentrum gibt es eine sogenannte Ersatzbescheinigung zur Impfdokumentation. Wird der Impfpass vorgelegt, so können die Impfungen zusätzlich im Impfpass eingetragen werden. Wer seinen Impfpass vergessen hat, kann die Impfungen nachträglich von Mitarbeitern des Gesundheitsamtes, der Verwaltung des Impfzentrums und auch vom Hausarzt eintragen lassen - wenn er dort die vollständig ausgefüllte Ersatzbescheinigung vorzeigt.

Aber die Impfpässe sind nicht das Problem - jedenfalls nicht im Impfzentrum. Wenn ein Impfling keinen mitbringt, wird er trotzdem geimpft. Weggeschickt werden alle, die keinen Priorisierungsnachweis mitbringen oder nicht den angesagten. Oder einen gefälschten. Auch das komme vor, teilt Jan Kieserg, der Sprecher des Kreises, mit. "Bei Vorlage von Fälschungen im Rahmen der Eingangskontrolle im Impfzentrum wird der Impfwillige weggeschickt, solange die Fälschung als eine solche erkennbar ist." Eine weitere Herausforderung, auch logistisch, sind diejenigen, die sich Termine beim Hausarzt und im Impfzentrum holen und dann einfach nicht kommen. "Dies ist sehr problematisch, weil dadurch kein Impftermin für eine andere Person vergeben werden kann", sagt Jan Kieserg. Dass die Ärzte über dasselbe Problem klagen, macht die Sache nicht besser. (Sabine Rauch)

Erst neulich sorgten fehlende Impftermine für impfwillige Senioren aus Limburg-Weilburg für Frustration.

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