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Limburg: Die meisten Weinliebhaber mögen es trocken

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Endlich wieder Weinfest in Limburg nach zweijähriger Corona-Pause: Nicht nur diese beiden Frauen aus Niederbrechen hatten bei den Rheingauer Weintagen gute Laune.
Endlich wieder Weinfest in Limburg nach zweijähriger Corona-Pause: Nicht nur diese beiden Frauen aus Niederbrechen hatten bei den Rheingauer Weintagen gute Laune. © Thorsten Kunz

Eindrücke von den 33. Rheingauer Weintagen, die Sonntag nach vier Tagen zu Ende gegangen sind.

Limburg -Mehr als zufrieden zeigten sich die rund 20 Winzer und Tausende Besucher, die am Wochenende den Weg zu den 33. Rheingauer Weintagen gefunden hatten. An den vier Tagen herrschte "ideales Trinkwetter", sagte Frank Nikolai vom gleichnamigen Weingut aus Erbach, das von Beginn an beim Weinfest dabei ist. Als Renner entpuppte sich bei ihm ein Exot: der trockene Sauvignon blanc mit einem feinen Duft von Stachelbeere und Minze. "Aber sonst ist alles bunt gemischt, von Riesling bis Burgunder, das Limburger Publikum ist sehr heterogen aufgestellt", hat er beobachtet, während sich wie zur Bestätigung einer seiner Stammkunden verschmitzt lächelnd vorab schon einmal mit der Hattenheimer Hassel Spätburgunder Rosé Auslese, einer Rarität, sowie der edlen Erbacher Honigberg Riesling Beerenauslese - beide LWP Gold prämiert - als Aperitif eindeckt. Nikolais Lieblingswein ist dagegen ein Riesling: "Der Primus Maximus mit vollreifer Pfirsichfrucht, das beste Pferd in unserem Stall, aber eher zum Genießen in gemütlicher, entspannter Runde nach einem guten Essen." Diese Empfehlung und der Erbacher Michelmark, ein eher rassiger und lebendiger trockener Riesling, haben es auch Leonard Tamke und der Kiedricher Weinkönigin Julia Schönberger angetan, die sich vor ihrem Dienst als Aushilfe beim Weingut Schüler-Katz aus Kiedrich noch kurz stärken muss.

Geschmack von

tropischen Früchten

Auch Gabriele Ohm vom Weingut Frank Ohm, das neben Limburg nur noch das Weinfest in Oberursel besucht und sich dann ganz auf die eigene Garten-Straußwirtschaft konzentriert, hat einen klaren Trend ausgemacht: "Früher waren es vor allem liebliche Weine, jetzt stehen eher trockene Weine in der Gunst des Publikums." Als besonderes Angebot hat sie dennoch eine liebliche Gewürztraminer Spätlese Hattenheimer Schützenhaus von 2020 dabei: "Die ist sehr aromatisch, mit einem Geschmack von tropischen Früchten." Ihr Lieblingswein und auch ein Bestseller an diesem Wochenende ist jedoch der fein-herbe Blanc de Noir Hattenheimer Wisselbrunnen Spätburgunder aus dem vergangenen Jahr. Damit alle Gäste ihren Favoriten finden, gibt es gerne mal einen kleinen Probeschluck vorab.

Hans-Peter und Leonore Dörr aus Limburg wissen das zu schätzen: Sie testen zunächst einen Müller-Thurgau mit wenig Weinsäure, anschließend noch einen Riesling Kabinett und eine Riesling Spätlese - alle trocken - und "dann wird zur Flasche gewechselt". Die beiden sind seit Jahren immer mindestens drei Tage beim Weinfest dabei. "Das Polizeiorchester donnerstags ist genau unsere Musik, es ist schöner, unter Leuten die Zeit zu verbringen", sagen beide.

"Sie haben enormen

Nachholbedarf"

Richard und Andrea Nägler vom Weingut Villa Gutenberg aus Oestrich-Winkel sind ebenfalls froh, nach zwei Jahren Corona-Pause ein Wiedersehen mit vielen Freunden und Bekannten sowie langjährigen Kunden beim Limburger Weinfest zu feiern, "die uns während Corona sogar zu Hause besucht haben, um ihren Wein abzuholen". Dazu zählt auch eine Gruppe aus Görgeshausen und Elz: "Seit 20 Jahren sitzen wir hier am selben Tisch bei unserem Hauswinzer auf dem Neumarkt", sagt einer aus der Runde. "Wir waren auch schon in der Villa, doch jetzt sind die Vorräte aus dem Keller aufgebraucht, jetzt wird nachgetankt."

Den Einstieg finden sie mit dem "Leichtsinn", einem spritzigen Secco, der innerhalb von Sekunden seinen Weg in die noch leeren Gläser findet. Bei der Villa Gutenberg findet ebenfalls der säure-reduzierte trockene Riesling Kabinett viel Anklang. "Sehr gut angekommen wurde auch der Abend ohne Musik und ohne Trubel am Donnerstag, es war sehr gesellig", stellt Nägler fest.

Auf dem Kornmarkt zeigen sich Michael Dornbach vom Weingut Dornbach in Oestrich-Winkel und seine Helferin Sonja Freimuth derweil glücklich über dem Verlauf des Festes. Grauburgunder trocken, ein fein-herber Chardonnay & Weißburgunder Cuveè sowie ein fein-herber beeriger Rosé liegen hier ganz vorne. Des Winzers Lieblingswein ist ein "Jungfernwein Kabinett trocken" mit schön eingebundener Säure - allerdings limitiert auf 525 Flaschen. Paul und Gaby Thies aus Oberbrechen haben sich allerdings für den Rosé und das "Oestricher Lenchen", eine fein-fruchtig-süße Riesling-Spätlese, entschieden. "Wir kommen in der Regel jedes Jahr, wir mögen die Kombination aus flotter Musik und Wein, treffen oft Bekannte", berichten sie. Nur dass sie schon um 23.19 Uhr wieder mit dem letzten Zug nach Hause müssen, stört sie. "Ein späterer Zusatzzug Richtung Idstein (so wie am Hessentag) wäre sehr schön."

Dass die Limburger sehr experimentierfreudig sind, beobachten auch Lukas Herke und seine Mitarbeiterin Luisa Schmidtmann vom Weingut Kaspar Herke, das ebenfalls seit Beginn des Weinfests zu den Beschickern gehört und bis zur Weinlese volle zwölf Weinfeste im Raum Frankfurt/Wiesbaden besucht. "Viele unserer Kunden kommen aus Limburg, Elz und Diez", sagt Herke. "Sie haben enormen Nachholbedarf, wir liefern derzeit viel aus, oder unsere Kunden kommen direkt zu uns in den Rheingau." Das sei jetzt für ihn das dritte Weinfest nach Idstein und Korbach. "Die Leute wollen ganz klar ihren Alltag wieder, freuen sich über die Musik, tanzen und probieren viel aus, sozusagen Glas weise", lacht er. Sein Lieblingswein, ein trockener Spätburgunder Blanc de Noir "mit ein bisschen weniger Säure, und trotz Restsüße eher trocken", kommt gut an. Auch bei Lisa und Julia aus Niederbrechen, die schon in den Jahren vor Corona regelmäßig für einen Tag beim Weinfest dabei waren und sich freuen, dieses Fest endlich wieder besuchen zu können.

Thorsten Kunz

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