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Hilfsaktion für die Ukraine: Matthias Distel holt mehr als 500 Kinder mit ihren Müttern nach Limburg

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Von: Joachim Heidersdorf

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Matthias Distel (Zweiter von links) mit den anderen Teilnehmern des Hilfskonvois am Sonntagabend kurz vor dem Start in seinem Unternehmen in Heiligenroth. Die Kinder sind natürlich zu Hause geblieben.  
Matthias Distel (Zweiter von links) mit den anderen Teilnehmern des Hilfskonvois am Sonntagabend kurz vor dem Start in seinem Unternehmen in Heiligenroth. Die Kinder sind natürlich zu Hause geblieben.   © Sascha Ditscher

Am Montag sollen die ersten Busse ankommen – Max-Stillger-Stiftung und WERKStadt-Inhaber Marcel Kremer unterstützen Hilfsaktion.

Limburg - Die Ukrainehilfe in der Region rollt an! Im übertragenen und im wahren Sinn des Wortes: Am Montagmorgen sollen zwei Busse und drei Kleintransporter nach einer 1150 Kilometer weiten Fahrt ein Auffanglager in der Nähe von Rzeczow im Südosten Polens erreichen. Das Ziel der von Matthias Distel organisierten und von der Max-Stillger-Stiftung sowie WERKStadt-Inhaber Marcel Kremer unterstützten Aktion: Die ersten 100 von insgesamt mindestens 500 geflüchteten ukrainischen Kindern mit ihren Müttern ins Nassauer Land zu holen und sie vorübergehend hier unterzubringen. In den Fahrzeugen Proviant, Hygieneartikel, Decken und eine erste Notversorgung. Die Sachen sind am Wochenende im heimischen Raum gesammelt worden, unter anderem an der Schule im Emsbachtal in Niederbrechen. Am Dienstag soll der Konvoi wieder in der Heimat sein. 

„Die Hilfsbereitschaft ist unglaublich“, sagt Matthias Distel, den die meisten im Landkreis unter seinem früheren Künstlernamen „Ikke Hüftgold“ kennen. „Wir haben in zwei Tagen Zusagen für 800 Unterkünfte bekommen“, berichtete er am Sonntagabend kurz vor der Abreise. 

Hilfskaktion: „Die Hilfsbereitschaft ist unglaublich“

Seit Kriegsbeginn plagte ihn nach eigenen Worten das „schlechte Gefühl“, der Katastrophe tatenlos zuzusehen. Nach dem bei Kämpfen ausgebrochenen Feuer an Europas größtem Atomkraftwerk in der Ukraine hielt er es nicht mehr aus. „Entweder pack‘ ich meine Kinder und fahr so weit weg wie es geht oder ich helfe“, sagte der Limburger Unternehmer und Sänger beim Anblick der Bilder im Fernsehen. Freilich nur eine theoretische Frage…

Der 45-Jährige berief in seiner Firma, der Summerfield Group in Heiligenroth bei Montabaur, eine Krisensitzung ein und telefonierte mit dem Limburger Geschäftsmann Max Stillger, an dessen Stiftung Distels „Summerfield Kids Foundation“ angedockt ist. Die beiden „Macher“ waren sich sofort einig und beschlossen, kurzfristig mindestens 50.000 Euro zur Verfügung zu stellen. 

Hilfsaktion: Matthias Distel holt mehr als 500 ukrainische 
Kinder mit ihren Müttern nach Limburg
Hilfsaktion: Matthias Distel holt mehr als 500 ukrainische  Kinder mit ihren Müttern nach Limburg © red


Distel schmiss die Werbemaschine an, in kurzer Zeit standen Botschaft und Appell auf blau-gelbem Untergrund im Netz: „Wir bringen 500 Kinder mit ihren Müttern nach Deutschland und sorgen für die sichere Unterbringung in Familien. Hast Du ein großes Herz und Platz?“

Hilfsaktion: Sichere Obhut für Geflüchtete

In seinem Aufruf kündigte Distel an, die Geflüchteten von Limburg und Heiligenroth aus in eine sichere Obhut zu geben. „Denn gerade Kinder und ihre Mütter sollten nach all den Strapazen nicht in Turnhallen und Sammellagern schlafen müssen.“ Und auch Stillger bezog sein großes Netzwerk ein. 

Max Stillger (Mitte) mit Co-Vorstand Simon Schneider (rechts) und Kinderstiftungsgründer Matthias Distel nach der Spendenübergabe im vergangenen Sommer vor dem Limburger Funkerheim. 
Max Stillger (Mitte) mit Co-Vorstand Simon Schneider (rechts) und Kinderstiftungsgründer Matthias Distel nach der Spendenübergabe im vergangenen Sommer vor dem Limburger Funkerheim.  © Heidersdorf


„Das Echo war gewaltig“, so Distel. Mehrere Busunternehmer und Spediteure boten kostenlos Fahrzeuge an, Privatleute Wohnungen und Hilfsgüter, Unternehmer versprachen, Hotelzimmer zu mieten, viele wollten Geld spenden. Am Sonntagnachmittag sicherte der Limburger WERKStadt-Inhaber Marcel Kremer 500 Gutscheine für das Einkaufszentrum im Wert von jeweils 100 Euro zu – also insgesamt für 50.000 Euro!


„Das hat ganz schnell eine unfassbare Dynamik entwickelt“, erzählt der Initiator, der im vergangenen Sommer seine Kinderstiftung gegründet hat.  Am Samstag schaute er mit Freude an der Schule im Emsbachtal in Niederbrechen zu, wie viele Menschen dringend benötigte Utensilien abgaben. Im E-Mailordner gingen pausenlos neue Nachrichten ein, die Telefone klingelten ununterbrochen. 

Seine Partnerin Nina Reh kümmerte sich um die Logistik, wertete die Kontaktformulare aus und bereitete die Unterbringung der Geflüchteten aus; Mitarbeiter waren an ihrem freien Wochenende ehrenamtlich im Einsatz.  Einen Bus der Firma Schermuly aus Mengerskirchen fahren Willi Schermuly und Tobias Ermert aus Merenberg; der zweite kommt aus Hannover. In den nächsten Tagen sollen die nächsten Touren starten, unter anderem mit Bussen von Schuy aus Elz und Medenbach aus Weilburg.

„Wir müssen erst einmal sehen, wie das läuft und ob die wahrscheinlich verstörten und ängstlichen Menschen überhaupt mit uns wollen“, erläutert Distel. Deshalb hat er Informationsmaterial in ukrainischer Sprache erstellen lassen und Dolmetscherinnen engagiert. Kinder stehen im Fokus. Sie sollen selbstverständlich bei ihren Müttern bleiben. „Und die Oma werden wir bestimmt nicht dalassen“, sagt der Familienvater. 

Hilfsaktion: Max Stillger unterstützt die Aktion mit Leidenschaft

Max Stillger unterstützt die Aktion mit Leidenschaft. Er hatte bereits verschiedene kleinere Maßnahmen in der Region angeschoben und beispielsweise dem Brechener Bürgermeister Frank Groos finanzielle Hilfe zugesagt. Groos möchte ein leerstehendes Wohnhaus (das „Sahl-Haus“) in Niederbrechen renovieren lassen, um dort Kriegsflüchtlinge unterzubringen. Eine seit Längerem in der Gemeinde lebende ukrainische Familie will sich um die neuen Nachbarn kümmern. 

Die Max-Stillger-Stiftung will Kommunen bei der Schaffung von Wohnraum für Geflüchtete fördernund Geld für die Grundversorgung der Notleidenden zur Verfügung stellen. Später sollen sie in die Vereine gebracht werden, um sie etwas abzulenken und in die Gesellschaft zu integrieren.  

Matthias Distel und Max Stillger versprechen, dass alle Spenden zu 100 Prozent für die Unterbringung und Versorgung der betroffenen Ukrainer verwendet werden. „Die Verwaltungskosten übernehmen wir persönlich“, sagen die beiden Unternehmer. (Joachim Heidersdorf)

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