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Seit dem 22. Oktober müssen Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse im Landkreis Limburg-Weilburg auch im Unterricht Maske tragen - an manchen Schulen auch schon länger.

Stufe 3 des Eskalationskonzepts erreicht

Unterricht mit Maske und ab Klasse 7 in Gruppen

  • Sabine Rauch
    vonSabine Rauch
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  • Petra Hackert
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In dieser Wochen mussten drei Schulen im Landkreis Limburg-Weilburg geschlossen werden. Dieser und das Land haben reagiert und die Regelungen verschärft.

Limburg -Die Sicherheitsvorkehrungen in Sachen Corona haben sich verschärft. Am Dienstag hat der benachbarte Lahn-Dill-Kreis beschlossen, die Stufe 3 des Eskalationskonzepts anzuordnen, das die Schulen betrifft. Im Kreis Limburg-Weilburg gilt seit Donnerstag durchgehend Stufe 2, ab nächsten Montag ebenfalls Stufe 3. Was bedeutet dies?

Für die Schulen im Kreis, dass seit vergangener Woche von der Jahrgangsstufe fünf an Maskenpflicht auch in den Klassenräumen besteht. Es wird viel gelüftet, der Mund-Nasen-Schutz permanent getragen, nicht nur auf den Gängen und Wegen, wie bisher angeordnet.

Bei Stufe 3 wird der Abstand vergrößert. Das heißt: Ab der Jahrgangsstufe sieben bleibt die Hälfte einer Klasse daheim, A-B-Unterricht in den Gruppen A und B. Das macht das Ganze aufwendiger, aber sicherer. Denn mit kleineren Personenzahlen im Präsenzunterricht vermindert sich auch die Anzahl derjenigen, die in Bussen und auf anderen Wegen unterwegs zur Schule sind. Ob die Schulen nun tage- oder wochenweise die Gruppen wechseln, bleibt ihnen dabei selbst überlassen. Die Klassen ein bis sechs bleiben nun in konstanten Lerngruppen. In den Jahrgängen darüber wird das Angebot angepasst, um Durchmischungen zu verhindern, so dass etwa Arbeitsgruppen entfallen. Lehrerkonferenzen gibt es nur noch digital.

Stufe 4 wäre die letzte, und die wird dringend versucht zu vermeiden: kompletter Distanzunterricht. Drei Schulen haben ihn in dieser Woche bereits angewendet. Sie mussten wegen einer Vielzahl von Verdachtsfällen für den Präsenzunterricht schließen.

Infektionen

greifen über

Bisher haben sich die Schulen nicht zu Corona-Hotspots entwickelt. "Doch wir hören, dass im privaten Bereich, bei Feiern oder Vereinstraining diejenigen aufeinandertreffen, die wir im Unterricht sonst trennen", sagt Dirk Fredl, Sprecher des Staatlichen Schulamts. Das wiederum bedeutet, dass auf anderen Wegen Infektionsrisiken entstehen, die auf Schulen übergreifen können.

Nicht immer muss eine Einrichtung komplett geschlossen werden, so wie die Freiherr-von-Schütz-Schule für Hörgeschädigte in Bad Camberg, die Fürst-Johann-Ludwig-Schule in Hadamar und am Donnerstag auch die Erich-Kästner-Schule in Limburg. In manchen Fällen werden Klassen nach Hause geschickt, teils sind Lehrer betroffen, nicht immer nur wegen möglicher Infektionen. Doch die Situation ist nicht einfach. In Weilmünster ist gerade die Hälfte der Belegschaft zu Hause. Kein leichtes Arbeiten für alle.

Um den Schülern und Lehren der Fürst-Johann-Ludwig-Schule (FJLS) das zu ersparen, war die größte allgemeinbildende Schule im Landkreis von Mittwoch bis Freitag komplett zu - das heißt: im Distanzunterricht. "Die Schule ist aufgrund von Lehrermangel nicht arbeitsfähig", sagt Matthias Roßbach, der stellvertretende Schulleiter. Gerade mal zwei Schüler sind an Covid-19 erkrankt, aber jede Menge Schüler und rund 50 Lehrer mussten als Kontaktpersonen ersten oder zweiten Grades in Quarantäne, beziehungsweise sind vorsorglich zu Hause geblieben.

"Die Schulschließung ist ein Kollateralschaden, der absehbar war", sagt Roßbach. Und nicht zu vermeiden. Auch wenn inzwischen alle Schüler eigentlich überall außer beim Essen verpflichtet sind, eine Maske zu tragen. Denn bislang war noch vorgesehen, dass Schüler zum Beispiel im Religionsunterricht oder im Wahlpflichunterricht in Kohorten (so heißt an der Schule eine feste Gruppe aus mehreren Lerngruppen) unterrichtet werden - was die Zahl der Kontaktpersonen erhöht). Von der Durchmischung im Kurssystem in der Oberstufe ganz zu schweigen.

Und so ist es eigentlich eine Familie, die den Schulbetrieb lahmgelegt hat: Der Vater war am Dienstag positiv getestet worden, seine vier Kinder besuchen die FJLS, eines die Oberstufe. Und so erhöhte sich die Zahl der Lehrer, die nach Hause geschickt werden mussten, schlagartig von 16 auf rund 50 - die Hälfte des Kollegiums. Sie unterrichten weiter, krank sind sie ja nicht, aber eben mit Hilfe der digitalen Medien und allen Herausforderungen, die dazugehören. Das funktioniere bislang besser als noch im Frühjahr, sagt Roßbach. Jetzt hofft er nur, dass die Schulleitung funktionsfähig bleibt. Gerade mal drei von zehn Mitgliedern sind noch an Ort und Stelle. Wie die Schulleitung sich vor Covid-19 schützen soll, steht in keinem Hygieneplan, alles andere ist minutiös geregelt.

Lüften - und dabei

unter die Kuscheldecke

"Wir haben uns daran gewöhnt", äußert sich Judith Lehnert, Leiterin der Freiherr-vom-Stein-Schule in Dauborn zur neuen Situation, die so neu gar nicht ist. Dort gibt es bisher keinen Coronafall. Doch schon vor den Herbstferien zeichnete sich ab, dass die Zahlen bundesweit steigen werden. Grund genug für die Einrichtung mit rund 1100 Schülern, bereits eine Maskenpflicht anzuordnen, bevor dies der Kreis tat. "Es wird viel gelüftet, alle 20 Minuten. Eine Kollegin hat sogar Kuscheldecken für ihre Klasse besorgt, auf eigene Kosten", berichtet Lehnert. Schüler und Eltern wüssten das zu schätzen.

Masken, Abstand Desinfizieren, Händewaschen - das alles sei Teil des Tagesablaufs, berichtet auch die Leiterin der Limburger Marienschule Dr. Henrike Zilling. Es geht nicht anders: Man versuche, die Risiken so stark wie möglich zu begrenzen. "Wir kommen mit den Corona-Regeln zurecht, es ist ein Klimmzug und jeden Tag eine enorme Herausforderung. Mittlerweile haben wir auch Fälle, die wir aufgrund unserer relativ guten Personaldecke noch gerade so kompensieren können."

Doch selbst sehr wenige Fälle brächten ein schulisches System an seine Grenzen. Insbesondere die Quarantäne sei ein großes Problem für Schule. Ihre in dieser Woche erhobenen Forderung nach einer Versorgung mit FFP2-Masken sei nachgekommen worden. "Es wird von politischer Seite im Landkreis sehr gut reagiert", lobt Dr. Zilling.

Bisher habe alles unter anderem deshalb gut funktioniert, weil Lehrer, Schüler, Eltern "unglaublich engagiert und kooperativ und nicht zuletzt diszipliniert sind und die Corona-Regeln und alle Präventionsmaßnahmen beachten", sagt die Leiterin der Marienschule. Natürlich sei das nicht einfach. Parallel zum Unterrichts die "Risikokinder" dazu schalten und beschulen, das sei nicht immer nur der berühmte "Klick", sondern da müsse nachgesteuert werden was Ton, Optik und rechtliche Voraussetzungen betrifft. "Positiv gewendet: Der digitale Unterricht ist eine Herausforderung, die wir begeistert annehmen", sagt Dr. Zilling. Schwierig sei auch, sehr viele Vertretungen zu übernehmen, da der Krankenstand sehr hoch ist, weil Kollegen Betretungsverbote, Testungen haben, wenn sie Kontakte hatten.

Transparenter

Mund-Nasen-Schutz

Das sind keine Einzelfälle, wie auch andere Schulen berichten. Die Bad Camberger Freiherr-von-Schütz-Schule war bis Freitag komplett geschlossen. Bei hörgeschädigten Schülern mit Masken zu arbeiten, die Teile des Gesichts verhüllen, ist nicht zielführend. Deshalb werden "Smile-by-ego"-Masken verwendet, ein transparenter Mund-Nasen-Schutz, der die Sicherheitsanforderungen erfüllt und gleichzeitig ermöglicht, die Mundbewegungen gut zu beobachten. "Die Mimik ist sehr wichtig, gerade für unsere hörgeschädigten Schüler", sagt Direktor Martin Fringes. Im Sport gebe es Abstandsangebote und Unterricht im Freien wie Nordic-Walking. Nur: Die Schütz-Schule war mehrfach Deutscher Meister im Basketball. Erfolge, auf die alle stolz sind. So darf jetzt nicht mehr trainiert werden.

Dennoch: "Die Schüler verhalten sich sehr gewissenhaft und diszipliniert", berichtet auch der Leiter der Mittelpunktschule Goldener Grund in Niederselters Andreas Lang. Der konfessionelle Religions- und Wahlpflichtunterricht habe bisher kursbezogen stattgefunden, also wurden Klassen gemischt. Das ist nun vorbei. Arbeitsflächen in den Fachräumen, Musik und Naturwissenschaften würden nach jeder Nutzung durch einzelne Klassen desinfiziert und gereinigt. Im Sportunterricht seien die Kollegen kreativ, um einen adäquaten Unterricht unter Einhaltung der Abstandsregeln anbieten zu können. Im Fachbereich Musik werde nur im Freien mit Abstand gesungen.

Technische und rechtliche

Hürden überwinden

"Viele Schulen haben schon freiwillig, bevor es vom Kreis angeordnet wurde, die Maskenpflicht auch auf die Klassenräume erweitert", bestätigt Schulamtssprecher Dirk Fredl den Eindruck. Sie wollten sich frühzeitig darauf einstellen, Abläufe trainieren, die Sicherheit erhöhen. Die flächendeckende Umsetzung funktioniere nun gut, es gebe wenige Schüler, die gesundheitliche Probleme hätten und ein entsprechendes Attest vorlegen. Diejenigen, die dem Mund-Nasen-Schutz kritisch gegenüberstünden, hätten die Anordnung zum Anlass genommen, stärker nachzufragen. "Das ist ihr gutes Recht. Allerdings: Die Krise gilt auch für diejenigen, die nicht daran glauben, dass Masken ihnen helfen."

Für Lehrkräfte und Schüler seien Artikulation und Verständnis mit Maske schwieriger. Das müsse gleichfalls trainiert werden. Für den A-B-Unterricht mit geteilten Klassen (die Hälfte bleibt zu Hause) gebe es wiederum verschiedene Unterrichtskonzepte, die greifen. Die Zahl der Lehrer ist begrenzt, auf welche Weise im Homeschooling und/oder vor Ort unterrichtet werde, richte sich nach den jeweiligen Gegebenheiten. Am einfachsten hört es sich so an: Die Lehrkraft unterrichtet eine Klassenhälfte, während sich die andere online dazu schaltet. Dafür gilt es, technische Hürden zu überwinden, aber auch rechtliche. Denn wenn das Bild aus dem Klassenraum übertragen wird, müssen alle, die betroffen sind, auch damit einverstanden sein.

"Die Kreise machen sich ihre Entscheidungen nicht leicht", betont der Schulamtssprecher.

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