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Mit diesem benzinbetriebenen Motor wird das Wasser aus dem 2000-Liter-Tank gepumpt, damit Nicole Lehner dieBlumen gießen kann.

Stadtgärtnerin

Unterwegs mit 2000-Liter-Gießkanne

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Nicole Lehner ist eine von zwei Stadtgärtnern, die mit Limburgs größter Gießkanne unterwegs sind, um die mehr als 12 000 Blumen mit Wasser zu versorgen, die die Stadt gepflanzt hat. Das Gießwasser kommt aus der Lahn und wird in einem 2000-Liter-Tank durch die Stadt zu den Kübeln und Schalen transportiert.

Blumengießen klingt wie Rasenmähen – zumindest, wenn Stadtgärtnerin Nicole Lehner mit Limburgs größter Gießkanne unterwegs ist. Auf der Ladefläche eines orangefarbenen 3,5-Tonners befindet sich ein 2000-Liter-Fass mit Lahnwasser. Um die städtischen Blumenkübel gießen zu können, wirft die 46-Jährige einen Motor an, der auch einen Rasenmäher antreiben könnte, zumindest klingt er so laut. „Ich blende das Geräusch beim Gießen aus.“

Nicole Lehner und ihre beiden Kollegen, die in der Kernstadt dafür sorgen, dass die Blumen mit ausreichend Wasser versorgt werden, haben im Sommer viel zu tun. Dazu kommen die Stadtgärtner in den Stadtteilen. Die Stadt hat immerhin 12 370 Sommerblumen gepflanzt. Diese sind verteilt auf rund 100 Kübel, Schalen, Beete und Anlagen sowie 62 Hochschalen an den Laternen plus rund 200 Quadratmeter an Staudenpflanzungen. Dazu kommen 42 neu gepflanzte Bäume, die bei diesem trockenen Sommerwetter ebenfalls gewässert werden müssen, um nicht einzugehen.

Einer dieser Bäume ist eine Buche, die in der Gartenstraße an der Kreuzung „Im Schlenkert“ steht. Die Blätter sind größtenteils Braun. „Einem Kollegen ist der Baum vor Kurzem aufgefallen“, sagt Nicole Lehner, als sie den Boden großzügig wässert. „Wir retten auch Bäume.“ Vermutlich durch Bauarbeiten und den Einsatz von Beton scheint der Baum nicht mehr genügend Wasser aus dem Boden zu bekommen. Jetzt versuchen die Stadtgärtner den Baum zu retten, in dem sie ihn regelmäßig wässern.

Das Wasser, das die Pflanzen dringend brauchen, kommt direkt aus der Lahn. Nicole Lehner fährt mit dem 3,5-Tonner auf das Gelände der früheren Staudengärnterei im Schirlinger Feld. Dort schließt sie einen Feuerwehrschlauch an die Wasserentnahmestelle an; nach sieben bis zehn Minuten ist der 2000-Liter-Tank randvoll.

Warum auf dem Tank „Lahnwasser“ steht, können weder Nicole Lehner noch ihr Chef Matthias Beul beantworten. Beide vermuten, es gehe wohl darum, den Bürgern deutlich zu machen, dass kein kostbares Trinkwasser für das städtische Blumengießen verwendet wird.

An diesem Vormittag stehen Blumenrod und der ICE-Bahnhof auf Nicole Lehners Gießplan. „Die Kernstadt ist in drei Bezirke eingeteilt: die Innenstadt, die Brückenvorstadt und Blumenrod“, erklärt sie. Trotz des sehr trockenen Wetters wässern Nicole Lehner und ihre beiden Kollegen, davon ist einer am Rathaus im Einsatz, nicht häufiger als in anderen Sommern, dafür fehlt einfach die Zeit, aber sie geben den Pflanzen deutlich mehr Wasser. „In der Regel gießen wir einmal in der Woche, die Blumenschalen an den Laternen zwei Mal die Woche“, sagt sie.

Die höchste Priorität beim Gießen haben die Kübel und Ampeln in der Innenstadt, was aber nicht nur daran liegt, dass diese Blumen mehr Menschen auffallen. „Die Hitzeentwicklung ist in der Innenstadt ganz anders als zum Beispiel in Blumenrod“, sagt Lehner.

Die 46-Jährige arbeitet seit 20 Jahren für die Stadtgärtnerei und gehört zur Mähkolonne. Ursprünglich wollte sie Chemielaborantin werden, schloss ihre Ausbildung in Höchst auch ab. „Das war aber nichts für mich“, sagt sie. Sie lernte Gärtnerin, machte ihre Ausbildung im Weilburger Schlossgarten.

Sie wohnt in Schupbach und kümmert sich dort um ihren Garten, zieht unter anderem Tomaten und Salat, baut Kartoffeln an, hat ein paar Hühner und kümmert sich um zwei Ponys.

Ihre erste Gießstation an diesem Morgen sind vier Blumenkübel vor dem Kindergarten in Blumenrod. Sie wässert die Erde so lange, bis sich eine Wasserlache bildet. Dann geht sie zum nächsten Kübel, wo sich das Ganze wiederholt, und wieder zurück zum ersten Kübel, wo das Wasser inzwischen versickert ist, und es noch einmal ordentlich Lahnwasser gibt.

An einem anderen Kübel, nicht weit vom Heilkräutergarten der Stadt entfernt, weist sie auf eine besondere Pflanze hin. „Schauen Sie mal, da hat jemand eine Gurke gepflanzt“, sagt sie. Die kriegt natürlich auch ordentlich Wasser.

Am ICE-Bahnhof wird sie von einem wartenden Taxifahrer angesprochen. „Wann pflanzt ihr denn mal wieder Rote Bete?“, fragt er die Stadtgärtnerin. „Meine Frau war davon total begeistert.“

Mit einem weiteren Taxifahrer, den sie schon länger kennt, tauscht sie sich kurz über den Urlaub aus. Er war vor Kurzem in der Dominikanischen Republik, wo sie auch schon häufiger war. Sie berichtet von ihren Plänen, im Winter nach Südafrika zu fliegen, nach Kapstadt, wenn dort Hochsommer ist.

Während sie an jeder Station die schwere Ladeklappe des Fahrzeugs öffnet, um den Hilfsmotor für die Bewässerung zu starten, sagt sie: „Ich brauche kein Fitnessstudio.“

Trotzdem macht sie zum Ausgleich Sport. Nicole Lehner ist ausgebildete Yogalehrerin und hat schon mehrere Kurse an den Volkshochschulen geleitet. In diesem Jahr hat sie als Lehrerin mal eine Pause eingelegt, überlegt aber, im nächsten Jahr Kurse für Übergewichtige anzubieten. Yoga sei für jeden Menschen geeignet, sagt sie, und widmet sich wieder dem Motor, der etwas unrund läuft. „Der braucht langsam mal Öl“, sagt sie.

Als sie den Kübel an der B 8, Ecke Dresdner Straße gewässert hat, verabschiedet sie sich von den Blumen mit den Worten „Ich gucke am Donnerstag wieder nach euch.“ Redet sie mit Blumen? „Nein“, sagt sie und lacht. „Das war nur Spaß.“

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