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Mitarbeiter manipuliert Programme

Untreue bei der Sparkasse: Fast eine Million Euro Schaden

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Ein inzwischen gefeuerter Mitarbeiter der Kreissparkasse Limburg soll die internen Programme der Bank manipuliert und so unberechtigt Kredite vergeben haben. Schaden: fast eine Million Euro. Wie konnte das passieren?

Der Sparkassenangestellte hat es wahrscheinlich gut gemeint. . . Mit seinen klammen Geschäftskunden, denen er finanziell wieder auf die Sprünge helfen wollte. Aber nicht mit seinem Arbeitgeber, dem er einen Schaden von knapp einer Million Euro zugefügt hat. Genau sind es 967 000 Euro – entstanden durch 39 verbotene Aktionen im Zeitraum vom 23. April 2009 bis 23. Oktober 2012.

So steht es jedenfalls in der Anklageschrift der Limburger Staatsanwaltschaft vom Juli 2016. Nachdem das Verfahren 2017 ausgesetzt wurde, kommt es nun zum Prozess vor dem Limburger Landgericht. Der inzwischen 43-Jährige muss sich vom 22. Oktober an wegen Untreue vor der 1. großen Wirtschaftsstrafkammer verantworten. Der Vorsitzende Richter hat neun Verhandlungstage bis zum 18. Januar terminiert.

Nach Stand der Dinge hat der Mann sich nicht persönlich bereichert, zumindest nicht direkt. Der finanzielle Verlust für die Kreissparkasse Limburg (KSK) entstand dadurch, dass sie auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten musste. In einigen Fällen hat sie sich mit den betroffenen Kunden auf einen Vergleich geeinigt, in anderen gar nichts bekommen.

Der Sachbearbeiter war in der Abteilung Sanierung tätig und mit der Sicherung und Rückführung von Krediten betraut. In dieser Funktion konnte er zum Beispiel für Restrukturierungsmaßnahmen auch Gelder bewilligen.

Das hätte nach dem KSK-Statut allerdings über ein streng vorgeschriebenes Verfahren geschehen müssen. Zunächst gilt das Vier-Augen-Prinzip: Ein zweiter Sachbearbeiter muss die Überweisung im EDV-System freischalten – und dafür muss die Genehmigung eines sogenannten Kompetenzträgers vorliegen. Das kann, je nach Höhe der Summe, ein Vorgesetzter bis hin zum Vorstand sein.

Der Mitarbeiter soll dieses Schutzsystem 39 Mal umgangen haben, indem er den nicht gesperrten PC des Arbeitskollegen benutzte. Dabei war ihm laut Anklage bewusst, dass die von ihm vergebenen Kredite aufgrund der bestehenden wirtschaftlichen Schieflage der Empfänger ein erhebliches Ausfallrisiko trugen.

Warum der im Landkreis wohnende Angestellte dies tat, ob er möglicherweise die Chefs der Firmen gut kannte, vielleicht sogar „Provision“ kassierte oder andere Motive hatte, wird im Prozess zu den interessanten Fragen zählen.

Die Kreissparkasse wollte sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht dazu äußern, warum die Vorgänge über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren unbemerkt blieben. „In einem laufenden Verfahren können wir keine Auskunft geben“, sagte gestern Vorstand Mario Rohrer. „Wir gehen davon aus, dass die Details und die Hintergründe vor Gericht geklärt werden.“

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