Vor dem Limburger Landgericht ist eine Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt.
+
Vor dem Limburger Landgericht ist eine Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt.

Fall in Mengerskirchen

Streit eskaliert: Verfahren um Körperverletzung mit Todesfolge am Limburger Landgericht

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
    schließen

Kurz nach einem alkoholgeschwängerten Streit stirbt eine Frau – mehrfaches Organversagen. Vor dem Landgericht Limburg wird nun erörtert, welche Rolle ihr damaliger Freund dabei gespielt hat.

Limburg – Ob es in der kurzen Partnerschaft des jungen Paares glückliche Momente gegeben hat, wird in dem Verfahren vor dem Limburger Landgericht nicht besprochen. Es geht vielmehr um verbale Beleidigungen, um Gewalt und um sehr viel Alkohol. Es geht vor der Schwurgerichtskammer von Dr. Andreas Janisch darum herauszufinden, weshalb eine junge Frau im Dezember 2018 so schwere Verletzungen erlitt, dass sie sieben Wochen später an deren Folgen starb. Angeklagt ist ihr damaliger Freund, ein heute 34-jähriger Mann. Körperverletzung mit Todesfolge lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen ihn.

Nach deren Ermittlungen kam es am 1. Dezember 2018 in Mengerskirchen in der Wohnung der Eltern des Angeklagten zu einer Auseinandersetzung zwischen dem jungen Mann und seiner Lebensgefährtin. Gegenstand des Streits war angeblich das Mobiltelefon des Beschuldigten, das die Freundin an sich nahm. Sowohl der Mann als auch die Frau sollen zu diesem Zeitpunkt stark alkoholisiert gewesen sein. Bei der Frau hatten Alkoholexzesse der Vergangenheit bereits Spuren hinterlassen: Sie litt an einer fortgeschrittenen Leberzirrhose.

Prozess in Limburg: Frau brutal zusammengeschlagen – Nach dem Koma ging es nur kurz bergauf

Diese Vorerkrankung sei ihrem Partner gekannt gewesen, sagt die Staatsanwaltschaft. Trotzdem sei er aggressiv geworden, habe die Frau geschubst, getreten, dass sie gegen das Bett fiel, und ihr schließlich einen Faustschlag gegen die Brust verpasst. Daraufhin sei der Frau die Luft weggeblieben; sie geriet in Atemnot. Der Bruder des Angeklagten habe diesen aufgefordert, der Freundin zu helfen.

Die Männer alarmierten einen Krankenwagen. Mit einer Notoperation wurde die Frau gerettet, in ein künstliches Koma versetzt und neun Tage intensivmedizinisch betreut. Wenige Tage vor Weihnachten konnte sie das Krankenhaus verlassen, wurde rund eine Woche später jedoch wieder eingeliefert. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich dramatisch. Sie starb am 25. Januar. Todesursache: Multi-Organversagen. Das sind die Fakten und die Erkenntnisse, die die Staatsanwaltschaft gewonnen hat.

Körperverletzung oder ein Sturz aus dem Bett? – Fall in Limburg vor Gericht

Der Angeklagte selbst hat eine andere Erklärung für den Tod seiner Freundin. Er hatte zu Prozessbeginn ausgesagt, dass er in der Tatnacht gar nicht im Zimmer der Frau gewesen sei, sie also nach seiner Vermutung aus dem Bett gestürzt sei und sich dabei die schweren Verletzungen zugezogen habe, die schließlich zu ihrem Tod führten. Das teilte seine Verteidigerin, Rechtsanwältin Bärbel Schäfer, mit.

Und das bestätigte auch die Mutter des Angeklagten am zweiten Verhandlungstag. Ihr Sohn "ist ein guter Junge". Gewalttätig sei er nie gewesen. Im Gegenteil, er habe einen Schulabschluss, arbeite und sei beliebt. Die Probleme begannen, als er 2016 die Freundin kennenlernte. Denn die habe "stark getrunken", und wenn der Sohn abends nach Hause kam, "war sie schon ziemlich voll".

Allerdings begann auch der Sohn zu trinken, und mit steigendem Alkoholspiegel muss letztlich auch das Aggressionspotenzial gewachsen sein. Das räumte die Mutter vor Gericht ein. Lautstarke Auseinandersetzungen habe es häufig gegeben. Körperliche Gewalt auch, jedenfalls weisen Aktenvermerke darauf hin, die die Polizei schon in den Monaten vor der letzten Tat angefertigt hatte. Danach hat die Freundin bei der Polizei bestätigt, geschlagen worden zu sein. Nur sei das nicht so schlimm, hat sie laut Protokoll gesagt. Schläge sei sie gewohnt. Strafanzeigen stellte sie jedenfalls nicht; die erfolgten von Amts wegen.

Mutmaßlicher Gewalttäter in Limburg vor Gericht – Er soll auch seine Mutter geschlagen haben

Auch die Mutter des Angeklagten soll von ihrem Sohn mindestens einmal geschlagen und gewürgt worden sein, geht aus einer Polizeinotiz hervor. Angeblich hatte die Frau eine erneut aufflammende Auseinandersetzung des jungen Paares dämpfen wollen. Daraufhin habe der Sohn sie am Hals gewürgt und geschrien, "wenn du nicht gehst, haue ich dich kaputt". Im Februar 2017 soll sich dieser Zwischenfall abgespielt haben. Heute, mehr als vier Jahre später, kann sich die Mutter daran nicht mehr erinnern. Sie bleibt dabei: Gewalttätig sei der Sohn nie gewesen. Der Prozess wird am kommenden Freitag um 9 Uhr fortgesetzt. (Anke Bohnhorst-Vollmer)

Anfang des Jahres wurde am Landgericht Limburg zur mutmaßlichen Misshandlung eines Babys verhandelt. Der Tod des nur gut vier Wochen alten Babys liegt Jahre zurück.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare