Der Berufungsprozess wird nächste Woche fortgesetzt.
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Der Berufungsprozess wird nächste Woche fortgesetzt.

Auftakt zum Berufungsprozess

Vergewaltigung: Verteidiger empfiehlt pragmatische Lösung

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Drogenentzug soll in Gesamtstrafe einbezogen werden - Berufung wird möglicherweise zurückgezogen

Limburg -Nur etwa eine Stunde dauerte gestern der Auftakt in einem Berufungsverfahren gegen einen 27-jährigen Mann, der derzeit in der Justizvollzugsanstalt Frankfurt sitzt. Wegen einer Vergewaltigung, die er im August 2016 in Elz begangen haben soll, war der Mann im November vergangenen Jahres vom Amtsgericht Limburg zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Darüber hinaus war wegen zweifachen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und einer Sachbeschädigung zu einer weiteren Gesamtstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Dagegen hatte der Angeklagte Berufung eingelegt, die jetzt vor der Dritten kleinen Strafkammer des Landgerichts verhandelt wird. Zu den bereits abgeschlossenen Verfahren erwartet den 27-Jährigen ein weiterer Prozess vor dem Landgericht, bei dem es um einen Raubüberfall in Limburg gehen soll.

Vorstrafen und

ein weiterer Prozess

Um sich der Komplexität dieser Urteile und Verfahren pragmatisch zu nähern, schlugen die Verteidiger Ulrich Endres und Patrick Bill dem vorsitzenden Richter Henrik Gemmer jetzt vor, die Berufung zurückzuziehen und eine Gesamtstrafe zu erwirken. Bei der müsse aber die Drogenabhängigkeit ihres Mandanten berücksichtigt werden. Dass dieser "Hang zum Drogenmissbrauch" vorliegt, bestätige ein bereits erstelltes Gutachten.

"Lassen Sie uns rechnen", sagte Verteidiger Endres. Zu der Verurteilung zu drei Jahren und zehn Monaten wegen einer Vergewaltigung dürften sich die weiteren Strafen aus vorherigen Urteilen sowie die zu erwartende Strafe wegen des Raubüberfalls zu insgesamt "neun Jahren und ein paar Zerquetschten" addieren. Bei einer Gesamtstrafe von acht Jahren könne nach seiner Einschätzung das Berufungsverfahren zurückgezogen werden, wenn im Gegenzug das Verfahren am Landgericht wegen des Raubüberfalls ausgesetzt werde und der 27-Jährige einen Teil seiner Strafe in einer Entziehungseinrichtung verbüßen könne.

Ohne Therapie

keine Resozialisierung

Diese Option sei nach seiner Überzeugung die einzige Möglichkeit, den Mann zu resozialisieren. Denn das Strafregister zeige, dass ihn seine Drogensucht, seine Endres zufolge "hohe Konsumgeschwindigkeit", angetrieben habe. Ohne therapeutische Unterstützung werden er nach der Haft erneut in die Beschaffungskriminalität abrutschen, erklärte der Verteidiger.

Auf das Berufungsverfahren zu verzichten würde auch bedeuten, dass die Zeugin der mutmaßlichen Vergewaltigung nicht noch einmal vor Gericht erscheinen müsse. Deren Glaubwürdigkeit sei ohnehin fragwürdig, deutete Verteidiger Patrick Bill an. In jedem Fall aber werde der Frau eine erneute Aussage erspart.

Staatsanwaltschaft und Strafkammer kündigten an, den Vorschlag der Verteidigung zu prüfen. Der Prozess wird am kommenden Mittwoch, 29. Juli, um 14 Uhr fortgesetzt.

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