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Prozess

Versuchter Totschlag: Mann sticht Schwager nieder

Weil der Schwager die Adresse der Ehefrau an einen anderen Mann weitergegeben hatte, sah ein 53-jähriger Mann rot – und stach zu. Seit gestern muss er sich deshalb wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht verantworten.

Mit einem Messer, dessen Klingenlänge mit 20 Zentimeter angegeben wurde, soll ein 53 Jahre alter Mann aus Limburg seinen Schwager lebensbedrohlich verletzt haben. Die beiden Männer trafen sich zu einer Aussprache in der Gemarkung Linter. Dabei soll der vor der 2. Schwurgerichtskammer wegen versuchten Totschlags angeklagte Mann dem Schwager das Messer in den Brustkorb und den Unterleib gerammt haben. So lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Der Angeklagte äußerte sich am ersten Prozesstag nicht – weder zu dem Tatvorwurf, noch zu seinem Lebenslauf. Allerdings stellte er in Aussicht, heute oder an den kommenden Verhandlungstagen etwas zu sagen. So wurden die Prozessbeteiligten zunächst einmal mit den Schilderungen des Schwagers des Angeklagten konfrontiert, der als Nebenkläger auftritt.

Der Grund für das Treffen der beiden Männer sei gewesen, dass der Schwager und Bruder der Ehefrau des Angeklagten die Adresse seiner Schwester an eine Jugendliebe von ihr weitergegeben habe, schilderte der Schwager. Dies hatte dem Angeklagten missfallen, so dass er zu dem Treffen in Linter bat. „Ich hatte keine Angst, dass es Gewalttätigkeiten geben würde“, sagte der Schwager jetzt vor Gericht.

Am Treffpunkt sei der Angeklagte aus seinem Auto gestiegen und habe sich zielstrebig zum Auto des Nebenklägers begeben.

Der hatte mittlerweile Gefahr gewittert und sich im Auto zu verbarrikadieren versucht. Er wollte den Angreifer hindern, ins Auto einzudringen, indem er sich mit Macht gegen die Tür stemmte. „Dann weiß ich nur noch schemenhaft, was passiert ist. Ich hatte das Gefühl, ein blinkendes Messer fliege an meinem Kopf vorbei“, sagte der Mann. 

Ein blinkendes Messer

Seine Erinnerung kehrte zurück, als er sich auf dem Körper des Angeklagten sitzend befand und trotz der Messerstiche noch die Kraft hatte, den Angeklagten festzuhalten. Die offenbar von der Ehefrau des Angeklagten alarmierte Polizei nahm den 53-Jährigen fest. Ein Alkoholtest ergab einen Wert von 1,31 Promille.

Wie schon das Opfer der Tat so beschrieb auch die 46-jährige Ehefrau des Angeklagten ihren Mann als schwierig. Die von den Eltern eingefädelte Ehe habe zuletzt auch unter dem starken Alkoholkonsum ihres Mannes gelitten. Mit der Familie habe es nur selten Kontakt gegeben und mit ihrem Bruder sei es meist wegen religiöser Probleme zum Streit gekommen. Ihr Mann habe sie niemals geschlagen, es sei nur zu verbalen Auseinandersetzungen gekommen. Einmal habe er sie sogar mit dem Tode bedroht. Zu seinen Qualitäten als Vater befragt, erklärte sie hingegen: „Er war ein guter Vater. Er war der beste Vater der Welt.“

Die Verhandlung vor dem Landgericht wird heute um 9 Uhr fortgesetzt.

Von Bernd Bude

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