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Diskutierten Unternehemensnachfolgen: Sebastian Bach, Udo Triesch, Joachim Heidersdorf, Günther Schmidt und Klaus Merz (v.l.).

Wirtschaft

In vielen Firmen steht in den nächsten Jahren das Thema Nachfolge an

Aktuell ist der Fachkräftemangel das wichtigste Thema für die heimischen Firmen, mittelfristig jedoch die Nachfolge das größte Problem. Ein gutes Thema für das „1. Limburger Unternehmerforum“.

Auf Initiative der Limburger MNT-Gruppe, der Volksbank Rhein-Lahn-Limburg und des Porsche Zentrums erfuhren am Donnerstagabend 150 Gäste in einer interessanten Diskussion von Betroffenen und Fachleuten Wissenswertes über Geschäftsübergaben und -übernahmen.

Moderator Joachim Heidersdorf machte im Porsche-Zentrum eingangs klar, dass das Thema nur auf den ersten Blick dröge wirke. Tatsächlich gehe es wie in einem spannenden Krimi um Macht und Geld, Neid und Liebe – um harte Werte und Emotionen. Der NNP-Redaktionsleiter nannte „alarmierende Zahlen“. In den nächsten zehn Jahren würden laut Studien in Deutschland 800 000 Unternehmen schließen, weil es keine Nachfolger gebe. In der Region sehe es nicht besser aus. Laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Limburg seien die Geschäftsführer beziehungsweise Inhaber von 3800 der 13 250 Mitgliedsunternehmen 55 Jahre oder älter. Das heiße, in fast jedem dritten Unternehmen müsse in den nächsten Jahren eine Nachfolgeregelung gefunden werden.

Wie es gehen kann, zeigt das Beispiel von Sebastian Bach, der in der vierten Generation immer mehr Verantwortung in der Geschäftsführung der Bach-Gruppe übernimmt. Vor neun Jahren hat ihn sein Vater Albrecht gefragt, ob er einsteigen möchte, und der Junior hat zugesagt. Der 35-Jährige ist Mitgeschäftsführer in der Holding und Chef von Porsche, sein Vater hält noch die mehrheitlichen Anteile. Sebastian Bach berichtete von einem sehr guten Miteinander, auch wenn er und sein Vater nicht immer einer Meinung seien. Dessen Erfahrung und Präsenz seien nach wie vor sehr wichtig. Der 63-Jährige habe die Größe, nach und nach loszulassen.

Kein Zwist in der Familie

Von der Schmidt-Gruppe aus Dornburg saß Günther Schmidt am Podium. Er hat seinem Sohn Stephan kontinuierlich mehr Verantwortung übertragen und schließlich das operative Geschäft übergeben. Genauso wie Günther Schmidt 1974 ins Unternehmen seines Vaters Stephan hineinwuchs, war auch die Übergabe an seinen Sohn unproblematisch. Beide verstehen sich und harmonieren auch geschäftlich gut, sagte er. 1,6 Millionen Tonnen Ton baut das Unternehmen jährlich ab und liefert es in 40 Länder.

Joachim Heidersdorf wollte wissen, ob in Familien mit mehreren Kindern die Geschäftsübergabe an ein Kind zu Spannungen führen könne. Bei Sebastian Bach gab es keine Reibereien, weil seine ältere Schwester an der Übernahme kein Interesse gehabt habe und seine jüngere Schwester noch studiere. Bach sagte, in einem Unternehmen müsse immer einer die Mehrheit haben, damit das Geschäft bei unterschiedlichen Meinungen handlungsfähig bleibe. In Günther Schmidts Familie hat sich die Nachfolge von alleine erledigt, weil seine älteste Tochter die Tochterfirma in Italien leite und nicht nach Deutschland zurück wolle. Seine jüngere Tochter sei begeisterte Wissenschaftlerin. Von daher sei klar gewesen, dass es auf den Sohn hinauslaufe.

Der Moderator wies darauf hin, dass in den allermeisten Fällen familieninterne Übergaben stattfänden und fragte Klaus Merz, wie man als Außenstehender an ein neues Unternehmen komme. Am besten bei der IHK oder der Handwerkskammer nachfragen, riet der Vorstand der Volksbank. Ganz ohne Eigenkapital gehe es freilich nicht, doch die Volksbank unterstütze junge Unternehmer mit wenig Kapital, wenn sie von der Idee überzeugt sei beziehungsweise mit der Familie in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht habe.

Wichtig ist laut Merz, dass der Kreditsuchende die Bank überzeugen kann, dass sein Geschäftsmodell für die Zukunft tragfähig ist. Wer eine Übernahme plane, solle sich zwecks Erstellung eines Finanzierungsplans an seine Hausbank wenden.

Udo Triesch, Partner der MNT Revision- und Treuhand GmbH und Fachberater für Unternehmensnachfolge, betonte, Firmeninhaber sollten die Nachfolge prinzipiell frühzeitig klären. In allen Familien müssten die Angehörigen rechtzeitig die Stärken und Schwächen möglicher „Kandidaten“ erörtern und festlegen, wer fachlich für die Aufgabe am besten geeignet sei. Bei Problemen könne die Hilfe eines Mediators sinnvoll sein, so Triesch. Wichtig sei es außerdem, zu regeln, wie das Unternehmen geschäftsfähig bleibe, wenn der Inhaber über Nacht beispielsweise durch einen Unfall nicht mehr zur Verfügung stehe.

Nach der Diskussion konnten die Gäste dann einmal so richtig schön abschalten und ablachen, als der Kölner Comedyredner „Dr. Jens Wegmann“ seine ganz spezielle Theorie der erfolgreichen Geschäftsübergabe garniert mit witzigen Filmchen präsentierte.

(rok)

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