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Vier Jahrzehnte im Dienst am technischen Fortschritt

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Der Erfinder Hans Haus führte auf Messen den von ihm 1963 erfundenen magnetischen Telefonhörerhalter "Teleclip" vor. FOTO: Privat
Der Erfinder Hans Haus führte auf Messen den von ihm 1963 erfundenen magnetischen Telefonhörerhalter "Teleclip" vor. FOTO: Privat © Privat

Der Limburger Unternehmer Hans Haus hat 70 Erfindungen zum Patent angemeldet.

Limburg -Die Welt braucht Erfinder, intelligente Köpfe, die beispielsweise mit technischen Neuheiten anderen Menschen das Leben angenehmer machen. Ungezählte Gegenstände des täglichen Gebrauchs mussten erst einmal erfunden werden und wer seine Ideen vor Nachahmern sichern will, sollte darauf ein Patent oder Gebrauchsmuster anmelden. So wie es der Limburger Unternehmer Hans Haus getan hat, der seine Entwicklungen im vergangenen Jahrhundert gleich 70 Mal im In- und Ausland schützen ließ.

International erfolgreich wurde Hans Haus mit der Entwicklung von Lichtpausmaschinen nebst Zubehörgeräten, auch Blaupausen genannt. Dank seiner neuen Apparate wurde es Architekten, Bauämtern, Industrie und Gewerbe möglich, beispielsweise Pläne zu vervielfältigen (zu pausen). Das bedeutendste Objekt dieser Art war ein Lichtpaus-Planbelichtungswagen. Dieser verhalf der Bekleidungsindustrie durch aufbügelbare Lichtpausen beim Bekleidungszuschnitt zu erheblichen Stoff- und Zeitersparnissen.

Regelmäßig gelang es dem Limburger dank seines genialen Erfindergeistes, Belichtungsmaschinen verschiedenster Art zu entwickeln und das Druckgewerbe zu revolutionieren. Mit seiner als Patent angemeldeten Limozick-Kopiermaschine gelang es ihm, bei der Umstellung von Blei- auf Fotosatz eine Marktlücke zu schließen. Zudem war es ihm gelungen, ein preiswertes und fast wartungsfreies Mikrofilm-Dupliziergerät zu entwickeln. Das in den achtziger Jahren von seiner Firma "Planlux Kopiereinrichtungen" konkurrenzlos entwickelte, mit Mikroelektronik arbeitende Durchlauf-Plankopier-System wurde zu einem Renner.

1963 überzeugte Hans Haus mit dem magnetischen Telefonhörerhalter "Teleclip". Dank dieses Hilfsmittels lag der Telefonhörer selbständig und unverrückbar am Ohr an, so dass während des Telefonierens beide Hände zum Schreiben, Nachschlagen und dergleichen frei waren. Diese Neuheit wurde auf der Industriemesse Hannover in Anwesenheit von Bundespostminister Stücklen im Fernsehen gezeigt.

In der Blütezeit

über 50 Mitarbeiter

Das Limburger Unternehmen war Dauergast auf den einschlägigen Fachmessen, unter anderem 40 Jahre auf der Hannover Messe, so auch auf der Bekleidungsfachmesse in Köln und beschäftigte in der Blütezeit der siebziger/achtziger Jahre über 50 Mitarbeiter. Doch nicht alle seine Erfindungen brachten Hans Haus den erhofften Erfolg. So zeigten vor über 60 Jahren die Inhaber der Eau de Cologne & Parfümerie Fabrik (4711) großes Interesse für einen von ihm erfundenen "unverlierbaren Tubenverschluss", der allerdings nicht in die Serienfertigung ging. Die Einführung eines Handabrollers für Selbstklebebänder in den Siebzigern scheiterte an fehlendem Interesse.

Hans Haus (Jahrgang 1913) stammte aus Freiendiez, wo er in seinen beruflichen Anfangsjahren in einer Werkstatt Elektro- und Empfangsgeräte baute. Bei Limburger Firmen erlernte er den Beruf des Elektrikers und heiratete dort 1939 Elisabeth Schüller aus dem Hahlgartenweg. Aus der Ehe gingen ein Sohn und eine Tochter hervor. Im Zweiten Weltkrieg war er beim Nachrichtenregiment im Lager Rebstock stationiert und zeitweise zum Berliner Reichsamt für Bodenforschung Berlin abgeordnet. 1947 aus französischer Gefangenschaft zurückgekehrt, stellte Hans Haus mit dem Inhaber des späteren Limburger Fachgeschäfts "Strumpf Neumann" Spielsachen her. 1951 gründete er die Firma "Zick Schalterbau" und verwirklichte sein erstes Patent aus dem Jahr 1935, das er für einen Druckknopf-Zeitschalter angemeldet hatte.

Damals war seine Werkstatt in der Holzheimer Straße/Ecke Wiesenstraße, wo sich auch die Kohlenhandlung Feix befand. Doch schon bald wurden die Räume zu klein, so dass er 1960 mit sechs Beschäftigten an den Stephanshügel 10 umzog. Er gründete die Firma Limozick Apparatebau. Anfang der siebziger Jahre zählte das Unternehmen bereits 30 Mitarbeiter, so dass ein Neubau erforderlich wurde, der in der Jahnstraße 7 (gegenüber dem Sportgelände des VfR 07) mit einer kompletten Produktionsstätte entstand. Als erstes Limburger Kopierstudio bot Haus einen ganztägigen Kopierservice für Häuslebauer, Architekten und Ingenieure an, der rege in Anspruch genommen wurde.

Mit mehreren namhaften Unternehmen begann eine erfolgreiche Zusammenarbeit, zum Beispiel mit Lizenzverträgen. Die Kalle AG Wiesbaden sorgte für Spezialpapier, das für die begehrten Lichtpaus-Apparate benötigt wurde. Ein Duplizierer für Mikrofilme brachte zusätzliche Aufträge. 1980 zog sich der Firmengründer zurück. Unter neuen Inhabern entstand die Planlux Kopiereinrichtungen GmbH, die fünf Jahre danach infolge Auftragsrückgängen und einer schwachen Kapitaldecke den Betrieb einstellte. Hans Haus starb 1998 im Alter von 84 Jahren. Dieter Fluck

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