Am Sonntag wird gewählt, die Plakate hängen in Limburg noch - auch die der Direktkandidaten Klaus-Peter Willsch und Martin Rabanus. F
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Am Sonntag wird gewählt, die Plakate hängen in Limburg noch - auch die der Direktkandidaten Klaus-Peter Willsch und Martin Rabanus. F

Wahlkreis Rheingau-Taunus - Limburg

Vier von sechs ziehen wohl in den Bundestag ein

  • Stefan Dickmann
    VonStefan Dickmann
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Am Sonntag ist Wahl: Warum ein guter Listenplatz auch für Direktkandidaten wichtig ist.

Limburg -Kann es am Wahlsonntag nur eine oder einen geben? Schaut man nur auf die Direktkandidaten lautet die Antwort: Ja - und Nein. Ja, weil nur die Kandidaten, die mit der Erststimme zu wählen sind und die meisten Stimmen erhalten, direkt in den Bundestag einziehen. Und nein, weil Direktkandidaten, die verlieren, trotzdem Bundestagabgeordnete werden können - wenn sie oder er es über die Landesliste schaffen.

Dieser Grundsatz gilt auch für drei Direktkandidaten im heimischen Wahlkreis Rheingau-Taunus - Limburg (Nummer 178), die auch bei einer Niederlage morgen in der Direktwahl wahrscheinlich Abgeordnete bleiben oder werden.

Der Bundestag setzt sich zur einen Hälfte aus direkt gewählten Kandidaten (Erststimme) und zur anderen Hälfte aus Listenkandidaten (Zweitstimme) zusammen. Dazu kommen noch Ausgleichsmandate, mit denen Überhangmandate von Parteien ausgeglichen werden, die mehr direkt gewählte Kandidaten in den Bundestag entsenden als ihnen nach der Zweitstimme zusteht. Die ist jedoch das Maß der Dinge.

Bei den kleineren Parteien, die nur selten eine Chance haben, dass ihre Kandidaten direkt in den Bundestag gewählt werden, nimmt die Landesliste eine herausragende Rolle ein. Das ist bei den Parteien, die in ihrem Bundesland regelmäßig auf Platz 1 oder 2 landen, also in der Regel CDU und SPD, nicht so extrem.

Wer von den Direktkandidaten in den heimischen Wahlkreisen hat die besten Chancen, dem neuen Bundestag anzugehören? Hier der Wahlkreis Rheingau-Taunus - Limburg - zu dem gehören auch die heimischen Kommunen im nördlichen und südlichen Landkreis Limburg-Weilburg sowie Limburg:

Klaus-Peter Willsch (CDU): Er ist der Platzhirsch im Wahlkreis 178, der traditionell die CDU zur stärksten Kraft macht. Seit 1998 sitzt Willsch für die CDU im Bundestag, immer direkt gewählt. Auch 2017 bekam er mit 41,8 Prozent die meisten Erststimmen, wenn auch mit seinem bislang schwächsten Einzelergebnis.

Damit lag er vor vier Jahren gut sieben Punkte über dem Zweitstimmenergebnis seiner Partei in diesem Wahlkreis. Ungewöhnlich ist das nicht: Gerade die Wähler kleinerer Parteien wie FDP und Grüne wählen mit ihrer Erststimme nicht selten taktisch und unterstützen die aussichtsreicheren Kandidaten von CDU und SPD. Willsch ist aber auch über die Landesliste seiner Partei abgesichert, sollte er nicht direkt gewählt werden. Dort steht er in diesem Jahr auf Listenplatz 9 - ein sicherer Listenplatz. Wenn sie den zum Tragen kommt: Vor vier Jahren spielte für die CDU die Landesliste in Hessen gar keine Rolle, weil sie 17 Direktmandate mit der Erststimme holte und damit mehr als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis in Hessen (14) zugestanden hätte.

Auf der hessischen CDU-Liste steht noch ein weiterer heimischer Politiker: Der Vorsitzende des CDU-Stadtverbands in Limburg, Christian Wendel, kandidiert auf Platz 31. Das ist wird zwar nicht reichen, um in den Bundestag einzuziehen, aber auf der hessischen CDU-Liste mit 53 Kandidaten auch nicht ganz hinten.

Martin Rabanus (SPD): Der Sozialdemokrat landete bei der Direktwahl 2017 auf Platz 2 mit 25,3 Prozent und lag damit ebenfalls über dem Zweitstimmenergebnis seiner Partei im Wahlkreis. Wenn er eine Chance hat, Willsch möglichst nahe zu kommen, dann bei dieser Wahl, wenn die Umfragen nicht komplett daneben liegen. Weil er vor vier Jahren in Hessen einen ordentlichen Listenplatz (7) erhalten hatte, zog er dennoch in den Bundestag ein. Die SPD durfte in Hessen vor vier Jahren insgesamt zwölf Vertreter in den Bundestag entsenden - fünf direkt gewählte Abgeordnete und noch sieben über die Landesliste. Hat ein direkt gewählter Kandidat zusätzlich einen sehr guten Listenplatz bei seiner Partei erhalten, macht er seinen Listenplatz frei für die Person, die direkt hinter ihm liegt.

In diesem Jahr kandidiert Rabanus auf Listenplatz 9. Das hätte allerdings schon vor vier Jahren - bei einem schlechten Wahlergebnis der SPD - für den Einzug in den Bundestag gereicht, weil die Listenkandidaten auf Platz 1 und 5 direkt in den Bundestag einzogen. Das machte zwei Plätze auf der Liste frei, davon profitierte auch Rabanus, der dadurch von Platz 7 auf Platz 5 rückte.

Marcus Resch (AfD): Er tritt zum ersten Mal im Wahlkreis Rheingau-Taunus - Limburg an. Seine Vorgängerin Christine Anderson, die damals noch in Lindenholzhausen wohnte, bekam vor vier Jahren 10,2 Prozent der Erststimmen - Platz 3. Resch ist nicht über die Landesliste der AfD abgesichert. Wird er also am morgigen Sonntag nicht direkt gewählt, darf er seine Partei auch nicht im Bundestag vertreten.

Der stellvertretende Kreisvorsitzende der AfD Limburg-Weilburg, Meysam Ehtemai, kandidiert auf Listenplatz 10 für seine Partei in Hessen. Das wird aber nur dann für einen Einzug in den Bundestag reichen, wenn die AfD in Hessen am Sonntag deutlich besser abschneidet als vor vier Jahren, als sie 11,9 Prozent der Zweitstimmen bekam und insgesamt sechs Vertreter in den Bundestag schicken durfte.

Alexander Müller (FDP): Auch dieser liberale Bundestagsabgeordnete verdankt sein aktuelles Mandat der Landesliste seiner Partei. Sechs Liberale durfte die FDP in Hessen nach der Wahl vor vier Jahren in den Bundestag schicken - er war der sechste Listenkandidat. In diesem Jahr dürfte es für ihn mit Listenplatz 4 einfacher sein. Bereits vor vier Jahren trat Müller für die FDP im Wahlkreis Rheingau-Taunus-Limburg an und landete mit 7,6 Prozent auf Platz 4. Das Zweitstimmenergebnis der FDP in diesem Wahlkreis war mit 13,2 Prozent deutlich besser. Das heißt: Sehr viele FDP-Wähler haben taktisch gewählt.

Dr. Anna Lührmann (Grüne): Auch die frühere Bundestagsabgeordnete hat sehr gute Chancen, wieder in den Bundestag einzuziehen, weil sie mit Listenplatz 5 in Hessen recht weit oben steht. Bereits vor vier Jahren hätte das für den Einzug in den Bundestag gereicht, weil die Grünen fünf Bundestagsmandate in Hessen holten. Wenn man den aktuellen Umfragen Glauben schenkt, werden die Grünen am Sonntag jedoch besser abschneiden, also mehr Mandate in Hessen holen.

Ihr Vorgänger als Direktkandidat, Timo Müller, bekam vor vier Jahren 7,0 Prozent und lag ebenfalls unter dem Zweitstimmenergebnis (8,9 Prozent) seiner Partei im Wahlkreis. Der Anteil der Grünen-Wähler, die taktisch wählen, war vor vier Jahren also deutlich kleiner als bei der FDP.

Valentin Zill (Linke): Er tritt zum ersten Mal als Direktkandidat an und hat keinen Listenplatz; ein direkter Einzug in den Bundestag ist für ihn nicht zu schaffen. Vor vier Jahren zogen über die Liste der Linken in Hessen vier Kandidaten in den Bundestag ein.

Der Wahlkreis 176: Gute Chancen nur für zwei Kandidaten

Welche Chancen haben die Kandidaten im Wahlkreis Hochtaunus, in den neuen Bundestag einzuziehen? Er umfasst auch die Kommunen des früheren Oberlahnkreises, darunter Runkel, Villmar und Beselich:

Markus Koob (CDU): Er ist 2013 zum ersten Mal in den Bundestag direkt gewählt worden und verteidigte den Wahlkreis s vor vier Jahren mit 39,9 Prozent. Der Vorsprung zum zweitplatzierten Kandidaten der SPD betrug fast 17 Prozentpunkte. Auch hier gilt: Der Hochtaunus ist eine CDU-Hochburg, die für die politische Konkurrenz nur schwer einzunehmen ist. Auf der Landesliste seiner Partei steht Koob auf Platz 10. Weil die CDU vor vier Jahren aber 17 Direktmandate in Hessen holte, spielte die Landesliste bei der Verteilung der Mandate für den Bundestag für die hessische CDU keine Rolle, da ihr nach dem Zweitstimmenergebnis nur 14 Sitze zustanden. Die drei Überhangmandate der CDU wurden deshalb bei den anderen Parteien mit Ausgleichsmandaten ausgeglichen, um das Zweitstimmenergebnis nicht zu verfälschen.

Alicia Bokler (SPD): Die SPD befindet sich bundesweit im Aufschwung, aber reicht das für die Newcomerin aus Villmar für einen überraschenden Wahlsieg in der konservativen Hochburg? Auf der SPD-Landesliste wird sie auf Platz 14 geführt. Die SPD müsste schon ein sensationell gutes Ergebnis in Hessen holen, damit dieser Platz für den Einzug in den Bundestag reicht, zumal ein solches Ergebnis oft auch zu vielen Direktmandaten führt.

Christian Tramnitz (Grüne): Dass er den Wahlkreis direkt holt, ist unwahrscheinlich. Vor vier Jahren reichte es für den Bewerber der Grünen für 8,9 Prozent der Erststimmen. Zwar steht Tramnitz auf der Landesliste der Grünen, aber nur auf Platz 14. Das dürfte kaum reichen. Bei der Wahl vor vier Jahren schafften es fünf Grüne, über die hessische Landesliste in den Bundestag einzuziehen.

Katja Adler (FDP): Ein direkter Einzug in den Bundestag ist für sie unwahrscheinlich bei einem Stimmenanteil des FDP-Kandidaten im Wahlkreis vor vier Jahren von 10,4 Prozent. Ganz anders sehen Katja Adlers Chancen auf der Landesliste aus: Dort kandidiert sie auf dem aussichtsreichen Platz 6. Hält die FDP ihr Zweitstimmenergebnis in Hessen dürfte das für es reichen: Vor vier Jahren profitierten davon sechs hessische Liberale.

Henning Thöne (AfD): Auch für diesen Kandidaten gilt: Eine Direktwahl ist sehr unwahrscheinlich (vor vier Jahren holte ein anderer Kandidat der AfD 10,4 Prozent). Ein Einzug in den Bundestag sonst ist ausgeschlossen, da Henning Thöne nicht auf der AfD-Landesliste steht.

André Pabst (Linke): 5,9 Prozent lautete das Erststimmenergebnis der Linken-Kandidatin vor vier Jahren, ein abgeschlagener 6. Platz. Der Weilburger steht auch nicht auf der Landesliste der hessischen Linken.

Der Wahlkreis 204: Drei Kandidaten können sich Hoffnung machen

Der Wahlkreis Montabaur besteht aus den Landkreisen Westerwald und weiten Teilen des Rhein-Lahn-Kreises, also unter anderem mit unseren heimischen Kommunen Hundsangen, Nentershausen, Görgeshausen, Diez und in Aar-Einrich.

Dr. Andreas Nick (CDU): Der Bundestagsabgeordnete setzte sich als Direktkandidat 2013 (49,3 Prozent) und 2017 (43,3 Prozent) durch. Es wäre schon eine Riesenüberraschung, wenn ihm das in der CDU-Hochburg Westerwald nicht wieder gelingt. Auf der Landesliste in Rheinland-Pfalz steht Nick auf Platz 9. Die Landesliste spielte für die CDU allerdings vor vier Jahren gar keine Rolle, weil diese Partei 14 Direktmandate in Rheinland-Pfalz holte (die SPD nur eins) - das waren mehr Mandate, als der CDU nach den Zweitstimmen zugestanden hätten.

Dr. Tanja Machalet (SPD): Ihre Vorgängerin landete vor vier Jahren mit knapp 30 Prozent auf Platz 2 in diesem Wahlkreis, zog aber dennoch in den Bundestag ein, weil sie einen guten Listenplatz hatte. Das gilt auch für die Landtagsabgeordnete Machalet, die sogar auf Listenplatz 2 steht. Das heißt: Ihr Einzug in den Bundestag steht im Grunde fest, auch wenn sie als Direktkandidatin gegen Nick verlieren sollte. Vor vier Jahren zogen neun Sozialdemokraten aus Rheinland-Pfalz in den Bundestag ein, einer direkt und immerhin acht über die Liste.

Robin Classen (AfD): Vor vier Jahren gab es im Wahlkreis Westerwald noch keinen Direktkandidaten der AfD. Ein direkter Einzug in den Bundestag ist für diesen Kandidaten sehr unwahrscheinlich. Über die Landesliste könnte es klappen, weil er dort auf Platz 5 steht, wenn die AfD besser abschneidet als bei der Wahl 2017. Vor vier Jahren zogen vier AfD-Politiker über die Landesliste in den Bundestag ein.

Dennis Sturm (FDP): Ein direkter Einzug in den Bundestag ist nicht zu erwarten. Sein Vorgänger holte vor vier Jahren 9,2 Prozent der Erststimmen, was für Platz 3 reichte. Sturm steht auf der Landesliste lediglich auf Platz 12. Auch das wird kaum reichen: Vor vier Jahren schafften es nur die ersten vier Liberalen der Landesliste in den Bundestag - bei einem sehr guten Ergebnis der FDP mit knapp elf Prozent.

Torsten Klein (Grüne): Sein Vorgänger als Direktkandidat landete vor vier Jahren mit 5,2 Prozent nur auf dem letzten 6. Platz, sogar noch hinter der Direktkandidatin der Freien Wähler. Auf der Landesliste der Grünen steht er nicht, also zieht er auch nicht in den Bundestag ein.

Natalie Brosch (Linke): Für sie gilt das Gleiche: Als Direktkandidatin chancenlos, auf der Landesliste mit gerade einmal sieben Kandidaten nicht vertreten. Immerhin: Der Direktkandidat der Linken schnitt in diesem konservativ geprägten Wahlkreis vor vier Jahren mit 7,0 Prozent besser ab als der Kandidat der Grünen.

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