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Vor 100 Jahren wurden Gaslaternen abgeschafft

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Dieses Fotomotiv vom Dom mit der Straßenlaterne im Vordergrund ist erst seit 28 Jahren möglich. Bis dahin war die alte Lahnbrücke nur auf der gegenüberliegenden Seite beleuchtet.
Dieses Fotomotiv vom Dom mit der Straßenlaterne im Vordergrund ist erst seit 28 Jahren möglich. Bis dahin war die alte Lahnbrücke nur auf der gegenüberliegenden Seite beleuchtet. © Dieter Fluck

Erst seit 1994 Lampen auf beiden Seiten

Limburg -Die im 14. Jahrhundert erbaute alte Lahnbrücke war bis zur Errichtung des flussabwärts gelegenen Neubaus Ende der 60er Jahre der einzige Verkehrsweg, der die Limburger Kernstadt mit der Brückenvorstadt verband. Ihre Benutzung dürfte im Mittelalter abends und in der Nacht eine gespenstische Angelegenheit gewesen sein. Vermutlich waren ihre Nutzer im Fackelschein unterwegs.

Die erste Straßenbeleuchtung überhaupt, die es in der Domstadt gab, waren Stadtlaternen, die Mitte des 19. Jahrhunderts mit reinem Öl gespeist wurden, das auf die Dauer eines Jahres abgelagert sein musste. Den Annalen aus dem Jahr 1861 ist zu entnehmen, dass für die Jahre 1861/62 Öl für die Stadtlaternen geliefert wurde und die Anfertigung von 14 Laternenseilen vergeben werden soll. Ob auch die Lahnbrücke in diese Beleuchtung einbezogen war, ist nicht bekannt. Die mit Öl betriebenen flackernden Lampen spendeten wenig helles Licht und waren auch nicht von langer Dauer; denn ab August 1862 bekam Limburg eine Gasanstalt, die an der Ecke Schiede/Dr. Wolff-Straße errichtet worden war.

Dieser erste Schritt für eine moderne Energieversorgung wurde im "Preußischen Hof" (heute Dom Hotel) groß gefeiert. In einer begleitenden Anzeige im damaligen Amtsblatt für Limburg, Diez und Runkel wurde bekanntgegeben, dass "Herr Blank in den einzelnen Häusern die Anlagen zum Anzünden fertigstellen wird". Es kann davon ausgegangen werden, dass zu jener Zeit auch die alte Lahnbrücke vom Gaslicht erhellt wurde, das übrigens per Hand bedient werden musste. So inserierte die Gasanstalt am 9. Februar 1870 im Kreisgerichtsblatt, dass zum "Anzünden und Löschen der Straßenlaternen zwei brave Leute" gesucht werden. Es gab den Beruf des Laternenanzünders.

Doch auch dieser gefeierte Fortschritt sollte nicht der letzte sein. Es hatte sich aus anderen Städten herumgesprochen, dass die Zukunft nicht mit handbetriebenen Gaslaternen zu meistern sei, sondern die moderne Elektrizität den Anforderungen der zunehmenden Industrialisierung eher gewachsen wäre. Und so beschlossen die Stadtverordneten bereits 1892 die Einführung elektrischen Stroms und dass die Ausleuchtung der Straßen und der alten Lahnbrücke nicht länger mit Gas erfolgen solle. Die Stadt schloss vor nunmehr 130 Jahren einen Vertrag mit der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft, vormals W. Lahmeyer & Co., das erste Limburger Elektrizitätswerk zu errichten.

Wie Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker in einem Beitrag über "Die Geschichte der Elektrizitätsversorgung in Limburg" berichtet, war die Nutzung der modernen Energie dadurch erschwert, dass die Stadt 1861 einen Vertrag mit der Gasgesellschaft abgeschlossen hatte, der eine andere Energie als die Gasbeleuchtung ausschloss. Dieser Vertrag wurde erst im November 1896 gekündigt. In der Folge mussten Hochleitungen verlegt werden, doch nicht alle Hausbesitzer wollten die Anbringung von Kabeln an ihren Anwesen dulden.

Kabel besser unterirdisch verlegen

"Limburg trat für eine Kleinstadt verhältnismäßig früh in den Kreis der Kommunen ein, die Elektrizität nutzten und ihren Bürgern anboten", schreibt Waldecker und weiter: "Für die alte Lahnbrücke und die Brückenvorstadt begann das elektrische Zeitalter 1899. Im Januar beantragten die Stromlieferanten eine Erweiterung des Netzes auf die Gebiete jenseits der Lahn. Eine Freileitung wurde über die Brücke und um den Brückenturm herum errichtet und von dort bis zur Kreuzung Westerwaldstraße/Weilburger Straße geführt, wo ein Speisepunkt (Verteiler) errichtet wurde. 1908 sollten die Kabel auf Wunsch des Magistrats unterirdisch verlegt werden, "da das Landschaftsbild durch die Freileitung stark beeinträchtigt wird".

Erst zu Beginn der zwanziger Jahre vollzog Limburg endgültig den Schritt hin zur elektrischen Straßenbeleuchtung. Im September 1925 wurde das städtische Elektrizitätswerk in Betrieb genommen. Von den sechs Lampen auf der Lahnbrücke brannten drei nur die halbe Nacht. Dies reiche nicht aus, bemängelten die Stadtväter, die 1930 anregten, die Beleuchtung auf die ganze Nacht auszudehnen, was die Betriebsverwaltung des E-Werks ablehnte.

Die heute auf der alten Lahnbrücke stehenden Laternen haben ihre Vorgänger bei der Sanierung und Erweiterung der Brücke in den sechziger Jahren abgelöst. Kaum zu glauben: Bis zu Beginn des Jahres 1994 war die alte Lahnbrücke nur auf der flussabwärts gelegenen Seite beleuchtet. Im Februar jenes Jahres teilte die Stadt den Einwohnern mit, dass die alte Lahnbrücke nun auch auf der anderen Seite mit Straßenlaternen ausgestattet werde. Die sechs neuen Leuchten seien optisch den vorhandenen angepasst. Mit dieser Investition von rund 25 000 Mark wolle die Stadt auch dem erhöhten Sicherheitsbedürfnis entsprechen, hieß es.

Derzeit sind auf der alten Lahnbrücke nach Angaben der Limburger Energieversorgungsgesellschaft sogenannte Kompaktleuchtstofflampen im Einsatz. Diese sind nach einer EU-Verordnung seit dem 1, September 2021 verboten. Vorhandene Beleuchtungsmittel dieser Art dürfen aber noch bis zum 1. September 2023 verwendet, Lagerbestände aufgebraucht werden. Spätestens dann wird auch auf der gegenwärtig sanierten historischen Lahnbrücke das moderne LED-Zeitalter anbrechen. Dieter Fluck

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