npl_StreikStVincenz_211020
+
Etwa zwei Dutzend Mitarbeiter des St.-Vincenz-Krankenhauses haben am gestrigen Dienstag an einem Warnstreik vor dem Haupteingang der Einrichtung teilgenommen.

Arbeitskampf

Warnstreik in Limburger Krankenhaus – Weitere Aktionen angekündigt

  • vonMariam Nasiripour
    schließen

Mitarbeiter von St.-Vincenz kündigen Ausweitung der Aktionen an.

Limburg – Nur etwa zwei Dutzend Mitarbeiter des St.-Vincenz-Krankenhauses nahmen am gestrigen Tag an einem von Verdi angeordneten Warnstreik teil. "Diesmal sind wir, auch coronabedingt, nur eine kleine Gruppe", sagte die Betriebratsvorsitzende Gaby Schäfer. Es sei ein Warnschuss in Richtung Geschäftsleitung. Der nächste Streik falle dann größer aus und würde sich auch auf die Patientenversorgung auswirken, so Schäfer.

In ihrer Rede an die Belegschaft bezeichnete Gaby Schäfer das Arbeitgeberangebot von 3,5 Prozent über 36 Monate als Provokation. Sie befürchtet, dass die Mitarbeiter in den Kliniken nach der Corona-Krise wieder in Vergessenheit geraten werden. Ihr fehle die Wertschätzung der Arbeit, die in den Krankenhäusern geleitet wird. Dazu gehöre auch die versprochene Corona-Prämie, die nur die Altenpflege und der mobile Pflegedienst erhalten hätten. "Ich gönne es den Kolleginnen und Kollegen der Altenpflege von Herzen. Ich war aber entsetzt, als bekannt wurde, dass die Beschäftigten der Kliniken die Corona-Prämie nur erhalten, wenn alle Bedingungen erfüllt sind", betonte sie.

Während Gaby Schäfer sprach, gesellten sich weitere Ärzte und Schwestern zu ihren streikenden Kollegen und Kolleginnen. An sie alle richtete sie die Worte: "Deutschland ist das reichste Land Europas, hat aber kein Geld für seine Kranken und Alten." Die Betriebsratsvorsitzende forderte ein Ende der Privatisierung von Krankenhäusern und Seniorenheimen. Außerdem verlangte sie eine flächendeckende humane Versorgung der Bevölkerung durch den Staat.

150 Euro mehr im Monat

Die konkrete Forderung der Belegschaft ist eine Erhöhung der Tabellenentgelte um 4,8 Prozent, aber mindestens um 150 Euro im Monat, über zwölf Monate. Außerdem soll der Entgelt der Auszubildenden, Studierenden und Praktikanten um 100 Euro monatlich erhöht werden. Eine weitere Forderung ist die Tarifierung der Ausbildungsbedingungen der Studierenden in den bislang nicht tariflich geregelten praxisintegrierten dualen Studiengängen.

Den nächsten Verhandlungen zwischen den Arbeitgebern und den Gewerkschaften am Donnerstag und Freitag, 22. und 23. Oktober, steht Gaby Schäfer skeptisch gegenüber. Sie geht nicht davon aus, dass sich das Angebot der Arbeitgeber verbessern wird und stimmt schon jetzt die Mitarbeiter auf die nächsten Streiks ein: "Sollte kein besseres Angebot vorgelegt werden, heißt es für uns, die Warnstreiks auszuweiten und dann wird es für die Arbeitgeber schmerzhaft."

St.-Vincenz-Geschäftsführer Guido Wernert erklärte dieser Zeitung, dass er das Anliegen der Mitarbeiter verstehen kann. Er sieht die Bundesregierung in der Pflicht, die Finanzierung der Krankenhäuser zu gewährleisten und somit auch eine gute Versorgung der Patienten sowie eine faire Bezahlung der Mitarbeiter. Er vertritt die Ansicht, dass die Vorhaltefinanzierung, die der Bund wegen der Corona-Krise eingeführt hatte, auch nach dem 1. Oktober weiter gezahlt werden soll. Sie sollte eine fester Bestandteil der Finanzierung von Krankenhäusern sein.

Eine ehrliche und nachhaltige Finanzierung der Kliniken durch die Bundesregierung sei die Lösung für das Problem, so Wernert. Die hohen Hürden und strengen Regeln des Bundes, denen die Kliniken immer mehr ausgesetzt seien, würden es den Einrichtungen erschweren, den Betrieb aufrecht zu erhalten und wirtschaftlich zu bleiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare