Hans-Joachim Jeckel schaut sich im Dom den Haken zum Fixieren der Eisentüren genau an. Links steht Bezirksarchitekt Andreas Müller, rechts Architekt Jan Schüler.
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Hans-Joachim Jeckel schaut sich im Dom den Haken zum Fixieren der Eisentüren genau an. Links steht Bezirksarchitekt Andreas Müller, rechts Architekt Jan Schüler.

Ortstermin im Limburger Gotteshaus

Warum es im Dom jetzt sicherer ist

Sicherheitsingenieur gibt wertvolle Tipps

Limburg -In den vergangenen drei Jahren hat sich der Limburger Diplom-Ingenieur Hans-Joachim Jeckel immer wieder mit einem dringenden Anliegen an das Domkapitel gewandt. Der Rentner, der im Berufsleben beim staatlichen Amt für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik Gießen tätig war, hatte und hat schwere Befürchtungen um die Sicherheit der Dombesucher, die die Emporen betreten.

Im Fall eines Feuers oder einer anderen Paniksituation wären die Menschen nämlich "wie in einer Mausefalle" gefangen, da die Eisentüren, die rechts und links die Treppen nach oben verschließen, nach innen aufgehen - also entgegen der Fluchtrichtung. Insbesondere das Schild "Zugang auf eigene Gefahr" ärgert ihn sehr. Bedenken äußerte er zudem wegen fehlender Handläufe auf beiden Seiten dieser engen, dunklen steinernen Treppenhäuser, die bei 35 Stufen immerhin eine Länge von elf Metern haben. Auch über die Seilwinden für die Decken-Leuchtkränze, die, wie Jeckel vermutet, aus der Zeit nach dem Krieg stammen und über keinerlei Bremsen oder Rücklaufstopper verfügen, äußerte sich der Limburger immer wieder schriftlich. Immerhin hätte solch ein 1,5 Meter großer Bronzekranz mit seinen zwölf Leuchtkörpern ein Gewicht von 80 bis 100 Kilogramm.

Seil durch eisernen Handlauf ersetzt

Nach gemeinsamen Gesprächen, Begehungen und intensivem Schriftverkehr, bei dem das Domkapitel stets darauf hinwies, dass die Sicherheitslücken bekannt seien und bearbeitet würden, allerdings auch etwas Zeit bräuchten, fand jetzt ein Ortstermin im Dom statt.

Der Bezirksarchitekt, Diplom-Ingenieur Andreas Müller vom Diözesanbauamt, die Architektin und Diplom-Ingenieurin Lilia Alt und Architekt Jan Schüler vom beauftragten Architekturbüro Kaffenberger sowie der Sprecher des Bistums, Stefan Schnelle, berichteten über den langen, oft nicht einfachen Weg, Veränderungen vorzunehmen, ohne Bestandteile eines Denkmals zu ändern. Immerhin konnten sie bereits verschiedene positive Entwicklungen vorstellen. So ist für die Handläufe der Treppenhäuser bereits eine Lösung umgesetzt worden. Stadt, Regierungspräsidium und Denkmalpflege wurden zu Rat gezogen. Vor dem Hintergrund der erforderlichen Breite für Fluchtwege war es wegen einer Einengung nicht möglich, zwei Handläufe zu installieren. Stattdessen wurde das bisher genutzte Seil durch einen schmiedeeisernen Handlauf ersetzt.

Die offenen Seiten zum Kirchenschiff hin werden mit einem Metallnetz (ähnlich wie ein Kettenhemd) geschlossen. Auch Weihbischof Dr. Thomas Löhr war im Vorfeld voller Sorge, dass sich ein Kleinkind von der Hand der Eltern lösen und acht Meter in die Tiefe stürzen könne. Diese Gefahr ist jedenfalls gebannt.

Schmales Geländer zusätzlich gesichert

Das Problem der geschlossenen Türen zu den beiden Emporen brannte Hans-Joachim Jeckel besonders auf der Seele. Er selbst hat eine Lösung ausgetüftelt, diese alten Eisentüren ohne bauliche Veränderung zu drehen. Allerdings hat eine Prüfung ergeben, dass alle, die im Dom arbeiten, bei der Türöffnung nach außen rückwärts die Stufen hinunter stürzen könnten. Daher wurde ein Schlosser beauftragt, jeweils einen Haken mit Schloss anzufertigen, der an der Wand fixiert wird und das Zufallen der Türe verhindert. Künftig sind die Treppenhäuser und damit die Fluchtwege also immer geöffnet, wenn Personen auf der Empore sind.

Besprochen wurde noch ein weiteres Problem: Die Absturzsicherung an den schmalen Geländern im oberen Stockwerk. Auch dafür wurden verschiedene Musterlösungen erarbeitet, immer im Hinblick darauf, die vorhandenen baulichen Ausführungen nicht zu beschädigen oder zu verändern.

Inzwischen haben sich alle Verantwortlichen auf ein zusätzliches Gitter geeinigt. Die Arbeiten sind bereits im Gange. Bezirksarchitekt Müller bestätigte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass Lösungen für die Seilwinden der Decken-Leuchtkränze ebenfalls in Arbeit sind. Anette in Concas

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