Wird der Rathausanbau an der Pusteblume, der frühere Hauptsitz der Stadtverwaltung war, künftig ein Hotel oder ein Gebäude mit Wohnungen und Büros? Das soll in einer europaweiten Ausschreibung ermittelt werden.
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Wird der Rathausanbau an der Pusteblume, der frühere Hauptsitz der Stadtverwaltung war, künftig ein Hotel oder ein Gebäude mit Wohnungen und Büros? Das soll in einer europaweiten Ausschreibung ermittelt werden.

Im Zentrum der Limburger Innenstadt

Was passiert mit dem alten Rathausanbau?

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
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Kriterien für Verkaufsbedingungen festgelegt - Politische Kritik am fehlenden Nutzungskonzept

Limburg -Im Erdgeschoss das Bürgerbüro der Stadt Limburg mit der Ehrenamtsagentur, im ersten Stock das Wahlamt sowie einzelne Fraktionsräume, im zweiten Stock vermutlich noch bis zu den Osterferien das Kreisgesundheitsamt, das Schuleingangsuntersuchungen macht: Nein, ganz leer ist der Rathausanbau an der Pusteblume derzeit nicht. Aber es bleibt unklar, wie das Gebäude eines Tages dauerhaft genutzt wird, in dem noch bis zum Umzug ins Stadthaus (früher Mundipharma) Anfang 2020 große Teile der Verwaltung untergebracht waren.

Sicher ist bislang nur, dass die Stadt den Rathausanbau gern verkaufen möchte. Ein Rückkehr der Verwaltung in dieses Gebäude (nach einer Sanierung), wie von der FDP vorgeschlagen, wird von CDU und SPD klar abgelehnt. Damit dürften die Träume von einer Rückkehr der Verwaltung in die Innenstadt ausgeträumt sein.

Europaweite Ausschreibung

Das Bürgerbüro soll noch bis Anfang 2023 im Erdgeschoss des Rathausanbaus verbleiben, heißt es in einer Mitteilung von Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) an die Stadtverordneten, und dann ins bis dann sanierte alte Rathaus umziehen.

Derzeit lässt die Stadt den Wert des Rathausanbaus ermitteln. Der dafür zuständige Gutachterausschuss beim Amt für Bodenmanagement ist nach Hahns Angaben Ende August mit der Ermittlung des Verkehrswerts beauftragt worden. "Wegen der Komplexität" und den Besonderheiten des Gebäudes "wird die Wertermittlung eine längere Zeit in Anspruch nehmen".

Zumindest Schätzungen liegen schon länger vor. Die Stadt geht von einem möglichen Verkaufserlös von einer Million Euro aus, was sicherlich auch an der besten Innenstadtlage liegt.

Verkaufen kann die Stadt das sanierungsbedürftige Gebäude offenbar ohne Probleme, denn das Interesse ist nach Angaben des Bürgermeisters "sowohl regional als auch überregional sehr groß". Der künftige Besitzer soll durch eine europaweite Ausschreibung gefunden werden.

Große Chance für Innenstadtentwicklung

Der Magistrat hat sich bewusst entschieden, sich vorher nicht auf konkrete Nutzungskonzepte festzulegen, was allerdings politisch auf deutliche Kritik stößt. Da werde "ins Blaue hinein" ausgeschrieben, kritisierte Dr. Sebastian Schaub (Grüne) in der Sitzung der Stadtverordneten am Montagabend. Marion Schardt-Sauer (FDP) fragte sarkastisch, "in welchem Jahrzehnt" die Limburger noch erleben dürften, was mit dem Rathausanbau geschieht. Auch Dr. Christopher Dietz (CDU) ist unzufrieden. Der künftige Nutzung des Rathausanbaus komme eine erhebliche Bedeutung bei der Vitalisierung der Innenstadt nach der Corona-Pandemie zu. "Leider gibt es bisher kein klares Konzept", sagte er.

Der Bürgermeister strebt jedoch ein "möglichst großes Spektrum von Angeboten" an, wie aus seiner Antwort auf eine Anfrage des CDU-Stadtverordneten Richard Eisenbach hervorgeht. Die Zuschlagskriterien sehen so aus: 30 Prozent entfallen auf den angebotenen Kaufpreis, 30 Prozent auf die Qualität des Nutzungskonzepts, zu 30 Prozent sollen "soziale Kriterien" berücksichtigt werden und zu zehn Prozent "ökologische Kriterien".

SPD-Fraktionschef Peter Rompf verteidigt diese Vorgehensweise.

Für die "Filet-Immobilie" Rathausanbau gebe es zahlreiche Möglichkeiten: Eine Hotelnutzung sei ebenso vorstellbar wie die Schaffung von Wohnungen, Büros und Tagungsräumen oder die Unterbringung sozialer Einrichtungen. "Für die Innenstadtentwicklung ist das eine riesige Chance." Stefan Dickmann

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