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Limburg: Der "Sauerborn-Papst" und das Hollesser Wasser

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Von: Robin Klöppel

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Bernhard Rompel zapft sein "Sauerborn"-Wasser bis heute am Lubentius-Brunnen.
Bernhard Rompel zapft sein "Sauerborn"-Wasser bis heute am Lubentius-Brunnen. © Robin Klöppel

Bernhard Rompel, der sich für den Lubentius-Brunnen und das Wasser des "Sauerborn" stark macht, erzählt

Lindenholzhausen -Ein echtes "Hollesser" Urgestein ist Bernhard Rompel. Da der mittlerweile 88-jährige Rentner sich seit Jahrzehnten stark für den Erhalt des Lubentius-Brunnens einsetzt, wird er in Lindenholzhausen von vielen "Sauerborn-Papst" genannt. Das Interesse an seinem Engagement für den Erhalt des Brunnens wurde durch seinen Vater Josef Rompel geweckt, der sich beruflich in früheren Zeiten um die Wasserverwaltung der damals noch selbstständigen Gemeinde Lindenholzhausen kümmerte. Das Wasser des "Sauerborns" hat Bernhard Rompel schon als Kind geliebt.

Noch heute als Rentner trinkt der rüstige Senior ausschließlich selbst gezapftes Lindenholzhäuser Wasser. "Ich hole mir alle vier bis fünf Tage acht Flaschen", verrät er. Meistens verbindet er das mit einem kleinen Spaziergang. Warum er das "Sauerborn"-Wasser jeder wohlklingenden Marke aus dem Getränkeshop gegenüber vorzieht? "Es schmeckt mir einfach am besten. Außerdem ist es aufgrund seines Eisengehaltes gesund", berichtet Rompel.

Schon mehrfach musste er seit Beginn seiner Tätigkeit für den Erhalt der Zapfstelle dafür kämpfen, dass Probleme an der Pumpe des Brunnens behoben wurden und das Wasser weiterhin kostenlos für die "Sauerborn"-Freunde fließt. Die Zeiten sind aber lange vorbei, als 90 Prozent der "Hollesser" sich das Wasser aus dem Brunnen holten. "Aber immer wieder, wenn ich an schönen Tagen hinkomme, sind nach wie vor Bürger da, die sich dort Wasser holen", freut er sich. Nicht nur ältere, sondern auch jüngere Leute und sogar Nutzer, die gar nicht aus dem Limburger Stadtteil kommen.

Nach dem Krieg gab's eine Außenzapfstelle

Stolz war Bernhard Rompel beispielsweise, als ihm jemand an der Zapfstelle erzählte, dass er Selterser sei und sich lieber das "Holleser" Wasser hole. Bernhard Rompel kommt noch aus einer Zeit, in der man nicht einfach mal schnell in einem Getränkeshop im Ort für ein paar Euro einen Kasten Wasser holen konnte. "In der Nachkriegszeit waren wir arme Leute", erzählt er. Da hätten die meisten aus dem Ort nicht alles für den täglichen Bedarf in Geschäften kaufen können. Die Rompels hatten zum Glück eine Landwirtschaft. Damals war der Brunnen im Dauereinsatz, hatte er sogar noch eine Außenzapfstelle.

Rompel wurde immer von seinen Eltern zum Lubentius-Brunnen geschickt, wenn der Wasservorrat daheim mal wieder zur Neige ging. Dann fuhr er mit dem Fahrrad mit vollgepackten Taschen hin und holte in alten Flaschen neues Wasser. In früheren Zeiten hatten sich die Lindenholzhäuser das Wasser noch in Krügen geholt, da sie keine Flaschen zur Verfügung hatten. Das hat den "Hollessern" im Volksmund den Spitznamen "Kruggelsche" eingebracht. Die Hollesser holten sich das Wasser aber nicht nur des Sparzwangs wegen, sondern weil der Säuerling auch als sehr eisenhaltig galt und Ärzte ihn zur Gesunderhaltung des Darms empfahlen.

Reparaturen waren mehrfach erforderlich

Im Laufe der Jahre gab es, wie die ausführlichen Aufzeichnungen des 88-Jährigen zeigen, immer wieder Probleme mit dem Wasser. Darum waren mehrfach kleinere oder größere Reparaturen erforderlich. Zuletzt war das 2019 der Fall. Nachdem das "Hollesser" Wasser mal wieder versiegt war, titelte am 28. Dezember 2019 die Nassauische Neue Presse: "Sorge um die Zukunft des Sauerborns". Es kam kaum noch Wasser aus dem Brunnen. Manchmal musste man bis zu 20 Minuten warten, bis wieder einmal ein Schwall des Lindenholzhäuser Edelgetränks aus dem Auslauf sprudelte. Bernhard Rompel hatte Angst, dass der Brunnen irgendwann Geschichte sein wird.

Aber er gab wieder einmal nicht auf und machte Vorschläge, was zu tun sei. Bei einer durch den Ersten Stadtrat Michael Stanke (CDU) einberufenen Ortsbegehung mit Vertretern der Stadtverwaltung Limburg machte er den Vorschlag, das große ehemalige Leitungssystem mit einem kleineren Durchmesser zu erneuern. Damit treibt die vorhandene Kohlensäure gleichmäßig das Wasser nach oben und sammelt sich nicht mehr innerhalb des Systems. Michael Stanke war begeistert und überzeugt davon, weshalb er seine Zustimmung zur Umsetzung gab. Seit dieser Zeit läuft der "Sauerborn" wieder gleichmäßig und kann gezapft werden. Der Inhalt des Schreibens nach dem Umbau des Ersten Stadtrates lautete: "Der Sauerborn-Retter Bernhard Rompel hat wieder zugeschlagen und den Sauerborn zum vierten Mal gerettet". Die erste Rettung ist bereits 39 Jahre her, als der Lauf des "Sauerborn"-Wassers zum ersten Mal versiegte.

Die lange Geschichte des Brunnens

Der "Sauerborn" wurde bereits im 14. Jahrhundert erwähnt. 1380-81 ist eine Zelg (pflügbares Landstück) der Dreifelderwirtschaft in Lindenholzhausen nach dem Sauerbrunnen ("Sauerborn") benannt: "Daz velt gen dem Surenburn un geyn Bergin". Diese Zelg wird 1323 als "Treiser Feld" bezeichnet. Treis/Dreis kommt von "drehen, sprudeln, wallen", heißt Sauerbrunnen, Mineralbrunnen. Die Wege zum Sauerbrunnen nannte man im Mittelalter "Treiser Pfade". Erst im 17./18. Jahrhundert bezeichnet man sie als "Sauerbornspfade".

Wirtschaftliche Bedeutung erlangte der Lindenholzhäuser Sauerbrunnen erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Der Fiskus von Kurtrier, dem der Brunnen bis 1802 gehört haben soll, hatte es nicht nötig, ihn auszubeuten, denn die Einkünfte aus dem staatlich-kurtrierischen Niederselterser Mineralbrunnen stellten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mehr als ein Zehntel der gesamten Landrenteinnahmen des Kurfürstentums dar. Trotzdem müssen die Bewohner von Lindenholzhausen schon viel früher das Wasser ihres "Sauerborns" sehr geschätzt haben, denn der Brunnen hatte eine sehr alte Quellfassung.

Der Sauerborn scheint auch über die nähere Umgebung hinaus bekannt gewesen zu sein. Nach einer Nachricht im Limburger Anzeiger Nr. 128 vom 7. Juni 1896 soll er bereits seit 1630 als "Heilquelle gegen Nieren- und Blasensteine, Leberkrankheiten, Gallensteine, Magen- und Darmkatarrh, Gicht, Hamgries, Verstopfung und Fettsucht" geschätzt gewesen sein. So hielt sich nach Zeugenaussagen vom 17.12.1694 und 24.02.1696 der Prälat von Eberbach in Lindenholzhausen auf. Es war der Abt Alberich Kraus, der am 4. August 1688 schrieb: "kein Erz findet sich hier (in Lindenholzhausen), aber wohl Sauerwasser, nur aber zu unserem Trunk".

Obwohl der Limburger Apotheker Dr. J. Wolff im Jahr 1820 eine erste chemische Analyse des Sauerbrunnen-Wassers vorgenommen und in Trommsdorffs "Neuem Journal der Pharmacie" veröffentlicht hatte, interessierte sich zunächst nur die Fachwelt für den Brunnen, aber kein Unternehmer. Seit dieser Veröffentlichung aber findet der Sauerbrunnen in der Brunnenliteratur immer wieder Erwähnung. In fast allen einschlägigen Handbüchern wird die Wolff'sche Analyse abgedruckt. Man bezeichnet den Brunnen zusammen mit den Quellen von Fachingen, Geilnau, Dinkholder Brunnen (bei Braubach/Rhein), Marienfels, Oberlahnstein, Bad Soden/Taunus und Kronthal bei Kronberg/Taunus als "alkalisch-salinisches Stahlwasser oder Säuerling". 1847 heißt es aber noch immer lapidar "Das Wasser dient hauptsächlich den Bewohnern des Dorfes und den arbeitenden Landleuten der Gegend zum Trunke".

Baron von Rottkay pachtete im Jahr 1894 den Sauerbrunnen für 150 Mark jährlich von der Gemeinde . Er kaufte dann alles Land um den Brunnen herum und entlang des Sauerborngrabens bis zur Frankfurter Chaussee an und baute den Weg vom Sauerborn bis zum Stundenstein an der B 8 (sog. Rottkays Weg) chausseemäßig aus. August von Rottkay ließ 1895 auch die Quelle des Sauerbrunnens neu fassen. 1903 verkaufte er seinen Brunnen für 40 000 Mark an das Unternehmen Emil Wolf & Co in Bad Kreuznach, das ihn 1913 an die Namedy-Sprudel GmbH in Berlin und Andernach verpachtete. Um den Brunnen noch wirtschaftlicher zu machen, veranlasste der Pächter eine Brunnenneufassung. Da das Wasser aus der Pumpe neben dem ursprünglichen Brunnen nicht schmeckte, wurde 1983 das Verfüllen des "Sauerborns" mit Beton und Tonerde beschlossen. Doch zufällig entdeckte Bernhard Rompel, dass der Sauerborn nach der Betonverfüllung wieder zu sprudeln anfing - und erfreulicherweise in der alten Qualität. So wurde die Fassung des Brunnens aus dem Jahr 1913 renoviert, und seit 1984 ist das Wasser des "Sauerborns" den Bürgern wieder zugänglich. Da war der Brunnen bereits im Besitz der Stadt Limburg, die sich im Eingemeindungsvertrag verpflichtet hatte, den Brunnen im Jahre 1972 zum Preis von 100 000 Mark zu erwerben. Die Bürger des Stadtteils Lindenholzhausen erhalten nach diesem Vertrag weiterhin ihren Haustrunk kostenlos. rok

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