Bunte Lichter und strahlendes Lächeln: Carola Ströder (von links), Regina Olenberger, Julia Kahle, Dieter Hendorf und Wolfgang Schäfer freuen sich auf das gemeinsame Weihnachtsfest im Stationär begleiteten Wohnen der Lebenshilfe Limburg Diez.
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Bunte Lichter und strahlendes Lächeln: Carola Ströder (von links), Regina Olenberger, Julia Kahle, Dieter Hendorf und Wolfgang Schäfer freuen sich auf das gemeinsame Weihnachtsfest im Stationär begleiteten Wohnen der Lebenshilfe Limburg Diez.

Freunde und Familie außen vor

Weihnachten bleibt Weihnachten

  • Sabine Rauch
    vonSabine Rauch
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Das Weihnachtsfest ist auch ohne Besuch von Freunden und Familie ein ganz besonderes Fest. Man muss es nur zu feiern wissen - so wie die Frauen und Männer vom stationär begleiteten Wohnen der Lebenshilfe Limburg Diez.

Limburg -An Heiligabend Raclette, am Ersten Weihnachtsfeiertag gibt es Puten-Rollbraten, Rotkraut und Klöße und am Zweiten Weihnachtsfeiertag auch etwas Traditionelles. "Gutes Essen ist sehr wichtig, vor allem an den Feiertagen", sagt Frauke Starkloff. Tradition ebenfalls. Weihnachtslieder, Plätzchen, Geschenke und natürlich Besuch von Familie und Freunden. Wer kann, fährt nach Hause zur Familie. In diesem Jahr kann das gerade mal eine der sechs Frauen und Männer, die im stationär begleiteten Wohnen der Lebenshilfe auf dem Weg in die Selbstständigkeit sind. Die anderen hatten lange gehofft, dass sie an Weihnachten in ihr altes Zuhause können, in die Lebenshilfe-Wohngemeinschaft Elbboden. So wie im vergangenen Jahr, als sie alle dort ihre Freunde getroffen, gemeinsam gegessen, gesungen und Geschenke ausgepackt haben.

Seit einem Jahr im

eigenen Appartement

Seit einem Jahr haben die sechs Frauen und Männer ein eigenes kleines Appartement in den Klostergärten, ein Paar hat ein etwas größeres; von montags bis freitags sind Frauke Starkloff oder eine andere Heilerziehungspflegerin tagsüber da, um anzuleiten, wo es nötig ist.

Insgesamt fünf Jahre dauert das Projekt, am Ende soll das Betreute Wohnen der Lebenshilfe die Begleitung übernehmen und nur noch bei Bedarf vorbeikommen, um zu helfen. Bis dahin gilt es noch viele Herausforderungen zu meistern. Und jetzt das: Corona, immer wieder Werkstatt-Schließungen, Besuchsverbote. Und das auch noch an Weihnachten. Zwar wirkten ihre Klienten nach außen gelassen, kein Klagen, kein Schimpfen über die Beschränkungen. Aber das sei nur vordergründig, sagt Frauke Starkloff. "Tief im Inneren sind sie traurig." Und das schon lange. "Ich habe das Gefühl, dass es seit Monaten brodelt." Und jetzt dürfen sie noch nicht einmal ihre Freunde sehen, ihre Familie umarmen. Natürlich versucht Frauke Starkloff zu erklären, was zu erklären ist, in einfachen Worten, in Leichter Sprache.

Aber Weihnachten bleibt Weihnachten, mit allem, was dazugehört. "Deshalb kommt es jetzt auf uns an", sagt Frauke Starkloff. Sie und ihre Kolleginnen versuchen, das Positive zu sehen und zu zeigen: Dass jetzt Zeit zum Basteln ist, zum Spielen, Backen und Geschichten vorlesen. Und das machen sie auch. Wer Lust hat, trifft sich in einer der Wohnungen, um bei Kerzenschein und Plätzchen eine Geschichte zu hören. Wer wollte, hat in der vergangenen Woche zum Beispiel etwas über die Geschichte des Adventskranzes erfahren und dann selbst einen gebastelt - mit ganz viel Glitzer. "Da war ein Strahlen in den Augen", sagt Frauke Starkloff. Regelmäßige Spaziergänge sind immer gut, aber vor allem in jenen Zeiten, in denen die Werkstatt geschlossen ist.

An die Stelle der alten Routinen müssen neue treten. Aber ausgeklügelte Pläne kann man in diesen Zeiten auch nicht machen. Schon alleine deshalb, weil sich die Bestimmungen immer wieder ändern und man nie weiß, ob sich Versprechen halten lassen. "Wir dürfen keine falschen Hoffnungen wecken." Dann lieber im Heute leben, Plätzchen backen, Sterne basteln oder Wunschzettel schreiben. Oder Weihnachtseinkäufe machen. Manches gibt es im Supermarkt um die Ecke. Vor allem Wein und Sekt verschenkten ihre Klienten gerne. Sie bekomme jedes Jahr mindestens einen Piccolo und freue sich jedes Mal, sagt Frauke Starkloff und lacht.

Die Puppen neu

eingekleidet

Für manche Geschenke muss man weiter fahren. Dann organisiert Frauke Starkloff den Bus, damit die Frauen und Männer ihre Einkäufe erledigen können. Wer Lust hat, fährt mit. Wie die Frauen, die etwas ganz Besonderes für ihre Lieben suchen oder das Paar, das unbedingt seine Puppen für das Weihnachtsfest neu einkleiden will, damit auch sie an diesen besonderen Tagen besonders schick aussehen. Zu Weihnachten gibt es einen Hochstuhl, damit sie mit am Tisch sitzen können - zusammen mit den anderen, die sich zum gemeinsamen Feiern in der Wohnung des Paares versammeln. Einfach, weil die beiden die größte Wohnung und den größten Tisch haben. Natürlich feiern sie alle zusammen - sie sind ja eine große Familie geworden in den vergangenen 13 Monaten.

Die Wohnungstüren stehen sowieso meist sperrangelweit offen, nur einer lebt mehr für sich, gehört aber trotzdem dazu. Das sei es auch, was solche Wohnprojekte auszeichne. Und eines eint alle: "Sie sind unheimlich tolerant." Auch was ihre Traditionen angeht. Dass der eine nicht viel von Weihnachtsschmuck hält, stört niemanden, dass der große Weihnachtsbaum vor der Haustür schon seit zwei Wochen festlich beleuchtet ist, auch nicht. "Es war einfach schon Zeit für eine Freude, für etwas, das ins Auge fällt", sagt Frauke Starkloff. Und selbstverständlich funkelt es auch in den Appartements. Jeder hat nach seinem Geschmack geschmückt, mit Sternen, Lichterketten, Fensterbildern und Weihnachtsbaum - oder eben nicht.

Die Weihnachtsgeschenke müssen natürlich unterm Weihnachtsbaum liegen, so wie es immer war; ordentlich beschriftet, damit derjenige, der sie austeilt, auch genau weiß, für wen die Päckchen sind. Und ganz viele Lichter müssen es sein. "Der Zauber ist wichtig", sagt Frauke Starkloff. Und: "Unsere Klienten haben dieselben Erwartungen an das Weihnachtsfest wie alle Menschen."

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