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Symbolbild

Mehr als ein Drittel der heutigen Arbeitnehmer betroffen

Weit höhere Altersarmut in der Region als bisher angenommen

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fürchtet eine weit höhere Altersarmut in der Region als bisher angenommen. Ihren Zahlen nach wären im Kreis Limburg-Weilburg, im Rhein-Lahn-Kreis und im Westerwaldkreis mehr als ein Drittel der heutigen Arbeitnehmer betroffen.

Im Nassauer Land droht eine hohe Altersarmut. Das befürchtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die sich auf eine Renten-Analyse des Pestel-Instituts berufen. Die Wissenschaftler aus Hannover haben dabei für die Gewerkschaft NGG amtliche Statistiken ausgewertet.

Rund 23 000 Arbeitnehmer im Kreis Limburg-Weilburg würden – so, wie sie heute arbeiten – nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen, wenn sie nach immerhin 45 Berufsjahren in den Ruhestand gingen. Das sind 37 Prozent aller Beschäftigten im Kreis. Die Schwelle für „Alters-Hartz-IV“ liegt im Kreis bei aktuell 723 Euro im Monat. Dabei sind insbesondere die Kosten fürs Wohnen berücksichtigt.

Wenn die durchschnittliche Rente bis zum Jahr 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens abfallen sollte, dann gäbe es nach Berechnungen des Pestel-Instituts im Kreis Limburg-Weilburg mehr als 33 000 Menschen, die nach 45 Beitragsjahren bei einer Rente unterhalb der Grundsicherung landen. Sogar unter Vollzeitbeschäftigten hat nach den Wissenschaftlern des Pestel-Instituts aktuell rund jeder Dritte (33,3 Prozent) im Kreis Limburg-Weilburg nach 40 Arbeitsjahren einen Rentenanspruch von weniger als 1000 Euro monatlich.

Die Zahlen für den Rhein-Lahn-Kreis und den Westerwaldkreis sind sehr ähnlich. In Ersterem sind es rund 15000 Arbeitnehmer die – so, wie sie heute arbeiten – nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen. Das sind 37 Prozent aller Beschäftigten im Kreis. Im Westerwaldkreis sind es 29 000 Arbeitnehmer was rund 35 Prozent alles Beschäftigten im Kreis bedeutet. Die Schwelle für „Alters-Hartz-IV“ beträgt hier 709 Euro, im Rhein-Lahn-Kreis sind es aktuell 712 Euro im Monat.

Auch hier geht die Gewerkschaft von weiter steigenden Zahlen aus. 2030 könnten demnach im Rhein-Lahn-Kreis mehr als 20 000 Menschen geben, die nach 45 Beitragsjahren bei einer Rente unterhalb der Grundsicherung landen. Im Westerwaldkreis wären es 42 000.

Vertrauen auf dem Spiel

Volker Daiss, Geschäftsführer der NGG-Region Mittelrhein, spricht von „alarmierenden Zahlen“. Wer ein Leben lang gearbeitet habe, müsse später auch von seiner Rente leben können. „Am Ende steht hier das Vertrauen in die staatliche Altersvorsorge und damit der gesellschaftliche Zusammenhalt auf dem Spiel.“ Die Bundesregierung hat eine Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis lediglich 2025 vereinbart. „Das reicht nicht aus“, so Daiss. Die Große Koalition müsse das Rentenniveau längerfristig stabilisieren und möglichst anheben.

Zugleich sieht die NGG die Arbeitgeber in der Pflicht. „Klar ist, dass aus Mini-Löhnen keine Spitzen-Renten werden“, betont Daiss. Gerade in Branchen wie dem Gastgewerbe und Bäckerhandwerk müssten in allen drei Kreisen viele Beschäftigte im Alter aufstocken. „Dabei haben Hoteliers, Gastronomen und Bäckermeister bei der Bezahlung durchaus Spielraum. Anstatt auf Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zu setzen, sollten sie reguläre Vollzeitstellen schaffen – und zwar bezahlt nach Tarif“, sagt der Gewerkschafter. Viele Beschäftigte hätten zwar das Glück, dass der Partner mehr verdiene und so die Haushaltskasse im Rentenalter aufbessere. Gerade wer nur einen Teilzeit- oder Minijob habe, müsse sich auf einen „extrem mageren Rentenbescheid“ einstellen. Frauen seien davon besonders häufig betroffen.

Eine gute tarifliche Altersvorsorge könne zwar dabei helfen, dass im Alter etwas mehr übrig bliebe. „Aber Zusatzrenten sind nicht dafür da, ein immer geringeres Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen“, betont Daiss. Sein Fazit: „Der Staat muss die gesetzliche Rente sichern. Alle Beschäftigten sind auf sie angewiesen. Und die Arbeitgeber müssen bei Löhnen, Arbeitszeiten und Zusatzvorsorge viel mehr tun, damit die Menschen ihren Lebensabend genießen können.“

(red)

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