Mit Sondergenehmigung und Masken fand der Infoabend mit den erschrockenen Mitgliedern der Dompfarrei statt.
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Mit Sondergenehmigung und Masken fand der Infoabend mit den erschrockenen Mitgliedern der Dompfarrei statt.

Plände des Bistums stoßen auf Ablehnung

Weiter Ärger am Limburger Domberg

Infoveranstaltung bringt nicht die gewünschte Beruhigung in die Pfarrei

Limburg -Die Emotionen waren fast greifbar, die Sorgen und Nöte der Anwesenden füllten die Stadtkirche. Dr. Adelheid Rauch hatte als Vorsitzende des Pfarrgemeinderats der Domgemeinde St. Georg zum Informationsgespräch eingeladen, da inzwischen diverse Gerüchte über die künftige Nutzung des Dom-Plateaus durch die Gegend schwirren. Treffpunkt war St. Sebastian, eingeladen waren neben den Mitgliedern der Pfarrgemeinde auch das Domkapitel und Diözesanbaumeister Stefan Muth, der, auf Bitte des Pfarrgemeinderats, die Baupläne des Bistums in Bezug auf die gewünschte Umstrukturierung des Dombergs vorstellte. Das tat der Architekt sorgfältig und sachlich mit Hilfe von Leinwand und Schaubildern.

Die Dommusik (Mädchenkantorei, Domchor und Domsingknaben) soll demnach künftig zusammengefasst und auf verschiedene Gebäude aufgeteilt werden. Dazu gehören das Schloss, das Pfarrhaus, der Raum über der Sakristei und die denkmalgeschützte Michaeliskapelle, einst Friedhofskapelle, Beinhaus und Wohnung des Totengräbers. Großzügigen Platz sollen die Jugendlichen aber auch im jetzt neu geplanten, so genannten "Pavillon" im Pfarrgarten bekommen. Diese flache kühle Halle, die laut Publikums-Kommentar wie eine finnische Sauna aussieht, soll Bewegungs- und Freizeitraum sein, gleichzeitig Proberaum und für Feiern der Dommusik zur Verfügung stehen. Dieser Raum allein wird etwa 100 Quadratmeter groß, hinzu kommen aber noch Ankleideräume sowie Lager- und Abstellmöglichkeiten. Der elipsenförmig angedachte Bau wird also deutlich größer werden. Der Zugang erfolgt barrierefrei über den Eingang des Pfarrhauses. "Auch die Dompfarrei dürte die Räume bei Bedarf nutzen", so Stefan Muth.

Als Leitgedanken für die Umstrukturierung zählte Stefan Muth Zurückhaltung, Demut und Möglichkeiten für die künstlerische Entfaltung der Jugendlichen auf. Ihnen steht auch der Rest des Gartens zum Fußballspielen und Chillen zur Verfügung. Chillen dürfen die Kinder fortan aber auch im ehrwürdigen Dompfarrhaus. Wo Gläubige 118 Jahre lang Hilfe, Rat und vor allem den Pfarrer gesucht haben, werden nach vorliegender Planung im Dachgeschoss künftig Möglichkeiten zum Spielen geschaffen.

In der bisherigen Wohnung von Dompfarrer Gereon Rehberg (Obergeschoss) sollen Küche, Bistro und Hausaufgabenbetreuung eingerichtet werden. Der Dompfarrer wird in eine Wohnung am Roßmarkt "ausgelagert". Das Erdgeschoss umschließt Büroarbeitsplätze und Pforte. Im Untergeschoss sind Garderobe, WC, Lager und Tischtennis eingeplant.

Bestandsimmobilien

prüfen und nutzen

Bei der anschließenden Fragestunde und Diskussion zeigte sich, wie entsetzt und betroffen die anwesenden Mitglieder der Dompfarrei von den Wünschen des Domkapitels sind. Es gab zahlreiche Beiträge von den vor allem älteren Besuchern, der Zuhörer spürte die Weitsicht und Lebenserfahrung hinter den Fragen. Es kamen etliche kreative Vorschläge, die Domsingknaben in anderen, sowieso leerstehenden Räumen und Gebäuden unterzubringen. Auch in finanzieller Hinsicht, sei es sinnvoll, Bestandsimmobilien zu prüfen und zu nutzen. "Hat das Domkapitel denn gar nichts aus der Vergangenheit gelernt?", wunderten sich die Besucher.

Bei vielen Bedenken, die die Teilnehmer äußerten, gab es spontanen Beifall, nicht zuletzt auf den Hinweis, dass man sich mit der Kirchengemeinde vorher zu einem Brainstorming zusammensetzen hätte müssen, um Auswege zu finden. Dr. Adelheid Rauch berichtete unter anderem davon, dass auch sie aus der Zeitung von den Veränderungen erfahren habe und selbst auf Nachfrage nicht einmal einen konkreten Gesprächstermin mit dem Domkapitel bekommen habe. Auch dass der Pfarrer in erster Linie Seelsorger sein soll (und kein Manager von zehn Pfarreien), ist wesentlich für die Menschen, ebenso, dass er neben der Kirche im Pfarrhaus wohnt. "Zu viel Verwaltung, zu viel Struktur und zu wenig Frage nach den Menschen", hieß es. Auf praktische Schwierigkeiten wurde ebenfalls hingewiesen. "Oder glaubt allen Ernstes jemand, die Eltern würden es sich verbieten lassen, ihre Kinder auf den Domberg zu fahren und dort wieder abzuholen?", wurde gefragt.

Als einziges Mitglied der Domkapitels war Gereon Rehberg zugegen. Der nach wie vor sehr beliebte Dompfarrer nahm gleich am Anfang des Abends alle Schuld an der fehlenden Einbeziehung der Dompfarrei auf sich. Er habe unabsichtlich zu spät die synodalen Gremien informiert, das Versagen liege ganz auf seiner Seite. Von den Entscheidungsträgern des Domkapitels war niemand zugegen. Anette in Concas

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