Die Population der Eisvögel in der Region wächst tendenziell.
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Die Population der Eisvögel in der Region wächst tendenziell.

Von Freitag bis Sonntag wird gezählt

Welche Vöglein sind in Limburg und Umgebung noch da?

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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In jedem Winter fordert der Nabu alle Naturfreunde und Hobby-Ornitologen auf, eine Stunde lang die Vögel zu zählen und damit zu einer regionalen Bestandsaufnahme beizutragen.

Limburg -Die Entscheidung um die größte Population bei der "Stunde der Wintervögel" im Kreis ist in diesem Jahr "völlig offen", sagt Herbert Friedrich. Der Feldsperling könnte das Rennen machen. Aber festlegen lässt er sich nicht. Dabei kennt sich vermutlich kaum jemand besser in der heimischen Vogelwelt aus als Herbert Friedrich. Seit 1975 ist er beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) Kreisbeauftragter für den Vogelschutz, und seit dieser Zeit befasst er sich mit Feldsperling, Lerche und Goldammer, mit Steinkauz und Schleiereule sowie mit Rebhühnern und Stockenten. Seit einigen Jahren hat der Vogelexperte auch die ursprünglich aus Afrika stammenden Nilgänsen, gewissermaßen eine Vogelart mit Migrationshintergrund, im Blick. Sein Fazit: Die Welt der Vögel hat sich dramatisch verändert und damit auch deren Bestand.

Am schwierigsten sei die Situation für die "Vögel der Feldflur", sagt Herbert Friedrich, weil deren Lebensraum im Laufe der vergangenen Jahre durch mehr Baugebiete sowie weniger Bäume, Sträucher und Wiesen kontinuierlich verringert wurde. Dadurch seien Nahrungsquellen versiegt und Brutmöglichkeiten verschwunden. Ganz besonders deutlich hat Friedrich zufolge in der Vergangenheit die Verringerung des Steinkauz-Bestands festgestellt. Die hatten sich vornehmlich in Strünken und Stämmen alter Apfelbäumen eingerichtet. Aber die seien durch Neubaumaßnahmen gefällt und beseitigt worden - und die Steinkäuze wurden heimatlos. Nur noch zwei bis drei Brutpaare habe es im Landkreis gegeben, berichtet Friedrich. Daraufhin wurden die Vogelschützer aktiv und installierten Niströhren, rund ein Meter lange Hohlkörper, die waagrecht und dort aufgehängt wurden, wo ehemals Bäume gestanden hatten. Die Steinkäuze sollten sich darin wohlfühlen. Das taten dann allerdings auch Stare, die diese Bruthilfen attraktiv fanden. Dennoch ging die Strategie auf. Etwa 60 Steinkauz-Paare lebten derzeit im Kreis, sagt der Fachmann.

Schleiereule

ist verschwunden

Anders verlief die Entwicklung bei den Schleiereulen, die ebenfalls in dem Maße verschwanden, in dem sich die besiedelten Bereiche ausdehnten. Allerdings kamen sie nicht zurück. "Sie haben keine Nahrung mehr, weil die Feldflur fehlt", sagt Friedrich. "Die Felder sind weg. Die Feldmäuse ebenso und damit auch die Schleiereulen." Vor 20 Jahren habe er noch 60 Paare in der Region gezählt. "Seit zwei Jahren sind es null." Denn auch die Brutstätten der Schleiereulen, Scheunen und Kirchtürme, gingen verloren. Scheunen seien abgerissen worden, Kirchtürme zugenagelt, um Tauben abzuwehren, sagt Herbert Friedrich. Die Schleiereulen sind fort.

Goldammern und Stare seien dagegen geblieben, berichtet er. Starenschwärme mit etwa 50 Tieren könne man beobachten. Früher seien die in den Wintermonaten in die Wärme geflogen. Aber seit die Winter hierzulande milder seien, hätten sich die Vögel zum Bleiben entschieden, weil die Nahrungssituation gut ist und Stare "keine Nahrungsspezialisten" sind. Und weil sie die Abwesenheit anderer Vögel nutzen, um deren Brutplätze zu kapern. "Mit den Staren ist es ein Auf und Ab", analysiert der Fachmann. Tendenziell größer wird dagegen die Population der Eisvögel, die die Wintermonate mittlerweile ebenfalls in der Region verbringen. Mindestens fünf Eisvögel habe er bei einem Erkundungsgang auf einer Strecke von 500 Metern entlang der Lahn unterhalb des Domfelsens gesehen, sagt Friedrich. Bei Runkel seien sogar Teichhühner anzutreffen gewesen. Die Erklärung ist einfach, sagt der Vogelschutzwart. "Der Uferbereich ist nicht zugefroren. Also gibt es genug Nahrung."

Krankheiten bei

Meisen und Amseln

Betrüblich ist jedoch die Entwicklung, die Herbert Friedrich für Blaumeisen und Amseln beobachtet. Hier liege das Problem jedoch weder in karger Nahrungslage noch in unwirtlichen Brutverhältnissen. Vielmehr breite sich bei Blaumeisen seit einigen Jahren eine tödliche Krankheit aus. Auch Amseln seien vor zwei Jahren von einem Virus befallen worden, das sie durch Insekten aufgenommen haben. Immer häufiger meldeten sich Tierfreunde und berichtete von toten Kohl- und Blaumeisen, Amseln und Dompfaff. Normal sei das nicht.

Durchaus normal ist Friedrich zufolge aber, dass in diesem Winter bislang wenig Betrieb an den heimischen Vogelhäuschen herrscht. Die Speisekammer der Natur sei mit Bucheckern und Eicheln für Amseln, Finken und Meisen noch reichlich gefüllt. Und die würden sich im Winter ohnehin zu Futter-Zweckgemeinschaften zusammenschließen - oder "zusammenpiepen" wie der Nabu-Vogelschutzmann sagt. Interessanterweise könnten die Vögel verschiedener Familien dabei in einer allgemeinverständlichen Stimmart kommunizieren. Und zwar nicht nur, wenn es um Futter gehe, sondern auch um Schutz vor feindlich gesonnenen Sperbern oder Habichten.

Zunehmend gefährlich wird es Friedrich zufolge für Stockenten, die sich der aus Afrika eingewanderten Nilgänse erwehren müssen, sowie für Graureiher. 35 Paare hat er im vergangenen Jahr auf der Lahninsel gesehen. Jetzt sind sie weg und haben sich in Eschhofen in den dünnen Wipfeln von Douglasien am Flussufer niedergelassen. Das habe aber nicht unmittelbar mit den Menschen zu tun, sagt er. Daran sei der Waschbär schuld, der sich ebenfalls auf der Lahninsel wohlfühle und sich die Vögel aus dem Bäumen geklaubt habe. Und die Aussicht auf Beute treibe natürlich auch Katzen an. Auch die vergreifen sich an den Vögeln, sofern sie nicht von Elstern gewarnt würden, sagt der Hobby-Ornitologe. Dass Elstern keineswegs immer diebisch, sondern durchaus fürsorglich seien, das müsse auch einmal betont werden. Über die Größe ihres Bestandes kann er keine Auskunft geben. So viele wie die Feldsperlinge werden es nicht sein.

"Stunde der Wintervögel"

Die Beobachtungen der Zählung vom 8. bis 10. Januar können unter www.nabu.de/onlinemeldung bis zum 18. Januar gemeldet werden. Zudem ist für telefonische Meldungen am 9. und 10. Januar jeweils von 10 bis 18 Uhr die kostenlose Rufnummer 08 00-11 57-1 15 geschaltet. Auch über die Nabu-App "Vogelwelt" (Download unter www.NABU.de/vogelwelt) kann gemeldet werden.

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