Parkhaus-Test in Limburg: Jens Womelsdorf (links) und Willi Kerkes vom Auto Club Europa (ACE) stehen in der Tiefgarage der WERK Stadt vor einem Kassenautomaten, der auch für Rollstuhlfahrer gut zu bedienen ist, weil die Tasten und der Münzeinwurf nicht zu hoch angebracht sind.
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Parkhaus-Test in Limburg: Jens Womelsdorf (links) und Willi Kerkes vom Auto Club Europa (ACE) stehen in der Tiefgarage der WERK Stadt vor einem Kassenautomaten, der auch für Rollstuhlfahrer gut zu bedienen ist, weil die Tasten und der Münzeinwurf nicht zu hoch angebracht sind.

Untersuchung in Limburg

Welches Parkhaus bietet die beste Barrierefreiheit?

  • Stefan Dickmann
    VonStefan Dickmann
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Zwei Vertreter des Auto Clubs Europa haben sich insgesamt zehn Gebäude angeschaut.

Limburg -Für jeden fünften Bürger in Deutschland ist Barrierefreiheit sehr wichtig. Darauf weist der Auto Club Europa (ACE) hin und zählt den betroffene Personenkreis auf: Senioren, die 75 Jahre und älter sind, Eltern mit Kinderwagen, Menschen, die einen Rollator brauchen, Menschen, die schwere körperliche Einschränkungen haben, und Menschen, die im Rollstuhl sitzen. Der ACE wollte nun in einem Test wissen: Welches Parkhaus in Limburg bietet die beste Barrierefreiheit?

Mit dem Vorsitzenden der ACE-Region Lahn-Dill, Willi Kerkes aus Weilburg, und dem für Hessen zuständigen Beauftragten Jens Womelsdorf waren am Dienstag zwei Vertreter des Verkehrsverbunds mehrere Stunden in der Innenstadt unterwegs, um sich die insgesamt zehn Parkhäuser, Tiefgaragen und Parkdecks unter dem Aspekt Barrierefreiheit genau anzuschauen.

"Insgesamt ein

sehr gutes Ergebnis"

Beide ziehen nach dem Test ein positives Fazit, denn immerhin sieben der zehn untersuchten Objekte schneiden mit mindestens der Schulnote gut ab, was beim ACE einem Ergebnis von zwei Sternen entspricht, und vier der untersuchten Parkmöglichkeiten bekommen sogar drei Sterne und damit die Schulnote sehr gut.

"Man merkt, dass in den Parkeinrichtungen in Limburg schon viel modernisiert worden ist", sagt Womelsdorf und bezieht sich damit unter anderem auf eine klare Beschilderung von möglichst breit und in der Nähe von Aufzügen angelegten Behinderten- und Eltern-Kind-Parkplätzen, einer guten Beleuchtung der Parkflächen sowie Kassenautomaten, die auch von einem Rollstuhlfahrer problemlos bedient werden können, weil die Öffnungen fürs Parkticket und der Münzeinwurf möglichst niedrig angebracht sind. "Das ist insgesamt ein sehr gutes Ergebnis für Limburg, weil die Stadt und private Anbieter darauf achten, ihre Parkhäuser in einem gutem Zustand zu halten", sagt er.

Auf Platz 1 landet das

Stadthallen-Parkhaus

Die beste Barrierefreiheit bietet nach dem ACE-Test das Parkhaus der Stadthalle, die 2018/19 für 3,6 Millionen Euro saniert worden war. Sie bekommt 15 von 16 möglichen Punkten und damit auch die Höchstwertung von drei Sternen. Der einzige Punkt, den die beiden ACE-Tester an der Tiefgarage bemängeln, ist die nicht vorhandene "Ansprechperson vor Ort", also der klassische Parkwächter oder ein Hausmeister, der schnell da sein kann. Schon damals hatte die Stadt nach der Sanierung auf besondere Parkplätze für Frauen, Mütter mit Kindern oder Schwerbehinderte hingewiesen, die dort ausgewiesen würden, "wo der Weg zum Aufzug kurz ist".

Das ist das Gesamtergebnis:

Drei Sterne (sehr gut):

1. Stadthallen-Parkhaus (15 Punkte)

2. Altstadt-Parkhaus

City-Parkhaus

Krankenhaus-Parkhaus (jeweils 13 Punkte)

Zwei Sterne (gut):

5. Tiefgarage der Kreissparkasse

(12 Punkte)

6. Parkdeck am Hauptfriedhof

Tiefgarage der WERK Stadt (jeweils 10 Punkte).

Keine Sterne gab es für das Karstadt-Parkhaus (neun Punkte); dort bemängeln die Tester unter anderem "ausgeblichene Hinweisschilder" an Behindertenparkplätzen. Das "Parkhaus Mitte" kommt im Test auch auf neun Punkte: Für Normalnutzer sei dort zwar alles gut, aber die Barrierefreiheit sei "ausbaufähig".

Auf dem letzten Platz landet das von der Stadt betriebene ZOB-Parkhaus an der Graupfortstraße (acht Punkte), das allerdings demnächst saniert und möglicherweise um eine Etage aufgestockt werden soll. Man merke, dass dieses Parkhaus schon "recht alt" sei, erklären die ACE-Tester. Der Behindertenparkplatz liege "versteckt", es gebe dafür keine gute Beschilderung, und er sei "nicht besonders groß"; außerdem gebe es keine Eltern-Kind-Parkplätze.

Und einen Hinweis zum Krankenhaus-Parkhaus geben die beiden Tester des ACE auch: Das Rein- und rausfahren in dieses sehr enge Parkhaus sei nicht bewertet worden.

Der Kriterienkatalog im Test

"Barrierefreiheit" des Auto Clubs Europa

Für diese 15 Kriterien gibt es im Test je einen Punkt (in der ersten Kategorie ist ein Sonderpunkt möglich, wenn die Anzahl größer ist als ein Prozent aller Parkflächen): Zwei Sterne werden ab zehn Punkte vergeben, drei Sterne ab 13 Punkte:

Anzahl der Behinderten-Parkplätze

Normgröße (Breite mindestens 3,5 Meter x Länge mindestens 5 Meter)

Sondergröße (Normgröße + 2,5 Meter freie Fläche in der Länge)

Wegweiser Behinderten-Parkplätze

Parkfläche eben

Markierung

Barrierefreier Kassenautomat oder kostenfrei

Beleuchtung

Barrierefreie E-Lademöglichkeit

Kennzeichnung als Eltern-Kind-Parkplatz

Gefahrlose Erreichbarkeit

Nähe Ein- und Ausgang

Barrierefreier Zugang zum intakten Fahrstuhl

Vorhandene Nottaste

Ansprechperson vor Ort.

Das ist der ACE

Der Verkehrsbund Auto Club Europa (ACE) mit Sitz in Stuttgart ist nach eigenen Angaben 1965 im Deutschen Gewerkschaftsbund gegründet worden. Im Jahr 1995 öffnete sich der Club auch für Menschen, die keiner Gewerkschaft angehören. Er bietet unter anderem Pannenhilfe, Fahrsicherheitstraining oder auch eine Kfz-Versicherung an und hilft zudem beim Rücktransport in die Heimat, wenn es zu Unfällen während einer Reise kommt. Nach eigenen Angaben hat er rund 630 000 Mitglieder.

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