Zusteller Patrick Neidel belädt seinen täglichen Begleiter, den sogenannten Streetscooter, den die Post für die Zustellung selbst entwickelt hat.
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Zusteller Patrick Neidel belädt seinen täglichen Begleiter, den sogenannten Streetscooter, den die Post für die Zustellung selbst entwickelt hat.

Verbrenner bald verschwunden

Wenn die Post elektrisch kommt

  • VonNadja Quirein
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Seit knapp einem Jahr sind die E-Autos der Post auch in Limburg im Einsatz und helfen dabei, Briefe und Pakete umweltfreundlich auszuliefern.

Limburg -"Hört sich an wie ein Raumschiff", beschreibt Postzusteller Patrick Neidel das Geräusch, das sein neues Dienstfahrzeug macht. Statt eines Motorengeräuschs ist nur ein leises Surren zu hören, wenn der Zusteller unterwegs ist, um Briefe und Pakete zuzustellen. Der Grund: Die Post setzt seit vergangenem Jahr auch in Limburg Lieferwagen mit Elektroantrieb ein. Motorengeräusche, Diesel- und Benzingeruch sowie Abgase gehören damit zum Teil der Vergangenheit an.

Das sei auch den Kunden schon aufgefallen, sagt Patrick Neidel. Seit etwa einem Jahr fährt auch der 32 Jahre alte Zusteller einen Transporter mit Elektroantrieb, den sogenannten Streetscooter aus posteigener Produktion. Dieses Fahrzeug, von dem mittlerweile knapp 40 in Limburg und auch in der Umgebung im Einsatz sind, soll die Zustellung umweltfreundlicher machen.

Neugierige

Kunden

Einige Kunden seien bei den ersten Besuchen neugierig gewesen, hätten "mal schauen" wollen, sagt der Offheimer. Die Resonanz sei positiv gewesen als die gelben, kastenförmigen Wagen mit dem ungewöhnlichen Geräusch sich erstmals blicken ließen. Er sei zuvor bereits alle möglichen anderen Modelle gefahren, um die Briefe und Pakete auszuliefern, allesamt mit Verbrennungsmotor, sagt Neidel.

"Anfangs war ich skeptisch", berichtet Patrick Neidel über den Moment, als er erfuhr, dass er zukünftig mit einem E-Auto unterwegs sein würde. Das Fahrgefühl sei schließlich ein völlig anderes, außerdem seien gewohnte Routinen, wie etwa das Schalten, plötzlich anders. Aus der anfänglichen Skepsis ist Begeisterung geworden. Nach zwei Wochen im Einsatz und einer vorherigen Einweisung in das neue Gefährt war klar: "Den möchte ich nicht mehr hergeben."

Die Gründe liegen für Neidel ganz klar auf der Anpassung an die besonderen Bedürfnisse der Zusteller. Wer zig Mal am Tag ein- und aussteige und an der Ladefläche stehe, profitiere stark von ergonomischen Feinheiten und den durchdachten Details wie beispielsweise den fehlenden Ausbuchtungen für der Räder, die nun ein gleichmäßiges Stapeln möglich machen. Die Höhe der Ladefläche sei beispielsweise genau passend, unnötiges Bücken entfalle, erklärt er. Dass ihm dies gut tut, merkte er nach kurzer Zeit: Rückenschmerzen hat der Zusteller aus Offheim nun deutlich seltener.

Patrick Neidel schwärmt aber auch von der Beinfreiheit in dem Fahrzeug, das standardmäßig mit nur einem Sitz ausgestattet ist. Dort nämlich, wo sonst der Beifahrersitz ist, ist nun eine spezielle Vorrichtung, in der Briefe schnell zu finden sind und griffbereit liegen. Auch die Polstererhöhung am Fahrersitz, die es sonst beim Aussteigen zu überqueren galt, fehlt. Das erleichtert das Ein- und Aussteigen.

Das Tanken

entfällt

Praktisch und zeitsparend sei es, dass das Tanken entfalle, sagt Patrick Neidel. Lediglich den Stecker muss er mit dem Auto verbinden und schon lädt es, um am nächsten Tag wieder einsatzbereit zu sein. Es sei ein gutes Gefühl, CO2-freundlich arbeiten zu können und so die Umwelt etwas zu entlasten, freut er sich.

Es seien die vielen Kleinigkeiten, die dieses Fahrzeug zu etwas besonderem machen, berichtet auch der Leiter des Limburger Zustellstützpunktes, Thomas Schmid. Daran werde deutlich, dass auch Zusteller selbst bei der Entwicklung beratend zur Seite standen und ihre Wünsche äußerten. "Von Postlern für Postler", berichtet Thomas Schmid von den Hintergründen der Herstellung. Das Fahrzeug sei 100 Prozent Post.

Der Wunsch des Unternehmens nach Elektromobilität war anfangs nicht leicht umzusetzen, denn für die Herstellung der Fahrzeuge fanden sich zunächst keine geeigneten Partner, also sei die Post kurzerhand selbst zum Autobauer, fasst es Unternehmenssprecher Heinz-Jürgen Thomeczek zusammen. Seither hat sich einiges getan: Inzwischen gibt es Fahrzeuge der dritten Generation. "Wir werden immer besser", findet Schmid und wünscht sich noch mehr solcher Fahrzeuge für den Limburger Standort.

Aus anfänglich drei Streetscootern sind inzwischen 40 geworden, weitere sollen folgen und damit das Ziel der CO2-freien Zustellung in der Region in greifbare Nähe rücken. In den nächsten Wochen soll es zumindest in Limburg schon komplett so weit sein.

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