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Wenn die Post elektrisch kommt

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Von: Sebastian Semrau

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Thomas Schmid leitet den Zustellpunkt Limburg in Offheim, von dem aus verschiedenste E-Fahrzeuge ihren Dienst tun. Am Gebäude sind die Ladekabel angebracht.
Thomas Schmid leitet den Zustellpunkt Limburg in Offheim, von dem aus verschiedenste E-Fahrzeuge ihren Dienst tun. Am Gebäude sind die Ladekabel angebracht. © Sebastian Semrau

In Limburg wird nahezu CO2-frei zugestellt. Andere Zustellpunkte in der Region sollen folgen.

Limburg -Eine gute Nachricht für die Luftbelastung in Limburg und natürlich auch für den Klimaschutz: Die Domstadt ist die erste Stadt in Hessen mit CO2-freier Postzustellung. "Ob Briefe oder Pakete, die Deutsche Post DHL stellt alle Sendungen in Limburg mittels sauberer, umweltfreundlicher und geräuscharmer Technologie zu", verweist Isolde Kerker-Godec, Postniederlassungsleiterin Wiesbaden und zuständig für die Leitregionen 64 (Darmstadt) und 65 und somit auch für Limburg, auf die eingesetzten Elektrofahrzeuge. Dies sei ein Meilenstein, betont Deutsche-Post-Betriebschef Thomas Schneider. "Deutschlandweit liegt der Anteil an E-Mobilität bei 50 Prozent."

Der Leiter des Zustellpunkts Limburg, der seit 2019 in der Straße "An der Meil" in Offheim zu finden ist, Thomas Schmid, hat allerdings noch eine kleine Einschränkung. Denn für sechs Firmen, die mit Lkw beliefert werden, seien noch Verbrenner im Einsatz. Dort seien Gas-Lkw angedacht - allerdings spreche die aktuelle Lage derzeit nicht dafür. Insgesamt seien am Zustellpunkt 48 Elektro-Fahrzeuge, die jeweils locker ihre Tagestouren schaffen, im Einsatz. Entsprechend sind am neuen Gebäude auch zahlreiche Lade-Möglichkeiten angebracht.

Stromnetz und Standort

sind entscheidend

Diese gehören auch zu den Einschränkungen, warum die Umstellung auf E-Mobilität bei der Post nicht überall so schnell voranschreitet, wie dies in Limburg der Fall ist, erklärt Thomas Schmid. Der Zustellpunkt in der Domstadt ist nämlich auch für die Stützpunkte Diez, Hadamar, Villmar, Bad Camberg, Idstein und Aarbergen zuständig. Zugestellt werde von dort in die Kommunen "zwischen den Autobahnabfahrten Diez und Idstein", sagt Schmid.

"Für Idstein gibt das Stromnetz nicht mehr als 15 Streetscooter her", berichtet Schmid. Dies sind die von der Post selbst entwickelten E-Fahrzeuge. Mittlerweile sind die aber nicht mehr alleine. Das Unternehmen setzt auf Fahrzeuge verschiedener Marken. "Das erleichtert auch die Wartung", verweist Schmid auf die Möglichkeit, auf verschiedene Werkstätten zurückzugreifen. Auch das sei anfangs immer wieder ein Problem gewesen.

Die Ladeinfrastruktur bleibt aber eins. In Bad Camberg ziehe man daher auf die andere Straßenseite um, berichtet Schmid. Dort wird dann auch der Zustellpunkt Aarbergen integriert. "Dort ist eine Umstellung nicht möglich, deshalb wird der Standort geschlossen."

Die CO2 -freie Zustellung in Limburg komme auch bei der Stadt samt ihrem "Green-City-Plan", der auch die Logistik betrifft, gut an, sagt Schmid. Nicht mehr mit Diesel-Autos zuzustellen hilft auch, den Ausstoß von Stickstoffdioxid in der Stadt zu reduzieren. Dessen hoher Wert an der Schiedekreuzung sorgt dafür, dass Limburg immer noch Dieselfahrverbote drohen.

Von der Bevölkerung werde die Post mit ihren E-Fahrzeugen "als umweltfreundlich wahrgenommen", sagt der Leiter des Zustellpunkts. Ein Anfangsproblem sei mittlerweile auch gelöst. "Da hieß es, wir seien zu leise", berichtet Schmid. Schließlich waren die Menschen es gewöhnt, nahende Fahrzeuge zu hören. Nun klingen die Postautos zwar nicht wie Verbrenner, aber das raumschiffartige Geräusch macht dennoch auf sie aufmerksam.

Unternehmen will

"Vorreiter bleiben"

Die E-Auto-Flotte der Deutschen Post sei mit mehr als 20 000 Fahrzeugen die größte in der ganzen Bundesrepublik, sagt der Betriebschef der Brief- und Paketsparte, Schneider. Noch sei das allerdings teurer als die Zustellung mit "normalen" Fahrzeugen. Dass der Umweltaspekt etwa bei kommunalen Ausschreibungen, die es in Großstädten gibt, bisher nie berücksichtigt wurde, kann er nicht verstehen. Dennoch wolle die Post "Vorreiter bleiben" und setze darauf, dass dies auch ein Wettbewerbsvorteil wird.

Auch beim neuen Gebäude in Offheim mit einer Fläche von 1800 Quadratmetern auf einem 9750 Quadratmeter großen Grundstück setzt die Post übrigens auf Nachhaltigkeit, auch wenn eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach Thomas Schmids Worten zufolge nicht möglich ist. Man setze auf Ökostrom und eine Wärmepumpe für die Fußbodenheizung in den Büroräumen. Im Betrieb selbst werde allerdings mit Gas geheizt. Den neuen, rund drei Millionen Euro teuren Standort - der alte war in der Nähe der Polizei am Offheimer Weg - bezeichnet Schmid als "Premiumlage". Wegen der guten Verkehrsanbindung. Zudem sei nun alles ebenerdig, und es gebe keine Nachbarn, die sich am frühen Morgen gestört fühlen können. Auch das kann man als Rezept für einen nachhaltigen Erfolg bezeichnen.

Briefe und Pakete werden

meist gemeinsam verteilt

Im Zustellstützpunkt Limburg sind knapp 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Rund 23 000 Pakete und 188 000 Briefe werden von dort wöchentlich verteilt und zugestellt - sämtliche Briefe und Pakte für die Domstadt und einige weitere Orte passieren das Gebäude. Die Briefe werden am frühen Morgen aus Mainz-Kastel geliefert, die Pakete für die sieben heimischen Zustellstützpunkte kommen zwischen 4 und 8 Uhr aus Neuwied, Rodgau oder Saulheim. Dann werden sie sortiert und verladen. 46 Zusteller starten montags bis samstags in Limburg ihre Tour. In der Innenstadt gibt es dabei zwei reine Brief- und reine Paketbezirke. Die anderen 42 Bezirke werden laut Thomas Schmid, Leiter des Zustellstützpunkts, im Verbund zugestellt. Das heißt, dass Briefe und Pakete gemeinsam zugestellt werden. "Hierfür werden rund 70 Mitarbeiter eingesetzt; weitere acht Mitarbeiter sorgen für Verteilung, Personaleinsatz, Bemessung und Qualität", erklärt Schmid. Montags sei übrigens am wenigsten los. Daher seien dann auch nicht alle Mitarbeiter im Einsatz, samstags dagegen seien auch Aushilfen unterwegs, die das Unternehmen immer suche. "Der paketstärkste Tag ist der Dienstag", berichtet Schmid. Dann kämen die meisten der am Wochenende georderten Bestellungen an.

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