Dr. Julian Wagner sprach beim Gesundheitsforum der Adolf-Reichwein-Schule über die Corona-Gefahr für das Herz.
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Dr. Julian Wagner sprach beim Gesundheitsforum der Adolf-Reichwein-Schule über die Corona-Gefahr für das Herz.

Vortrag an der Adolf-Reichwein-Schule in Limburg

Wenn die Zellen im Herz Selbstmord begehen

  • vonRobin Klöppel
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Der Biologe Dr. Julian Wagner warnt vor den Folgen von Corona

Limburg -Mit dem Biologen Dr. Julian Wagner aus Limburg ist ein ehemaliger Abiturient für einen Vortrag an seine alte Schule zurückgekehrt. Der 29-jährige Wissenschaftler der Frankfurter Goethe-Universität sprach beim aufgrund der Pandemie-Lage diesmal online durchgeführten Gesundheitsforum der Adolf-Reichwein-Schule über mögliche Auswirkungen des Coronavirus auf das Herz.

Der Wahl-Gießener warnte junge Menschen davor, das Thema Corona auf die leichte Schulter zu nehmen, da er auch Fälle kenne, wo junge Menschen schwer am Herzen erkrankt seien. Und da kaputte Herzzellen sich nicht wie Lungenzellen wieder neu bilden könnten, blieben solche Schädigungen für immer, führten im schlimmsten Fall irgendwann zum Tod, so der Wahl-Gießener. Wagner ist sich sicher, dass das Thema Corona unsere Gesellschaft noch lange beschäftigen wird, weil das Virus sich immer wieder verändern und dem Menschen besser anpassen werde. Folglich bleibe nur regelmäßiges Impfen, um die Problematik im Griff zu behalten, was ja auch bei Grippe gemacht werde.

Wie kam Julian Wagner zu seinem spannenden Beruf? Wie er im Gespräch mit dieser Zeitung verrät, hatte der junge Mann eigentlich vor, nach dem Abi Medizin zu studieren und später einmal als Kardiologe zu arbeiten, weil ihn das Innenleben des Herzens fasziniert hat.

Der Limburger machte ein Praktikum am Limburger St.-Vincenz-Krankenhaus. Sein Abi an der Reichwein-Schule war gut, aber leider dann doch nicht gut genug, um einen Medizinstudienplatz zu bekommen. Folglich überlegte er, welche beruflichen Alternativen es gebe, sich trotzdem mit dem Herzen beschäftigen zu können. "Ich strandete dann in der Biologie", berichtet Wagner. Beschäftigt habe er sich mit dem Thema Herzalterung.

Als dann aber Corona aufgekommen sei, sei es spannend gewesen, zu erforschen, wie Corona das Herz schädigen könne. Es habe, so Wagner, Fälle gegeben, wo Patienten dachten, eine Corona-Erkrankung längst überwunden zu haben. Und plötzlich hätten sie große Herzprobleme wie Rhythmusstörungen bekommen. Also müsse man dafür sorgen, dass Corona-Viren erst gar nicht über das Andocken an Rezeptoren ins Herz eindringen könnten und unsere Gesellschaft durchimpfen. Um das öffentliche Leben zügiger wieder in Gang zu bekommen, hätte Wagner aber nicht die aktuelle Strategie der Politik gewählt, die Menschen in Gruppen einzuteilen und zuerst nur ältere Menschen zu impfen. Wagner hätte zunächst einen Querschnitt aus allen Bevölkerungsgruppen geimpft, da die jüngeren Menschen ja mobiler seien und sich schneller gegenseitig anstecken könnten.

Von Tieren auf

den Menschen

Ob das Herz durch das Coronavirus bei älteren Menschen eher als bei jüngeren stark geschädigt werden könne, sei schwer zu beweisen, da ja auch nicht bekannte Vorschädigungen bei älteren Menschen wie Bluthochdruck vorhanden sein könnten, die auch ohne Virus für eine Verschlimmerung des Zustands hätten sorgen können. Julian Wagner sagte in seinem Vortrag, dass es bei Covid-19 schon das dritte Mal in der Geschichte der Fall gewesen sei, dass ein Virus von Tieren auf den Menschen übergesprungen sei. Um zu verstehen, wie in Asien solche Viren von Tieren auf Menschen übergehen könnten, müsse man die dortige Kultur kennen, so der Biologe.

Beispielsweise gebe es in China nach wie vor Menschen, die pulverisierten Fledermauskot zu sich nähmen, in dem Glauben, dass es gut für ihre Gesundheit sei. Auf eine Schülernachfrage antwortete der Referent, dass es natürlich zur Vorbeugung sinnvoll sei, Wildtiermärkte zu verbieten. Doch das sei in China tief in der Tradition verankert. Da auf der Welt fast jeder dritte Mensch Chinese sei, würden sich die Asiaten das auch nicht einfach so verbieten lassen. "Das ist so, als würde man jemandem in Deutschland den Vorschlag machen, Weihnachten zu verbieten", so der Limburger Abiturient.

Das Problem sei, dass die Viren, die eigentlich auf Tiere spezialisiert seien, mutierten und sich mit der Zeit immer mehr an den Menschen anpassten, der ja letztlich auch nichts anderes als ein höher entwickeltes Tier sei. Folglich brauchten die Viren irgendwann keine Rezeptoren mehr, um in menschliche Zellen einzudringen und darum seien neue Corona-Mutanten auch so hoch ansteckend.

Aus seiner beruflichen Sicht sei es spannend gewesen, festzustellen, dass Corona keine ausschließliche Lungenkrankheit sei, sondern die Viren auch andere Organe befallen könnten und es zu absurden Symptomen kommen könne, weil sie auch das Nervensystem befallen könnten. Da Corona-Kranke oft auch Herzprobleme hätten, müsse man zur effektiven Behandlung Kardiologen hinzuziehen. Die Zellen selbst würden die Gefahr zwar erkennen und nach einigen Tagen Selbstmord begehen, doch das Problem sei eben, dass sie sich im Herzbereich nicht wieder neu bilden könnten. "Darum sollte jeder unbedingt die Hygienebestimmungen einhalten und sich impfen lassen", sagte Wagner.

robin klöppel

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