So sieht er aus: Klaus Rohletter (von links), Dieter Schmich, Dr. Christoph Ullrich und RWP-Geschäftsführer André Schäfer mit dem Regionalplanentwurf.
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So sieht er aus: Klaus Rohletter (von links), Dieter Schmich, Dr. Christoph Ullrich und RWP-Geschäftsführer André Schäfer mit dem Regionalplanentwurf.

Fledermaus und Rotmilan contra Windrad

Wenn Veränderung als Bedrohung empfunden wird

  • VonRobin Klöppel
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Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich (CDU) referiert über die Region Mittelhessen

Der Limburger Verein Gesellschaft für Recht, Wirtschaft und Politik (rwp) traf sich nach langer Corona-Pause im Clubraum der Josef-Kohlmaier-Halle wieder einmal zu einem Vortrag. Der Gießener Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich (CDU) sprach dort über seine Behörde und den Regionalplan Mittelhessen. RWP-Vorsitzender Klaus Rohletter nutzte die Veranstaltung auch, um Dieter Schmich mit der Ehrenmitgliedschaft zu überraschen. Der Limburger gehörte 1992 zu den Gründungsmitgliedern des Vereins und war 17 Jahre als Vorstandsmitglied tätig.

Christoph Ullrich, der es nach erfolgreichem Jura-Studium nach mehreren Stationen bis zum Präsidenten des Landgerichts Limburg geschafft hatte und 2015 zum Regierungspräsidenten ernannt wurde, meinte, dass die Region Mittelhessen unterbewertet sei. "Das ist hier eine tolle Region zum leben und arbeiten", betonte der 61-Jährige aus Fussingen.

Ullrich sprach von schöner Natur, einer hochentwickelten Industrie- und Bildungslandschaft sowie ansprechenden kulturellen Angeboten. Der Regierungspräsident ist überzeugt: "Wir haben kluge Menschen und kluge Unternehmer". So gebe es an der Technischen Hochschule Mittelhessen, den Universitäten Marburg und Gießen 75 000 Studienplätze. Frankfurt habe zum Vergleich nur 72 000. Es gebe eine Menge Unternehmen hier, die auf ihrem Gebiet Weltmarktführer seien. Da ihre Kundschaft jedoch nicht in Mittelhessen sitze und sie hier folglich keine Werbung für sich machten, seien sie den meisten Bürgern unbekannt. "Dabei sollte", wie Ullrich findet, "jedes Kind am Standort der Unternehmen wissen, von unserem Ort gehen Produkte in die ganze Welt".

Der Regierungspräsident sagte, dass wenn die betreffenden Unternehmen sich auch gegenseitig kennen würden, es bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern wesentlich einfacher sei. Dann könne man Bewerbern erklären, welche beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten sich für sie und ihre Partner in der Region ergeben könnten. In Metropolen wie Frankfurt stellten Bewerber solche Fragen nicht, weil sie dort wüssten, dass da viele weitere Unternehmen seien.

Christoph Ullrich ging nicht auf die Inhalte des neuen Regionalplanentwurfs ein, berichtete aber, dass dieser alle zehn Jahre erneuert werde und es aktuell wieder die Zeit dazu sei. Darum seien bereits 2018 alle Kommunen nach ihren Plänen befragt worden. "Nur was wir wissen, können wir berücksichtigen", so der Regierungspräsident. Ullrich warb aber für Verständnis dafür, dass nicht jeder Wunsch umgesetzt werden könne, da nicht immer Einzel- mit den Regionalinteressen übereinstimmten.

Auf der einen Seite höre er beispielsweise, dass noch nicht viele Flächen an Ortsrändern bebaut und lieber auf Innenstadtverdichtung gesetzt werden solle. Auf der anderen Seite höre er, die letzten Grünflächen in der Stadt dürften keinesfalls verschwinden. Also müsse die Regionalversammlung da immer abwägen.

"Bitte nichts vor der eigenen Haustür"

Der Regierungspräsident findet es schade, dass viele Bürger in der heutigen Zeit notwendige Veränderungen als Bedrohung empfinden würden. Die Nachkriegsgeneration habe das noch völlig anders gesehen. Doch viele hätten mittlerweile einen guten Lebensstandard und Angst, ihn zu verlieren. "Wir haben aber nur eine Zukunft, wenn wir uns den Veränderungen stellen und uns nicht gegen sie stellen", warnte Ullrich. Wenn Deutschland nicht auch in Zukunft die besten Produkte habe, würden sie eben andere liefern. Ullrich findet es schade, dass viele Windkraft oder mehre Schienenverkehr wollten, aber bitte nichts vor der eigenen Haustüre. Er habe null gegen den Naturschutz, doch viele beschäftigten sich plötzlich nur mit der Mopsfledermaus oder dem Rotmilan, weil sie ein Projekt selbst nicht wollten.

Ullrich riet gerade den kleineren Kommunen, mehr auf interkommunale Zusammenarbeit zu setzen. Das gehe bei Gewerbegebieten. Aber auch wenn die Bürger einen Bagger oder Schneepflug brauchten, sei ihnen egal, ob der jetzt seien Standort im eigenen Ort habe oder in einer Nachbarkommune. Ullrich erzählte, dass das Regierungspräsidium aus fünf Landkreisen mit einer Million Einwohner bestehen würde und doppelt so groß wie das Saarland sei. Es kümmere sich um Trinkwasserschutz, die Genehmigung von Deponien und Windkraft, aber auch Anträge für Corona-Soforthilfe und Flüchtlinge. Der große Ansturm aus Afghanistan sei bisher ausgeblieben, weil der Weg weit sei und ohne Geld für Schlepper nicht zu schaffen. robin klöppel

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