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Eine von ins-gesamt dreiInfo-Stelen steht in der unteren Bahnhofstraße in der Nähe des Kornmarkts. Die Stelen sind im Unterhalt sehr teuer und werden kaum genutzt. Doch die Stelen lassen sich so ohne Weiteres nicht entfernen.

Architektin gibt grünes Licht

Werden Info-Stelen bald abgerissen?

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Die umstrittenen Info-Stelen in der Innenstadt können möglicherweise doch abgerissen werden. Die Architektin, Inhaberin des Urheberrechts, ist damit einverstanden. Jetzt steht nur noch das Votum eines Ministeriums aus, ob die Stadt die Stelen abreißen darf, ohne eine Fördersumme von rund 58 000 Euro zurückzahlen zu müssen.

Die drei Info-Stelen in der Innenstadt sind aus rostigem Stahl, aber schon seit Jahren ein Stein des Anstoßes. Weil sie teuer waren, jedes Jahr hohe Betriebskosten verursachen und von Bürgern und Touristen links liegen gelassen werden. Sie stehen an der evangelischen Kirche am Bahnhof, vor dem Rathaus und in der Nähe des Kornmarkts.

Kaum jemand nutzt die Bildschirme, die sich wie das Display an einem Smartphone bedienen lassen, um sich in der Stadt besser orientieren zu können oder sich über Restaurants zu informieren. Der Steuerzahlerbund nahm die Stelen in sein „Schwarzbuch“ auf, in dem öffentliche Geldverschwendung gegeißelt wird. Mit den Stelen schaffte es die Stadt unfreiwillig in mehrere satirische Fernsehsendungen. Aus dem gar nicht mal so verkehrten Gedanken von einst, etwas Modernes zur Orientierung und zur Information zu schaffen, ist eine Lachnummer geworden.

Das Problem: Die Stelen lassen sich nicht so ohne Weiteres abreißen, wie es die FDP als „Ceterum censeo“ schon seit Jahren fordert. Zum einen sind die Stelen urheberrechtlich geschützt, zum anderen sind sie vom Land Hessen finanziell gefördert worden. Die Stadt will allerdings eine Rückzahlung der Fördergelder vermeiden – immerhin rund 58 000 Euro – und erwartet noch im Laufe dieses Monats eine Antwort, wie Stadtsprecher Johannes Laubach mitteilt.

Stadtverordnete gefragt

Die Stadt ist aber schon ein gutes Stück vorangekommen: Eine Architektin aus Bad Soden – sie hatte die Stelen entworfen und besitzt aufgrund ihres Urheberrechts ein Mitspracherecht –, teilte der Stadt mit, „dass ich Ihrem Anliegen stattgebe, die Stelen an den drei Standorten in der Stadt zu entfernen“. Sollte das Ministerium in den nächsten Tagen der Stadt signalisieren, auf eine Rückzahlung der Fördergelder zu verzichten, stünde einem Abriss rechtlich nichts mehr im Weg.

Das heißt, eine Sache müsste noch geklärt werden: Die Stadtverordneten hatten den Magistrat aufgefordert, als noch nicht absehbar war, ob und wann ein Abriss möglich wäre, über ein neues Konzept für die Stelen nachzudenken, sie zum Beispiel als Kunstobjekt zu nutzen, und diese Frage in einem Ideenwettbewerb zu klären. Die Stadtverordneten müssten also entscheiden, ob sie die Stelen sofort abreißen wollen oder doch in einem Wettbewerb klären lassen, was mit ihnen passieren könnte, wenn sie stehen bleiben müssen.

Die Schöpferin der Stelen hofft auch nach einem Abriss auf eine weitere Verwendung der Stelen. „Vielleicht gibt es jedoch Lösungsmöglichkeiten, mit dem Korpus weiter zu verfahren?“, schrieb sie an die Stadt. „Auch um sich als Kommune nicht der heutigen Wegwerfgesellschaft zu unterwerfen, sondern eine ,gescheiterte‘ Idee umzuwidmen und weiter zu entwickeln. Möglicherweise könnten auch lokale Künstler oder Bildhauer angesprochen werden, die gegebenenfalls Verwendung für den Korpus hätten?“

Grundsätzlich kann die Architektin die öffentlich geführte Debatte über die Kosten und die Tücken der Technik allerdings verstehen. Denn billig waren die drei Stelen nicht: Die Gesamtkosten lagen bei rund 350 000 Euro. Dazu kommen hohe Betriebskosten: Im Jahr 2016 musste die Stadt für Strom und Wartung für die drei Stelen knapp 13 700 Euro aufbringen.

Nur drei Nutzer pro Tag

Diesen Makro-Kosten stehen Zugriffszahlen im Mikro-Bereich gegenüber. Im gesamten Jahr 2017 waren an den drei Stelen 1139 Nutzer registriert worden, also rechnerisch gerade einmal drei Nutzer pro Tag und einer pro Stele. Wobei es faktisch noch weniger Personen waren, weil ein Nutzer auch mehrfach registriert werden konnte. Die eine Hälfte interessierte sich für Sehenswürdigkeiten, die andere Hälfte informierte sich über Gastronomie, Stadtführungen, Stadtplan, Veranstaltungen und Übernachtungen.

Diese Kosten-Nutzen-Analyse ist aus Sicht des Steuerzahlerbunds fatal: „Wenn man ein Info-System installiert, das schon beim Aufstellen überholt ist, ist dies eine klare Fehlplanung“, schrieb der Steuerzahlerbund in sein „Schwarzbuch“.

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