+
Flüchtlingskinder sollen, so der Vorstoß, intensiver mit dem deutschen Rechtssystem vertraut gemacht werden.

Schule

Wertekanon für Flüchtlingskinder

  • schließen

In den Rechtsstaatsklassen sollen Flüchtlingskindern neben der Sprachkompetenz künftig auch verstärkt Kenntnisse zu Rechtssystem und Werteordnung vermittelt werden. So lautet ein Vorschlag von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Sigrid Molkenthin, Leiterin der Theodor-Heuss-Schule, sagt: „Für uns gehört das längst dazu – und zwar für alle Kinder.“

Geht es nach dem Willen des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, dann sollen Flüchtlingskinder noch näher an deutsche Rechtskunde sowie an das hierzulande herrschende Wertesystem herangeführt werden. Das sei eine Weiterentwicklung der erfolgreichen Rechtsstaatsklassen, die das hessische Justizministerium seit knapp zwei Jahren flächendeckend im Land anbietet, sagt Stefan Löwer, Sprecher des Kultusministeriums in Wiesbaden.

Diese Form der intensiven Integrationshilfe habe sich bewährt und solle stärker in den Schulalltag eingebunden werden. Eine Detailplanung liege ihm derzeit allerdings nicht vor, zumal sich die Ankündigung auf die nächste Legislaturperiode bezieht. Und bis dahin gebe es immerhin noch eine Landtagswahl, teilt Löwer mit.

Feststellen könne man lediglich, dass sich das erweiterte Lernprogramm nicht auf junge Grundschulkinder beziehe, sondern gerade jene Jugendliche in den Fokus nehmen soll, die erst später nach Deutschland gekommen und sich den kulturellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten anpassen müssen. Für die sei es wichtig, neben der Sprache auch rechtskundliche Grundlagen zu lernen und anzuwenden. Denn da bestehe unter Umständen Nachholbedarf. Den „Wertekanon unseres Landes“ deutschen Schülern zu vermitteln, ist Löwer zufolge dagegen nicht notwendig.

Das bestätigt Dirk Fredl vom Staatlichen Schulamt Limburg-Weilburg. Die jüngeren Kinder würden bereits im Sachunterricht an der Grundschule ein Grundgerüst der Gesellschafts- und Rechtsordnung lernen. Hier gehe es etwa um die Frage, „welche Rechte habe ich in der Klasse, in der Schule, in meinem Heimatort?“, formuliert der Pädagoge Inhalte des Lehrplans. An den weiterführenden Schulen würden diese Themen zum Beispiel im Religionsunterricht oder in „Politik und Wirtschaft“ vertieft – „auf eine höhere Ebene gehoben“, sagt Fredl. Dass es hier ebenfalls um Wertevorstellungen wie Religionsfreiheit oder Gleichberechtigung geht, sei selbstverständlich.

Für Sigrid Molkenthin von der Theodor-Heuss-Schule ist klar: Respekt, Anerkennung und Wertschätzung zu vermitteln, ist der pädagogische Grundauftrag. Und der gilt allen Schülern gegenüber. Dabei ist die Theodor-Heuss-Schule die Bildungseinrichtung in Limburg mit dem höchsten Anteil an Flüchtlings- und Migrantenkindern.

Immerhin werden von insgesamt 600 Kindern und Jugendlichen 100 in sogenannten Intensivklassen zur sprachlichen Integration unterrichtet. Der Anteil der Grundschulkinder ist mit knapp 30 deutlich geringer. Etwa 70 Schüler besuchen die Jahrgangsstufen fünf bis zehn. Aber die Grundlagen des Miteinanders müssen Molkenthin zufolge alle Kinder lernen und zwar unabhängig von ihrer Herkunft. „Auf dem Pausenhof sind alle Kinder gleich“ und müssten die gleichen Regeln lernen. Schwierigkeiten hätten da nicht unbedingt etwas mit Nationalität zu tun. Und das gelte für die Unterrichtsstunden ebenso. Diese Ausrichtung zeige sich auch am Motto ihrer Schule, „Miteinander gewaltfrei leben“, sagt Sigrid Molkenthin. Die Schulgemeinschaft gehe tolerant, sozial und demokratisch miteinander um. „In unserer Schule ist Vielfalt willkommen“, sagt die Schulleiterin – zu jeder Zeit.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare