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Wie der Brückenturm von innen aussieht

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Von: Bernd Lormann

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So sieht es in der Wohnung im Brückenturm aus, die der frühere Landrat Dr. Manfred Fluck (SPD, vorne links) bewohnt.
So sieht es in der Wohnung im Brückenturm aus, die der frühere Landrat Dr. Manfred Fluck (SPD, vorne links) bewohnt. © Bernd Lormann

Altlandrat Manfred Fluck führt eine Gruppe Leser durch das Gebäude aus dem 14. Jahrhundert

Limburg -Zehn Leser und Leserinnen unserer Zeitung haben hinter die sonst verschlossenen Türen des Brückenturms an der alten Limburger Lahnbrücke geblickt. Dieser ist heute der einzige in Deutschland erhaltene Brückenturm aus dem 14. Jahrhundert. Ermöglicht hat dieses für unsere Leser eindrucksvolle Erlebnis "Turmherr" Altlandrat Dr. Manfred Fluck (81), der im Jahre 2013 den Turm in Erbpacht (99 Jahre) von der Stadt Limburg erworben hat.

An der aktuellen Baustelle zur Brückensanierung empfing Manfred Fluck bei sommerlicher Hitze die Leserinnen und Leser. Weil die derzeitigen Bauarbeiten an der Brücke die Benutzung des Fahrstuhles an der Westseite des Turmes verhinderten, war zu Beginn der Besichtigung zunächst einmal ein schweißtreibender Treppenaufstieg über enge und steile Steinstufen zu überwinden.

Für rund 150 000 Euro hatte Manfred Fluck den Fahrstuhl nach dem Erwerb des Turmes 2014 installieren lassen. Fünf Jahre lang haben die Renovierungsarbeiten im Turm in den beiden Obergeschossen mit zwei Wohnungen von jeweils 80 Quadratmetern gedauert, so erfuhren es die Gäste. Dazu musste Manfred Fluck mit weiteren rund 150 000 Euro noch einmal tief in die Tasche greifen.

Zunächst geht es in

die Gefängniszellen

Gleich nach dem Aufstieg über die Steinstufen erreichten die Besucher den mit am beeindruckendsten Teil des Turmes, zwei von drei noch im Original erhaltene Gefängniszellen. In einer Zelle demonstrierte der Altlandrat an Beschädigungen einer Wand, wo Zelleninsassen wohl versucht hatten, durch Entfernen des Mauerwerkes in die Freiheit zu gelangen. Das konnte aber nicht gelingen, weil sich dahinter der unüberwindbare Treppenaufgang befand. Schließlich weisen die Mauerwände eine Dicke von einem bis zu 1,50 Meter auf.

In der zweiten Zelle konnten die Besucher auf der noch vorhandenen Pritsche Platz nehmen, wo, wie die auf der Pritsche zu entziffernden Zahlen und Namen verraten, hier in den Jahren 1864 und 1884 einmal ein Florian Rumpf und Adam Unkelbach als Häftlinge eingesessen haben. Die Gefangenen nächtigten auf Strohsäcken und waren mit Fußfesseln angekettet. In den Zellen befindet sich noch der Holzboden aus dieser Zeit, zu sehen sind Jahrhunderte alte Eichenbalken. In den Zellen gab es früher weder Licht noch Wasser, aber einen gusseisernen Kanonenofen, der auch noch erhalten ist. In der Zelle gegenüber hat der Altlandrat heute eine moderne Heizungsanlage installieren lassen.

Der weitere Treppenaufgang gestaltet sich dann etwas geräumiger und führt in zwei Stockwerke, die als Wohnung hergerichtet worden sind. Auch vor der Übernahme des Turmes durch Manfred Fluck waren diese Etagen bewohnt. Der damalige Hausherr, der Landkreis Limburg-Weilburg, hatte sie kostengünstig vermietet. Unter anderem wohnte dort einmal das Künstlerpaar Klaus Panzner, auch "Ojo" genannt, und Olvido Solar. Seit 2004 aber stand der Turm leer - und lockte deshalb das Interesse des früheren Landrates. Nach dem Kreis wurde durch eine Änderung des hessischen Straßengesetzes die Stadt Limburg Eigentümer des Turmes und übertrug im Jahr 2013 durch einstimmigen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung die Eigentumsrechte in Erbpacht gegenüber zwei Mitbewerben an Manfred Fluck.

In der unteren Wohnung staunen die Besucher über einen "Lothringer Schrank", einen antiquarischen Tisch mit sechs Stühlen und ein mehr als 200 Jahre alten Schreibtisch, der auf geschnitzten Bärentatzen fußt. Eine mannshohe Rittersrüstung ist nicht zu übersehen wie ein weiterer Antikschrank. Dieser musste von einem Schreiner im oberen Drittel mit der Säge gekürzt werden, damit er überhaupt in den Brückenturm transportiert werden konnte. Alles nur Leihgaben, sagte Fluck den Besuchern.

In der obersten Wohnetage befinden sich ebenfalls wie in der Wohnung darunter Wohn- und Esszimmer sowie Schlafräume, Küchen und Toiletten mit Duschen. Den Brückenturm nutzt "Turmherr" Fluck aber aktuell nicht als Dauerwohnung, denn diese befindet sich nach wie vor in Staffel. Doch hin und wieder zieht auch er mal über Nacht zum Wohnen ein und freut sich darüber, hoch über der Lahn weder von Straßenlärm oder irgendwelchen Abgasen und Gerüchen belästigt zu werden. Auch hinter den dicken Mauern herrscht stets eine Wohltemperatur. Nach einem erfrischenden Mineralwasser bedankten sich die Leserinnen und Leser bei Manfred Fluck.

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