Bernd Polomski, Ortsvorsteher von Dehrn, feiert in diesem Jahr auch wieder im Kreise der Familie.
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Bernd Polomski, Ortsvorsteher von Dehrn, feiert in diesem Jahr auch wieder im Kreise der Familie.

Was bei den Menschen im Kreis Limburg-Weilburg über die Festtage geplant ist

Wie feiern Sie dieses Jahr Weihnachten?

Corona verändert alles, die Planungen, das Beisammensein, die Feiertage

"Weihnachten ist in diesem Jahr anders, aber es bietet auch die Chance, sich auf das Wesentliche zu besinnen", sagt der Limburger Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) . "Ich werde die Feiertage mit meiner Frau und meinen Kindern verbringen und werde die persönlichen Kontakte so gering wie möglich halten. Eltern und Schwiegereltern ist freigestellt, ob sie zu Besuch kommen, in jedem Fall werden wir telefonieren. Auch die Christmette wird in diesem Jahr anders, aber nicht ausfallen. Ich werde sie im Live-Stream verfolgen. Wie jedes Jahr werde ich das Grab meines Vaters auf dem Friedhof besuchen."

"Das Weihnachtsfest verbringe ich auch in diesem Jahr im traditionellen kleinen Familienkreis", sagt die Hauptgeschäftsführerin der IHK Limburg, Monika Sommer . "Angesichts von Corona wird statt des Besuchs der Christmette ein Weihnachtsspaziergang unternommen, die Besuche im weiteren Familien- und Freundeskreis sind reduziert sowie der Situation verständnisvoll angepasst. Das Weihnachtsfrühstück im Freundeskreis und den Besuch des Doms hole ich im kommenden Jahr nach und freue mich auf die baldigen Begegnungen und Wiedersehen."

"In diesem Jahr wird das Weihnachtsfest bei uns anders als die Jahre zuvor", sagt die Ortsvorsteherin von Lindenholzhausen, Barbara Bäcker (CDU) . "Es wird in diesem Jahr etwas ruhiger, vielleicht besinnlicher, da wir uns schon daran halten werden, unsere Kontakte zu beschränken, auch am 1. und 2. Feiertag. Ich werde den Heiligen Abend mit meinen beiden Söhnen begehen. Mein ältester Sohn hat nun eine eigene Familie und erwartet in diesen Tagen mit seiner Frau das erste Kind. Daher werden sie im Saarland bleiben. Normalerweise sind wir um sechs Uhr in den evangelischen Gottesdienst in Lindenholzhausen gegangen. Das fällt in diesem Jahr leider aus. Stattdessen gibt es die Idee, nach hinten in unseren Garten zu gehen, ein Feuer im Feuerkorb zu machen, vielleicht einen Glühwein zu trinken. Einfach den Moment zu genießen, den Zauber der Weihnacht. Im Anschluss wird es traditionell glacierte Entenbrust vom Grill geben, dazu Rotkraut und Knödel. Natürlich gehört das Telefonat mit den Großeltern dazu, die leider nicht in der Nähe wohnen."

Der Dombacher Stephan Krause hat als Vorsitzender des Vereins Bad Camberger Festspiele ebenso wie die anderen Aktiven eine lange Zeit der Abstinenz hinter sich gebracht. Theaterproben und Auftritte wie in den vergangenen Jahren, das Weihnachtsmärchen in Oberselters, bei dem er auch immer mitgewirkt hat - unter den jetzigen Bedingungen nicht vorstellbar. Seine Bitte an alle: "Nicht die Grenzen des Erlaubten auszuloten und auszunutzen, sondern das Erlaubte mit dem nötigen Respekt den Schwächeren gegenüber zu erfüllen und situationsbedingt sogar zu verbessern." Doch er fragt sich: "Ist die Situation für uns tatsächlich so schlimm? Was ist mit Menschen in Alters- und Pflegeeinrichtungen, die ihre familiären Kontakte fürchterlich vermissen müssen? Ja, es ist stiller. Ja, es ist anders. Ja, es ist gut, dass es anders und stiller ist. Es ist gut, sich zu Gesichte zu führen, dass es uns gut geht."

Die Bad Cambergerin Rita Biel , Jugendpflegerin der Gemeinde Selters , hat eine große Familie, und alle haben sich Gedanken gemacht, wie es nun an Weihnachten wird. Die 53-Jährige erzählt: "Heiligabend sind wir mit den Kindern und der Oma zu Hause. Die Kinder haben sich wieder Raclette gewünscht, danach wird gesungen, gelesen und beschert. Am ersten Feiertag besuchen wir meine Eltern. Das kommt auch mit der erlaubten Personenanzahl hin. Wenn wir uns nicht sehen könnten, wäre das für alle sehr traurig. Auf Treffen mit Freunden wird verzichtet. Ich habe noch nie so viel Weihnachtspost geschrieben wie in diesem Jahr,"

Gisela und Bidhan Roy wären normalerweise dieses Jahr schon mehrmals in Indien gewesen, hätten die Einrichtung der Gandhi-Kinderhilfe Bad Camberg in seinem Heimatort Jemo in West-Bengalen besucht. Der direkte Kontakt mit den Waisenkindern fehlt beiden sehr. Jetzt wir viel telefoniert. Beide sind um die 80 Jahre alt, gehören zur Risikogruppe. "Eigentlich hatten wir geplant, nach Indien zu reisen, um das Fest mit unseren Patenkindern der Gandhi Kinderhilfe zu feiern", erzählt Gisela Roy. "Diesmal müssen wir uns mit Videocalls zufrieden geben. Unsere Kinder werden uns ein Weihnachtsständchen bringen. An meinem Geburtstag, dem 25. Dezember, ein Geburtstagsständchen. Oft hatten wir auch den ersten Feiertag mit Freunden bei einem gemütlichen Essen im Restaurant verbracht. Dieses Jahr verbringe ich mit meinem Mann in aller Ruhe daheim. Aus der ganzen Situation kann man nur eines mitnehmen: dass uns klar wird, alles, was so selbstverständlich war, ist es plötzlich nicht mehr."

"Ja, sicherlich wird Weihnachten in diesem Jahr ganz anders verlaufen als sonst", sagt auch der Elzer Bürgermeister Horst Kaiser (CDU) . Zwar gebe auch in diesem Jahr "einige feste Bestandteile gibt wie beispielsweise der Besuch der Christmette am Heiligen Abend". Doch anders als in der Vergangenheit wird der Gottesdienstbesuch dennoch sein. Schließlich wurden wegen der stark eingeschränkten Besucherzahl mehrere Termine angeboten. "Wir haben uns bereits angemeldet. Der Familiengottesdienst am 2. Weihnachtsfeiertag, den wir ansonsten immer aktiv musikalisch mitgestaltet haben, kann in diesem Jahr so leider nicht stattfinden."

Es wird ruhig sein, meint Kaiser. "Wir werden den Heiligen Abend allein verbringen. Wir sind in einem Alter, wo die Eltern nicht mehr alle leben und zum Teil auch nicht mehr mobil sind, so dass hier erst recht unter den gegebenen Bedingungen Einschränkungen da sind." Familienbesuche werde er weitestgehend vermeiden "und vieles diesmal telefonisch machen". Vorsicht sei das Gebot der Stunde, weshalb er in diesem Jahr auf Kontakt zu vielen Personen aus anderen Haushalten verzichte.

"Ich glaube ganz fest daran, dass man erst erkennt, welch wertvolle Bedeutung bestimmte Dinge für das eigene Leben haben, wenn man nicht mehr frei über sie verfügen kann", sagt Sängerin Julia Kleiter , die mit ihrer Familie in Hadamar lebt. "Natürlich ist meine Berufsbranche durch die Corona-Pandemie gebeutelt, und es ist seltsam, seinen Beruf nicht ausüben zu können, aber als ich zum ersten Mal vor ein paar Monaten im Gottesdienst nicht mit der Gemeinde singen durfte, wurde mir erst klar, dass Singen für mich eine Selbstverständlichkeit geworden war." Dennoch bleibt sie zuversichtlich. "Ich freue mich jetzt mit ganzem Herzen darauf, irgendwann wieder auftreten zu dürfen, aber ich wünsche mir noch mehr, dass wir alle es nie mehr als selbstverständlich ansehen werden, einander frei und ohne Vorsicht zu begegnen und dass diese Krise vielleicht eine Chance ist, einander neu wertschätzen zu lernen."

Der evangelische Pfarrer Carsten Adams aus Runkel: "Mein 32. Weihnachtsfest im Gemeindedienst wird anders sein. Sonst ist es eine Zeit von emsiger Betrieblichkeit, in der die letzten Vorbereitungen für die Weihnachtsgottesdienste zu erledigen sind oder Krisenmangement gefragt ist. Dieses Jahr wird es ruhig und leise, die Gottesdienste sind abgesagt, die Gemeindeglieder bleiben zu Hause, Ich bin gespannt, wie es sich für mich anfühlen wird, wenn Weihnachten mal so verläuft wie dieses Jahr. Es gibt einen Online-Gottesdienst, fast keine Kontakte zu anderen Menschen und der Familie. Ich möchte mich in dieser Zeit von der Botschaft des Engels von Bethlehem trösten und ermutigen lassen: Fürchtet Euch nicht! Gott bei euch!"

Bernd Polomski , Ortsvorsteher von Dehrn : Weihnachten feierten wir bisher im Kreise der Familie, das heißt. unsere beiden Kinder, mit Partner und unsere vier Enkel. Dieses Jahr feiern wir beide Senioren, Tochter, Schwiegersohn und zwei Enkel im Alter von zwölf und neun Jahren gemeinsam Weihnachten. Unser Sohn lebt in der Schweiz und wird dort ebenfalls im kleinen Kreis, mit Partnerin und Kinder, Weihnachten feiern. Wegen Corona wird er uns nicht besuchen. Geplant war, das wir Weihnachten und den Jahreswechsel auf den Philippinen, der Heimat meiner Frau, feiern. Da sie lange als Stationsleitung im Krankenhaus arbeitete, Tochter und Schwiegersohn als Fachkräfte in der Intensivmedizin tätig sind, waren sie überzeugt, dass sich das Virus rasant weltweit ausbreitet. Leider scheint vielen nicht bewusst zu sein, wie gefährlich das Virus ist"

Angelika Guidry , Vorsitzende des Helferkreises Villmar : Zum Weihnachtsfest wird es in diesem Jahr sehr viel ruhiger und entspannter sein. Gezwungenermaßen, aber eben nicht zu ändern. Wir werden vermissen, nicht mit der ganzen Familie zu feiern und Freunde zu besuchen, das Fest aber trotzdem genießen. Am heiligen Abend kommt mein Sohn aus Limburg zu einem gemütlichen Essen, am 1. Weihnachtstag kommt abends mein Bruder aus Darmstadt, er ist Single. Wir werden bei einen Spieleabend Spaß haben, und am 2. Weihnachtstag gibt es dann unser eigentliches Weihnachtsessen. Meine Tochter, ihr Mann und mein sechs Monate altes Enkelkind kommen leider nicht, sie bleiben wegen Corona im Schwabenländle. Schade, aber im nächsten Jahr werden wir das nachholen. dick/pp/abv/goe

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