Gottesdienst in der Kirche
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Eine Predigt im Gotteshaus (Symbolbild).

Limburg

Wie Kirche Lichtblick und Leuchtturm für die Zeit sein kann

  • Joachim Heidersdorf
    vonJoachim Heidersdorf
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Christoph May macht seine Haltung zur Segnung von gleichgeschlechtlichen und wiederverheirateten Paaren sowie zu Homosexuellen und Frauen im Weiheamt an konkreten Fällen und theologischen Argumenten fest. Wir zitieren aus seiner Predigt einige Kernaussagen.

Limburg – Da ist das geschiedene, wiederverheiratete Paar, das zu mir kommt und um Segen bittet. Der eine war vor vielen Jahren verheiratet. Die beiden wollen nicht noch einmal heiraten. Sie wollen einen Segen. Und ich darf ihn ihnen nicht geben. Ich darf nicht sagen: So, wie jetzt die Gemeinschaft ist, ist es gut. Wenn einer der Partner in den Beichtstuhl käme, dürfte ich ihn nicht lossprechen. Es besteht noch das erste Eheband, das doch schon lange zerrissen ist. Ich dürfte ihn nicht zur Eucharistie zulassen, aber Mitglied der Kirche darf er bleiben.

Da ist das gleichgeschlechtliche Paar, zwei Professoren. Sie machen in der Kirche unheimlich viel ehrenamtlich, unter anderem als Organist. Wie sehr haben sie die Menschen erfreut. Segnen darf ich sie nicht. Stattdessen werden solche Menschen verbal verprügelt und weggeschickt.

Sollte ich nicht froh sein, dass überhaupt noch jemand zu uns kommt und um Segen bittet? Auch Homosexuelle und wiederverheiratete Paare. Warum lassen wir Brüche im Leben nicht zu? Soll ich den Leuten weiter sagen, Ihr bekommt keine Lossprechung, Ihr dürft nicht zur Eucharistie? Ihr passt nicht in die Grundordnung der Kirche, Ihr seid bestenfalls geduldet.?

Frauen, die zu Recht an der Macht in der Kirche teilhaben wollen, werden beäugt, ausgeschlossen. Aber wer sind denn die Personen, welche die Atmosphäre in der Kirche warm halten und in den Gremien aktiv sind? Das Weiheamt war für mich immer an Männer gebunden. Wenn Jesus gewollt hätte, hätte er Frauen als Apostel berufen. Dieses Argument habe ich mir seit Studienzeiten sehr zu eigen gemacht. Aber ich habe gemerkt, es stimmt für mich nicht mehr. Er hat viele Muster gebrochen. Aber ganz Gott und ganz Mensch, war er auch Kind seiner Zeit, als die Rollenfrage der Frau noch ganz anders geklärt werden musste. Maria hat den Gottessohn in die Welt gebracht, die ersten Zeuginnen am Grab waren Frauen. Sie tun bis heute so viel Gutes für die Kirche. Und wir machen zu und lassen die Frauen nicht ins Weiheamt. Wenn uns die Argumente ausgehen, verweisen wir auf die Weltkirche. Andere sind noch nicht so weit, heißt es. Doch dann dürften wir auch keine Bundeskanzlerin haben. Wenn Kirche Leuchtturm und Lichtblick für die Zeit sein soll, dann müssen wir manchmal Punkte setzen, die in anderen Ländern noch irritierend sind.

Und zur Weihe von Homosexuellen: Nennt mir ein Argument, warum Menschen aufgrund ihrer Veranlagung vom Weiheamt abgelehnt werden, obwohl sie doch redlich versuchen, den Zölibat zu leben und für das Reich Gottes einzutreten.

Die Argumente, die ich in der Vergangenheit gehört habe, sind festgemeißelt; auf Dogma, das Kirchenrecht oder eine neue Instruktion. Aber heißt es nicht irgendwo, dass das Gesetz für die Menschen da ist? Der Buchstabe tötet. Der Geist ist es, der lebendig macht. hei

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