Sie wissen, wie wichtig lebenslanges Lernen ist: Sabine Tomasko und Christopher Campbell leiten die Katholische Erwachsenenbildung im Bistum Limburg.
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Sie wissen, wie wichtig lebenslanges Lernen ist: Sabine Tomasko und Christopher Campbell leiten die Katholische Erwachsenenbildung im Bistum Limburg.

Bedürfnisse von Senioren

Wie sich Erwachsenenbildung verändert

  • Sabine Rauch
    VonSabine Rauch
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Die Bedeutung des lebenslangen Lernens wächst, wie die Katholische Erwachsenenbildung im Bistum Limburg feststellt.

Limburg -Letztlich gehe es um Teilhabe, sagt Sabine Tomasko. Darum, dass alle Menschen ihr Leben selbstbestimmt gestalten können - auch in den Zeiten der Digitalisierung. Das gelte auch, wenn die Menschen in einer Zeit geboren wurden, in der Telefone noch Wählscheiben hatten und aus Apparat und Hörer bestanden und Computer noch riesige Hallen füllten. Diese müssten nun überlegen müssen, wie sie ihre Bankgeschäfte erledigen, einen Arzttermin vereinbaren, in der Online-Apotheke bestellen oder mal Bilder von ihren Kindern und Enkeln bekommen können. "Wir wollen dem ,Digital Divide' entgegenwirken", sagt Sabine Tomasko. Und deshalb sind sie und ihre Kollegen von der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) im Bistum Limburg auch auf der Suche nach Ideen, wie sie Senioren an den Rechner oder zumindest ans Smartphone bekommen.

Vor fast einem Jahr haben Sabine Tomasko und Christopher Campbell die Leitung der KEB Limburg übernommen. "Und dann mussten wir ganz schnell Online-Angebote entwickeln." Einiges ging nicht digital, der "spirituelle Waldtag" zum Beispiel. Anderes schon: Der Kursus "Beenden und neu beginnen zum Übergang vom Beruf in den Ruhestand" hat auch per Video-Konferenz funktioniert.

Ohne Digitalisierung

geht es nicht mehr

"Die digitale Welt hat durch die Pandemie einen starken ,Push' bekommen", sagt Sabine Tomasko. Auch in der Erwachsenenbildung. Wer nicht ganz auf Bildungsangebote in der Gruppe verzichten wollte, war gezwungen, auf Videokonferenzen umzusteigen - oder sie zumindest einmal auszuprobieren. Einige der Kursteilnehmer waren vorher schon fit, andere mussten die digitale Welt ganz schnell kennenlernen.

"Wir waren erstaunt, wie gut die Online-Angebote angenommen wurden", sagt Sabine Tomasko. Aber sie weiß auch, dass nicht alle, die gerne teilnehmen möchten, auch teilnehmen können. Manchmal fehlt es am Gerät, meistens an Mut.

Dabei gehe es heute eigentlich gar nicht mehr ohne, sagt Sabine Tomasko. Nicht nur in der Erwachsenenbildung. Und das werde auch so bleiben. "Wichtig ist eine kluge Verzahnung zwischen live und digital." Selbst wenn Kurse in der analogen Welt stattfinden können, könne die digitale Welt sehr hilfreich sein. Und Podcasts oder Videos seien eigentlich immer eine gute Ergänzung.

Man muss sie nur zu nutzen wissen. Und gerade da hätten viele Senioren noch Nachholbedarf. Doch das soll sich ändern: Die KEB arbeitet gerade am Projekt Online-Lotsen. Die sollen nicht nur Senioren im Umgang mit den neuen Medien fit machen, sondern auch selbst nicht mehr ganz jung sein.

Lernen auf Augenhöhe. Die Idee ist, irgendwann in den Gemeindezentren nicht mehr nur Kaffee und Kuchen für Senioren anzubieten, sondern auch Digital-Cafés. Ein paar bringen ihre Smartphones oder Tablets mit, ein paar Teilnehmer schalten sich digital dazu. Den mobilen Router stellt die KEB. Und so können die Teilnehmer in der Gruppe und voneinander lernen, wie das mit der Online-Apotheke oder der Video-Telefonie mit den Enkeln funktioniert.

"Es geht um lebensnahe Themen", sagt Sabine Tomasko. Wenn alles klappt, soll es bald losgehen, es fehlen nur noch Senioren, die gerne Online-Lotsen werden wollen. Aber da habe sie keine Sorge. Es gebe ja jede Menge hochqualifizierte Menschen, die auch im Alter noch eine Aufgabe suchen. Und es gibt jede Menge Menschen, die ihr Leben lang lernen wollen - auch dann noch, wenn sie nicht mehr so mobil sind. Und deshalb werde das Online-Angebot auch in Zukunft zum KEB-Angebot gehören.

Gutes Mittel gegen

Vereinsamung

Nicht nur in Zeiten des Lockdown oder im tiefsten Winter? "Was spricht dagegen, an einem Literaturkursus in Bad Camberg teilzunehmen, wenn ich dort nicht hinfahren muss?", fragt Sabine Tomasko. Die Digitalisierung erweitere die Möglichkeiten, so müsse man das sehen. Und sie sei ein gutes Mittel, um der Vereinsamung vorzubeugen. Und das lebenslange Lernen zu unterstützen - und das für jede Generation.

"Die Gruppen definieren sich nicht über das Alter, sondern über gemeinsame Interessen und Bedürfnisse", sagt Sabine Tomasko. Und deshalb heißt eine Rubrik des KEB-Programms auch "Männer - Frauen - Senioren".

Nur ein Angebot ist tatsächlich speziell für Senioren: Der Kursus für alle, die sich gut auf den neuen Lebensabschnitt vorbereiten wollen. Denn der Weg in den sogenannten Ruhestand will gut vorbereitet sein. Es geht nicht nur um das Schreibtisch Räumen, sondern auch um Gefühle. Auch um Angst, Wut und Trauer und vielleicht auch Freude - all das, was in Menschen vorgeht, die ein neues Leben beginnen. "Es geht um die Achtsamkeit mit sich selbst", sagt Sabine Tomasko.

"Themen sind die Chancen und Risiken dieser Lebensphase, die notwendigen Abschiede und die möglichen Gestaltungsräume", berichtet die KEB-Leiterin. Und weil das alles nicht so einfach ist, setzt Kursleiter Hans Prömper immer fünf Kursnachmittage an. Schließlich haben die Senioren viele Ziele: ein langes Leben, Gesundheit und soziale Netze. Und den Traum von einer autonomen Lebensführung.

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