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An der Schiede-Kreuzung sind die Stickstoffdioxid-Werte besonders hoch. Zu hoch. Deshalb droht ein Fahrverbot.

Dieselfahrzeuge

So will die Stadt Fahrverbote vermeiden

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Die Stadt Limburg hofft, ein drohendes Fahrverbot für Dieselfahrzeuge durch ein Bündel von Maßnahmen verhindern zu können, für die rund 2,5 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Denn Mitte kommenden Jahres wird ein Urteil des Verwaltungsgerichts Wiesbaden erwartet.

Die Stadt Limburg setzt auf ein Bündel von Maßnahmen, um Dieselfahrverbote in der Innenstadt zu vermeiden. Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) kündigte in seiner Haushaltsrede am Montagabend Investitionen in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro an, mit finanzieller Unterstützung des Bundes.

Die Deutsche Umwelthilfe klagt derzeit vor dem Verwaltungsgericht Wiesbaden gegen den vom Land Hessen für die Stadt Limburg aufgestellten Luftreinhalteplan; der Bürgermeister rechnet mit einem Urteil Mitte nächsten Jahres. Aus Sicht des Vereins reicht der Luftreinhalteplan nicht aus, die Luftqualität in der Limburger Innenstadt deutlich zu verbessern. Die von der EU festgelegten Grenzwerte für das Atemgift Stickstoffdioxid (entsteht durch Dieselabgase) müssen seit 2010 eingehalten werden, werden aber in Limburg noch immer deutlich überschritten.

Digitales Mobilitätsportal

Die Stadt habe in der Vergangenheit eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, „um Fahrverbote zu vermeiden“, sagte Hahn. Trotzdem ist klar, dass es weitere Verbesserungen geben muss. Und die will die Stadt unter anderem so erreichen:

  Im nächsten Jahr soll ein digitales Mobilitätsportal eingerichtet werden, das nach Hahns Angaben wichtige Verkehrsinformationen ermitteln und frühzeitig Staus in der Innenstadt vermeiden helfen soll. Über eine Mobilitäts-App werde dann der schnellste Weg in die Innenstadt angezeigt, ob mit Auto, Rad oder Bus. Die Kosten dafür belaufen sich auf 665 000 Euro.

  Der bestehende Verkehrsleitrechner soll „zu einem Verkehrsleitsystem mit Push-Benachrichtigungen auf Smartphones und großen Anzeigetafeln“ ausgebaut werden, „um den Verkehr rechtzeitig von den Hotspots der Stickstoffdioxidbelastung umzuleiten, um damit die Grenzwerte einhalten zu können“, sagte Hahn. Die Kosten dafür betragen rund 685 000 Euro.

  An allen wichtigen Bushaltstellen in der Limburger Innenstadt sollen Hinweistafeln angebracht werden, bei denen in Echtzeit die erwartete Ankunft des nächsten Busses angezeigt wird. Kosten: 700 000 Euro.

Daneben setzt Hahn auch auf den „Masterplan Mobilität“. „Wir hoffen, im Sommer 2019 den Masterplan Mobilität abschließen und als strategischen Plan für die zukünftige Verkehrsentwicklung in Limburg beschließen zu können“, sagte dieser am Montagabend in seiner Haushaltsrede im Rathaus.

Anfang kommenden Jahres werde die Stadt die verschiedenen Maßnahmen des Masterplans Mobilität diskutieren „und diese auf die von uns gesetzten Zielsetzungen bewerten“. An der Erstellung des Plans waren bislang verschiedene Akteure beteiligt, wie die Industrie- und Handelskammer, der Einzelhandelsverband City Ring, der Allgemeine Deutsche Fahrradclub, die Agenda-Gruppe „Mobilität“ sowie die Limburger Nachbargemeinden. In zwei Bürgerforen habe die Stadt die Zwischenergebnisse öffentlich diskutiert und sei damit Vorbild für einen „Sustainable Urban Mobility Plan“ des Landes Hessen geworden. Das Land wirbt laut Hahn „mit dem beispielhaften Vorgehen der Stadt Limburg“.

Er forderte den Landkreis und das Land zu „mehr Aktivitäten“ auf. Die Maßnahmen der Stadt reichten nicht, um die Gesundheit der Bürger zu schützen. „Es müssen jetzt Nachrüstungen an den Motoren durch die Autoindustrie folgen, denn sonst werden insbesondere die Diesel fahrenden Bürger in ihrer Mobilität stark eingeschränkt. Die Verantwortlichen in der Autoindustrie und in der Bundesregierung haben hierfür zu spät und nur halbherzig gehandelt.“

Von Gipfel enttäuscht

Der Bürgermeister zeigte sich enttäuscht von den Ergebnissen des Diesel-Gipfels. „Hier wurde ein Scheck auf Kosten Dritter ausgestellt, und es bleibt weiter unklar, ob die Autoindustrie bereit ist, diesen Scheck einzulösen. Ein solches Verhalten konterkariert die Anstrengung, die gerade die Stadt Limburg unternimmt, um allen Bürgern mit allen Fahrzeugen einen Zugang in die Innenstadt zu gewährleisten“, sagte Hahn.

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