Auch die Feuerwehrleute aus dem Westerwaldkreis halfen den Flutopfern, wie hier im Ahrtal in der Gemeinde Dernau zwischen Altenahr und Bad Neuenahr-Ahrweiler.
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Auch die Feuerwehrleute aus dem Westerwaldkreis halfen den Flutopfern, wie hier im Ahrtal in der Gemeinde Dernau zwischen Altenahr und Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Feuerwehrleute berichten

Limburger Einsatzkräfte bei der Hochwasserkatastrophe: „Gegen die Wassermassen keine Chance“

  • Stefan Dickmann
    VonStefan Dickmann
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Einsatzkräfte aus dem Kreis Limburg-Weilburg und dem Westerwaldkreis haben im Katastrophengebiet geholfen.

Limburg-Weilburg ‒ Weggespülte Häuser und aufeinandergestapelte Autos, vollgelaufene Keller mit Wasser, Schlamm und Heizöl und offene Gasleitungen: Es waren 18 intensive Einsatzstunden, die der stellvertretende Kreisbrandinspektor des Landkreises Limburg-Weilburg, Thomas Schmidt, in einer kleineren Stadt in Nordrhein-Westfalen in der Nähe von Aachen mit dem 30 Mann starken Löschzug Limburg-Weilburg in einem von der Flutkatastrophe betroffenen Gebiet erlebte. „Wir waren in Zweifall im Einsatz, einem Stadtteil von Stolberg“, sagt der 55-jährige Feuerwehrmann aus Merenberg. In einem Tal, in dem fast 2000 Menschen leben. Zwei Bäche fließen durch den Ort, normalerweise friedlich, doch als der Regen kamen, der immer mächtiger wurde und nicht mehr aufhörte, wurden sie zu reißenden Strömen.

Als der Löschzug aus dem heimischen Landkreis in der Ortsmitte eintraf, um die örtliche Feuerwehr, die im Dauereinsatz war, abzulösen, hatte sich das Wasser zwar wieder in die jeweiligen Bachläufe zurückgezogen, aber die Schäden waren enorm. Weggespülte Autos und Gastanks lagen auf einem großen Haufen. „Ich habe die Elbeflut im Jahr 2002 in Dresden als Feuerwehrmann mit erlebt“, erzählt Schmidt, „aber dort gab es ein anderes Schadensbild, weil das Wasser langsam und stetig gestiegen war. Die Flut in Zweifall hatte viel mehr Gewalt und eine große Kraft, weil das Wasser in sehr kurzer Zeit gestiegen war.“

Hochwasser in NRW und Rheinland-Pfalz: Fassungslose Menschen, große Hilfsbereitschaft

Um ein Einsatzfahrzeug nicht auf der Straße abzustellen und den Fahrweg zu blockieren, fragte Schmidt eine Anwohnerin, ob es auf einem Parkplatz vor ihrem Haus stehen dürfe. „Sie sagte ja, mein Auto ist eh weggespült worden.“ Auf der einen Seite traf er auf fassungslose Menschen, die erschüttert waren von der Flutkatastrophe, auf der anderen Seite erlebte er eine „große Hilfsbereitschaft“. Ein Malermeister aus dem Ort habe seinen Grill aufgebaut und Anwohner und Hilfskräfte versorgt.

In den 18 Stunden habe es insgesamt 49 Einsätze gegeben. Vollgelaufene Keller auspumpen und Bauschäden begutachten gehörten ebenso zu den Aufgaben wie die Suche nach Leichen, von denen zum Glück keine gefunden wurden, und das Aufbrechen von Wohnungen, um zu schauen, ob dort Menschen Hilfe brauchen. „Wir waren in der Ortsmitte der Ansprechpartner für die Bürger, weil das Telefonnetz zusammengebrochen war“, sagt er. Ein älteres Ehepaar habe um Hilfe gebeten, es brauchte Benzin für einen Generator, mit dem ein Beatmungsgerät betrieben wird, solange es kein Strom gab, und bekam zwei Kanister.

Insgesamt dauerte der Einsatz mit An- und Abfahrt für den heimischen Löschzug vier Tage - von Donnerstag bis Sonntag (15. bis 18. Juli). Auch der Wasserrettungszug der Limburger Feuerwehr mit Unterstützung der DLRG half Flutopfern und rettete auf einer Bundesstraße in Erftstadt drei Lkw-Fahrer, deren Fahrzeuge von Wasser umgeben waren, berichtet der Limburger Stadtbrandinspektor René Jung. Mittlerweile sind die Kräfte alle zurück, wie auch die Kollegen aus dem Westerwaldkreis.

Einsatzkräfte aus Limburg und dem Westerwald: „Bilder und Szenen, die heute noch surreal sind“

Deren gesamtes Kontingent war im Krisengebiet im Landkreis Ahrweiler im Einsatz, wie die Kreisverwaltung in Montabaur mitteilt. „Auf dem Marsch nach Ahrweiler konnten wir uns noch nicht vorstellen, was uns dann kurz später erwartet“, sagt der stellvertretende Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Westerwaldkreises, Tobias Haubrich. Er und seine Kollegen erhielten den Auftrag, nach Dernau zu einer Gebäudeexplosion mit vermissten Personen zu fahren. Doch die Anfahrt war schwierig, da die Zufahrtsstraßen nicht mehr passierbar waren. Über die Weinberge wurde eine Zufahrt nach Dernau erkundet.

Dort angekommen, stieg das Wasser so rasant an, dass die Feuerwehrleute ihre Fahrzeuge wieder in sichere Bereiche zurückverlegen mussten. „Wir hatten gegen die Wassermassen keine Chance“, sagt der stellvertretende Wehrleiter der Verbandsgemeinde Wirges, Matthias Stein. „Wir mussten Bilder und Szenen miterleben, die noch heute so surreal sind. Menschen saßen mit Taschenlampen auf Dächern und kämpften ums Überleben.“

Quasi mit Sonnenaufgang konnten die Westerwälder mit Booten und einem wattfähigen Teleskoplader in den Ort vordringen. „Eine ausgehangene Haustür und eine angeschwemmte Gartenbank wurden auf der Gabel des Laders fixiert und als Rettungsgerät genutzt. So konnten wir viele Menschen retten und in Sicherheit bringen“, sagt Stein. Gemeinsam mit einem Team des Bundeswehrzentralkrankenhauses wurden die Personen betreut und später zu einer Betroffenensammelstelle oder ins Krankenhaus gefahren. Leider kam aber auch für einige Menschen jede Hilfe zu spät. Auch die Aufgabe der Bergung einer größeren Anzahl an Verstorbenen gehörte zur Aufgabe der Feuerwehrleute. (Stefan Dickmann)

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