Bettina Philippi weiß, was in den Schränken im Foyer des Limburger Rathauses ist: Kleinere Fundstücke aller Arten - von der Uhr bis zum Beil. Derzeit werden besonders häufig Hörgeräte abgegeben - die fallen anscheinend häufig herunter, wenn die Träger ihre Maske abziehen.
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Bettina Philippi weiß, was in den Schränken im Foyer des Limburger Rathauses ist: Kleinere Fundstücke aller Arten - von der Uhr bis zum Beil. Derzeit werden besonders häufig Hörgeräte abgegeben - die fallen anscheinend häufig herunter, wenn die Träger ihre Maske abziehen.

Kleiner Held mit zwei 50-Cent-Stücken

Wo ehrliche Finder und Verlierer in Limburg zusammenkommen

  • Sabine Rauch
    VonSabine Rauch
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Ob bei der nächsten Polizeidienststelle oder im Fundbüro: Ehrliche Finder sind willkommen. Egal, ob sie Geldmünzen, Kuscheltiere oder gut gefüllte Portemonnaies abgeben.

Limburg -Wenn er das Geld im Fundbüro abgegeben hätte, wäre es in der Fundkasse gelandet. Weil sich der Verwaltungsaufwand nicht gelohnt hätte, den Fund genau zu deklarieren und vermutlich sowieso niemand nach zwei 50-Cent-Münzen fragen würde, die er auf einem Supermarkt-Parkplatz verloren hat; vielleicht hat der Verlierer ja nicht einmal bemerkt, dass die beiden Münzen fehlen. Aber der 13-Jährige hat die beiden Münzen, die er Anfang April auf dem Kaufland-Parkplatz fand, bei der Polizei abgegeben. Und ist damit jetzt zu einem Helden geworden - zumindest auf der Facebook-Seite der Polizei Westhessen.

"Es hat sich richtig angefühlt, das Geld abzugeben", sagte der Jugendliche dem Beamten, als er die Fundanzeige ausfüllte. Und die Polizei ist sich sicher, dass nicht viele Menschen so fühlen - jedenfalls nicht bei einem Euro. Aber es ginge ja um die Sache, um die Ehrlichkeit, nicht um zwei 50-Cent-Münzen, und deshalb hat der 13-Jährige auch einen Finderlohn bekommen, einen Turnbeutel, der mit einer Frisbeescheibe, einem Schlüsselanhänger, einem Trinkbecher und einer Powerbank gefüllt war.

Wenn er seinen Fund im Limburger Rathaus abgegeben hätte, würden ihm drei Prozent des Wertes zustehen. So regelt es das Gesetz. Aber um den Finderlohn gehe es den wenigsten, die bei ihr etwas abgeben, sagt Bettina Philippi. Sie kennt sich aus, denn bei ihr landen die meisten ehrlichen Finder und auch die Verlierer, seit das Fundbüro zum Info-Point im Limburger Rathaus gehört und nicht mehr zum Ordnungsamt.

42 der 70 Fundstücke

warten noch

Allein in diesem Jahr sind bislang rund 70 Fundstücke bei ihr abgegeben worden - vom Beutel mit Butterbrot bis zur Drohne. 42 davon warten noch darauf, abgeholt zu werden. Das Butterbrot allerdings nicht. Das hat Bettina Philippi entsorgt. Überhaupt sei es nicht immer schön, die Fundstücke in Augenschein zu nehmen und genau zu erfassen. "Gummihandschuhe gehören zur Ausrüstung." Und im Fundschrank steht ein Dufterfrischer.

Fahrräder, Kinderwagen oder Mofas werden im Keller gelagert, Uhren, Schlüssel, Handys, Portemonnaies und Brillen im Schrank. Außerdem warten dort im Moment ein Beil, ein Hockeyschläger, Inline-Skates und ein Rucksack auf ihre Besitzer.

Auch in den Zeiten von Corona verlieren die Menschen alles Mögliche. Und auch in den Zeiten von Corona gibt es Menschen, die Fundstücke abgeben. Im Limburger Fundbüro oder bei der Polizei. Doch auch alles, was ehrliche Finder bei der Polizei abgeben, landet irgendwann im Fundbüro. Dort kommt es in ein Tütchen und bekommt einen Fundanhänger mit allen wichtigen Informationen. Die PC-Klaus-Fundbüro-Software hilft Bettina Philippi bei der Arbeit. Früher mussten Excel-Tabellen geführt werden, jetzt fragt schon der Rechner, ob es sich bei dem Fundstück um ein Accessoire, Handy, Kleinfahrzeug, Elektrogerät, Bargeld, eine Tasche oder Dokumente und Karten handelt. Oder vielleicht um ein medizinisches Hilfsmittel.

Hörgeräte sind gerade der Renner im Fundbüro. Weil die kleinen Teile sich offenbar oft im Masken-Gummi verheddern und dann beim Ausziehen runterfallen. Und weil sie so teuer sind: Auch wenn die Hörgeräte nicht bei ihr abgegeben wurden, kann Bettina Philippi den Besitzern helfen. Denn sie ist es, die ihnen eine Verlustanzeige schreibt. Und ohne diese Anzeige zahlen Versicherungen und Krankenkassen keinen Ersatz.

Eigentümer haben

ein halbes Jahr Zeit

Überhaupt lohne es sich, beim Fundbüro nachzufragen, wenn man etwas vermisst, sagt Bettina Philippi. Denn es wird eine ganze Menge abgegeben. Auch mal ein Kuscheltier, Gummistiefel oder Modeschmuck. Und jede Menge Portemonnaies - wenn auch meist ohne Bargeld. Trotzdem sind die Besitzer froh, wenn sie Nachricht von Bettina Philippi bekommen: "Personalausweis, Führerschein und EC-Karte sind wichtiger als Bargeld." Und die Wiederbeschaffung kostet nicht nur Zeit und Nerven, sondern auch Geld - weitaus mehr als die sieben Euro Verwaltungsgebühr, die Bettina Philippi vom Besitzer verlangt.

Trotzdem wird längst nicht alles abgeholt. Ein halbes Jahr haben die Eigentümer Zeit. Aber was nicht innerhalb von 14 Tagen abgeholt wurde, wird meist gar nicht mehr abgeholt. Und nach einem halben Jahr ist es dann auch zu spät: Manche Stücke landen einfach im Mülleimer. Schlüssel werden von einem Fachmann abgeholt, eingeschmolzen und zu neuen Schlüsseln verarbeitet, Scheckkarten werden geschreddert, Handys, Notebooks und Laptops vernichtet ("aus Datenschutzgründen") Spielzeug und Kleidung werden, wenn gut erhalten, an Bedürftige gespendet. Alles andere von Wert wird irgendwann versteigert, vor allem Fahrräder sind dann billig zu haben, aber auch Kinderwagen oder Schmuck.

Aber nicht jedes Stück wird irgendwann entsorgt oder versteigert. Manchmal geben die ehrlichen Finder schon beim Abgeben der Tasche oder des Schmucks an, dass sie das Fundgut gerne hätten, wenn sich der Besitzer nicht meldet. Nach einem halben Jahr haben sie Anspruch darauf.

Aber Bettina Phillipi hofft vor allem, dass sie die Verlierer glücklich machen kann: Wie vor kurzem den Mann, der seinen Schließfachschlüssel zurückbekam oder die Frau, deren Smartphone noch so viel Akku hatte, dass es im Fundschrank zu klingeln anfing. "Da war es dann leicht, den Besitzer ausfindig zu machen." Dieser Service gehört für Bettina Philippi auch dazu. Denn: "Irgendwo gibt es jemanden, dem der Verlust weh tut."

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