War für die drei gerissenen Kälber an Pfingsten doch ein Fuchs verantwortlich? Zumindest wurden nur von ihm DNA-Spuren gefunden. Dass er die Tiere auch gerissen hat, beweist das aber nicht.
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War für die drei gerissenen Kälber an Pfingsten doch ein Fuchs verantwortlich? Zumindest wurden nur von ihm DNA-Spuren gefunden. Dass er die Tiere auch gerissen hat, beweist das aber nicht.

Viehhalter bleiben skeptisch

Wohl kein Wolf im Kreis Limburg-Weilburg: Nur Spuren eines Fuchses gefunden

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Drei neugeborene Kälber in Würges und Villmar wurden gerissen. Jetzt liegt das Ergebnis der DNA-Untersuchung vor: Nachweisen lassen sich nur Bissspuren vom Fuchs, nicht aber vom Wolf

Villmar/Würges -Für Viehhalter Franz Theo Löw aus Bad Camberg-Würges ist das Ergebnis des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) unerklärlich. "Es wurde nur Fuchs als Verursacher an den Fraßstellen nachgewiesen", heißt es in deren Mitteilung. Franz Theo Löw kann das nicht glauben. Zwei Kälber wurden am Pfingstwochenende auf seiner Weide fast vollständig aufgefressen. Löw ging von einem Wolfsriss aus, zumal die Untersuchung durch den HLNUG-Sachverständigen damals ergeben habe, dass zwischen 15 und 17 Kilo Fleisch vertilgt wurden.

"Den Fuchs möchte ich sehen, der diese Menge frisst", sagt Löw. Er geht nach wie vor davon aus, dass ein Wolf seinen Hunger auf der Wiese gestillt hat. Schließlich sei die Ansiedlung von Wölfen hierzulande wieder gewollt. Nur, sagt Löw, "wenn wir hier wieder Wölfe haben wollen, dann müssen die auch ins Jagdrecht aufgenommen werden". Dann müsse deren Population kontrolliert und gegebenenfalls reguliert werden, fordert er. Immerhin bestehe eine "Gefahr für Mensch und Tier". Das Risiko, dass im Freiland stehende Tiere von Wölfen gerissen werden, bleibt aus seiner Sicht jedenfalls bestehen. Er könne keinem Viehhalter mehr empfehlen, trächtige Kühe oder kleinere Tiere wie Schafe und Ziegen nachts draußen zu lassen, sagt Löw.

"Naturviehhaltung und die Ansiedelung des Wolfs funktionieren nicht zusammen", sagt auch Jürgen Reichwein vom Traisfurther Hof in Villmar. Auch er musste am Pfingstwochenende den Verlust eines neugeborenen Kalbes hinnehmen. Und auch er lässt sich nicht von seiner Überzeugung abbringen, dass das junge Rind die Beute eines Wolfs war. Reichwein spricht sogar von "hochsubventioniertem Wolfsfutter". Er ist erbost. Das Ergebnis der HLNUG-Analyse überrascht ihn nicht. "Das habe ich erwartet", kommentiert er. Dass der Wolf mit den Rissen nichts zu tun haben soll, hält er für eine politische Einschätzung.

Zudem lasse die DNA-Analyse auch eine weitere Interpretation zu, sagt Reichwein: Dass nämlich der Fuchs der "Nachnutzer" des Wolfs ist und dass die DNA des Fuchses die des Wolfs überdeckt haben könnte. Dafür spricht aus Sicht des Viehhalters, dass nicht der komplette Kadaver untersucht wurde, sondern lediglich an zwei Stellen des toten Tieres Proben entnommen wurden. Und das auch erst vier Tage nach dem Vorfall, sagt er. Die Aussagekraft dieser Proben sei daher durchaus fragwürdig.

Fuchs könnte auch

Nachnutzer sein

Diesen Vorwurf weist Andreas Opitz, Diplom-Biologe beim HLNUG zurück. "Aufgrund der Tatsache, dass bei der DNA-Analyse ein Fuchs nachgewiesen wurde, ist davon auszugehen, dass die DNA-Probe frisch und auswertbar war." Die Möglichkeit, dass der Fuchs der Nachnutzer nach dem Wolf war, räumt er indes ein. Die Nennung des Fuchses bedeute schließlich nicht, dass dieser das Tier auch getötet hat. Vielmehr beweise die DNA nur, dass "ein Fuchs an einem bereits verendeten Tier gefressen hat". Der "Rissverursacher", wie das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie schreibt, müsse also nicht zwangsläufig auch ein Fuchs sein.

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