Das Inklusionshaus liegt zentral in der Dorfmitte von Waldernbach und bietet 14 Menschen mit und ohne Behinderung Raum zum Wohnen und Arbeiten.
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Das Inklusionshaus liegt zentral in der Dorfmitte von Waldernbach und bietet 14 Menschen mit und ohne Behinderung Raum zum Wohnen und Arbeiten.

Bistum Limburg startet Wohnraumoffensive

Wohnen ist mehr als ein Dach über dem Kopf"

  • Rolf Goeckel
    VonRolf Goeckel
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17 Millionen Euro stehen zur Verfügung. Das Inklusionshaus in Waldernbach wurde bereits gefördert.

Limburg -Das Bistum Limburg stellt 17 Millionen Euro für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung. Ziel ist es, benachteiligten Menschen den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum zu ermöglichen und inklusive, integrative und soziale Unterkünfte zu fördern, erklärten Vertreter des Bistums zum Start des Projekts während einer Online-Konferenz am Mittwoch. Das Geld stammt aus dem Sondervermögen des ehemaligen Siedlungswerkes St. Georg.

"Wir sehen, wie schwierig es für viele Menschen geworden ist, an erschwinglichem Wohnraum zu kommen. Dabei geht es uns nicht nur um den Wohnraum mit einer klar definierten Quadratmeterzahl, die einer Person zusteht - es geht uns um Teilhabemöglichkeiten am sozialen Leben", sagte Dr. Christof May, Bischofsvikar für Kirchenentwicklung im Bistum Limburg. Wohnen sei mehr als ein Dach über dem Kopf. Mit dem Prozess der Kirchenentwicklung nehme die Kirche im Bistum Limburg den Menschen in den Blick und wolle zum Anwalt von Benachteiligten werden: "Wir sind davon überzeugt, dass immer dort, wo ein Mensch dem anderen helfend und stützend zur Seite steht, Segen erwächst."

Als sozialer Impuls von Kirchenentwicklung werde die 2020 von Bischof Dr. Georg Bätzing ins Leben gerufene Wohnraumoffensive Projekte und Bauvorhaben anstoßen und fördern, die ein neues Verständnis von Wohnen und Leben beispielhaft erfahrbar machen und Mensch-Sein ermöglichen. "Wir fördern Maßnahmen innerhalb des Gebietes unseres Bistums. Uns ist es wichtig, dass wir neue Wohnungen fördern, die zusätzlich zu bereits vorhandenem Wohnraum entstehen", betonte Fabrizio Suma, Referent der Wohnraumoffensive des Bistums Limburg. Die Diözese wolle mit dem Engagement und der finanziellen Unterstützung Vorhaben und Projekte ermöglichen und erleichtern, bei denen die Bedarfe der Nutzerinnen und Nutzer im Mittelpunkt stehen und nicht Renditen von Investoren.

"Wir wollen lokales Engagement fördern und stark machen und Gestaltungschancen fördern, wo sie auf den ersten Blick nicht sichtbar sind", sagte Städteplaner Suma. Die von der Wohnraumoffensive in Aussicht gestellte Förderung in Höhe von bis zu 250 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche sei grundsätzlich mit anderen Zuwendungen kombinierbar. Die Höchstsumme der Förderung betrage eine Million Euro.

Das mit einer Summe von 170 000 Euro als erstes geförderte Projekt der "Wohnraumoffensive" des Bistums Limburg ist das komplett vermietete und zum Teil bereits bewohnte Inklusionshaus Dorfmitte im Mengerskirchener Ortsteil Waldernbach. Auf einem ehemals landwirtschaftlich genutzten Gelände sind dort 14 neue Wohnungen entstanden. Im Obergeschoss befinden sich sieben Apartments für Menschen unterschiedlicher Generationen; im Erdgeschoss leben sieben Menschen mit Handicap in einer Wohngruppe. Ein Teil der Bewohner findet in dem Inklusionshaus auch Arbeit, sei es in einem Bistro oder in einer Werkstatt. In dem Haus ist außerdem ein Pflegestützpunkt untergebracht.

Acht Jahre von der Idee

bis zur Umsetzung

Für die Umsetzung des Waldernbacher Projektes hätten sich viele Menschen im kommunalen Netzwerk "Bildungsforum Mengerskirchen", im Verein "Mittendrin für Alle" und der Baugenossenschaft Inklusionshaus Dorfmitte mehr als acht Jahre engagiert, berichtete Nicole Schäfer vom Bildungsforum. Weil es auf dem Land keine Wohnangebote für Menschen mit Behinderung gebe, würden sie spätestens mit dem Erwachsenenwerden aus der Dorfgemeinschaft herausgerissen. "Als Kommune wollten wir dieses Problem angehen. Dadurch entstand die Idee eines Inklusionshauses." Durch das Haus soll auch der alte Ortskern von Waldernbach aufgewertet werden, betonte Stefan Orth von der Baugenossenschaft Inklusionshaus Dorfmitte, in dem sich mehr als 60 Mitglieder für das 2,8 Millionen Euro teure Projekt engagieren.

Neben dem Inklusionshaus Waldernbach steht das Bistum derzeit mit drei weiteren Projektträgern in Frankfurt, im Rheingau-Taunus-Kreis sowie im Westerwaldkreis in Gesprächen für eine Förderung. Gefördert würden Wohnvorhaben, die generationenübergreifend oder kreativ eine Vernetzung mit dem Stadtteil und den Nachbarn bedenken.

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