1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg
  4. Limburg

Zeigen, dass es auch auf dem Land bunt zugehen kann

Erstellt:

Von: Sabine Rauch

Kommentare

Robert Kleinmichel gehört zu den Organisatoren des CSD in Limburg.
Robert Kleinmichel gehört zu den Organisatoren des CSD in Limburg. © FOTO-EHRLICH.de/Peter Ehrlich

Projektleiter Robert Kleinmichel spricht über den Christopher Street Day in der Stadt.

Limburg -Mit Demonstration und Musik: Am morgigen Samstag wird der erste Limburger Christopher Street Day gefeiert. Unter dem Motto "CSD Limburg - Queeres Leben auf dem Land" lädt die Partnerschaft für Demokratie Limburg zu einem Herzens-Projekt ein: Von 13 bis 17 Uhr wird die Innenstadt laut und bunt. Die Veranstalter wollen mit einem Demonstrationszug durch die Stadt (Start um 13 Uhr am Bahnhof) und Konzert im Serenadenhof zeigen, dass sexuelle Vielfalt und Toleranz auch in der Kleinstadt einen Platz haben, dass Mitglieder der LGBT*IQ-Community nicht nur in den Großstädten leben. Projektleiter Robert Kleinmichel spricht im Interview mit Redakteurin Sabine Rauch über die Herausforderungen und Chancen der Pride-Parade.

Herr Kleinmichel, warum braucht Limburg einen CSD?

In den großen Städten sind Christopher Street Days feste Größen im Jahreskalender. Wir wollen zeigen, dass es auch im ländlichen Raum queeres Leben gibt, das sich nicht verstecken muss. Limburg wird oft als verschlafenes Städtchen beschrieben. Wir wollen zeigen, dass es hier auch bunt zugehen kann. Wir hoffen, dass wir mit einem gelungenen Start am kommenden Samstag den Grundstein legen können, damit der CSD es auch in Limburg als feste Größe in den Veranstaltungskalender schafft.

Warum gerade jetzt?

Die Idee für den CSD ist schon einige Jahre alt. Allerdings hat man es bisher nicht geschafft ein Team aufzustellen, dass die Planung auch angeht und in die Organisation einsteigt. Das ist dieses Mal zum Glück anders. Neben dem organisatorischen Aspekt gibt es aber auch handfeste gesellschaftliche Gründe. Die Zahl der erfassten Angriffe gegen queere Menschen steigt bundesweit seit Jahren an. Das macht deutlich, dass es trotz der Errungenschaften wie der Ehe für Alle und dem Aufbruch, den die neue Bundesregierung signalisiert, noch viel zu tun gibt. Ein politischer Aufbruch muss auch mit einem gesellschaftlichen Aufbruch einhergehen, daher ist ein CSD auch heute noch ein wichtiger Tag, um für queere Sichtbarkeit im Alltag zu sorgen und Vorurteile abzubauen.

Wer sind die Organisatoren?

Bereits im letzten Sommer haben wir uns mit einigen politisch engagierten Personen aus Limburg erste Gedanken gemacht und für uns festgehalten, dass es an der Zeit ist, die Idee nun auch umzusetzen. Im Herbst wurde es dann konkreter. Mit dem Arbeitskreis Queere Jugendarbeit im Bistum Limburg und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend konnten wir starke Partner aus dem Bistum Limburg finden, die auch den Rahmen bieten, beispielsweise einen Förderantrag zu stellen. Denn ohne die finanzielle Unterstützung durch die "Partnerschaft für Demokratie in Limburg", die aus dem Bundesförderprogramm "Demokratie Leben!" entstanden ist, wäre die Veranstaltung nicht denkbar gewesen.

Gab es besondere Schwierigkeiten bei der Vorbereitung?

Ich muss schon zugeben, dass eine Veranstaltung dieser Größe für ein hauptsächlich ehrenamtliches und neu zusammengewürfeltes Team schon eine Herausforderung ist. Aber von Beginn an standen alle mit Herzblut hinter der Idee. Auch das Ordnungsamt der Stadt hat uns den ein oder anderen Fehler bei den Planungen und der Kommunikation wohlwollend verziehen und mitgeholfen, dass die Veranstaltung stattfinden kann. Besonders schwierig ist es für uns, die Größe der Veranstaltung richtig einzuschätzen. Wir haben ja keine Erfahrungswerte.

Leuchtet Limburg am Samstag in Regenbogenfarben?

Das hoffen wir alle. Die Rückmeldungen zum CSD sind riesig und zum größten Teil positiv. Das macht uns Hoffnung, dass Limburg am Samstag bunt leuchtet. Und wenn der Serenadenhof voll ist, freuen wir uns über ein buntes Treiben in der gesamten Innenstadt. Wir beobachten auch, dass wir nicht mehr alleine den Tag gestalten. Mittlerweile bieten auch einzelne Gaststätten schon thematische Veranstaltungen an, die den CSD begleiten. Die Jugendkirche "Crossover" bietet zudem am Sonntag ab 18 Uhr einen CSD-Gottesdienst, um Brücken zu schlagen und die Farben des CSD in die Kirche zu tragen. So funktioniert queere Sichtbarkeit an einem CSD-Wochenende.

Gibt es eine Kleiderordnung?

Nein, eine Kleiderordnung gibt es nicht. Eingeladen sind alle, die Limburg vielfältig und bunt sehen wollen. Wir wollen ja zeigen, dass wir ein Teil der Gesellschaft sind und freuen uns daher über alle Besucherinnen und Besucher, ob sie nun Teil der queeren Community sind, oder einfach nur mal schauen möchten, was CSD in einer Stadt wie Limburg bedeutet. Es geht uns darum, Vorbehalte abzubauen und den Menschen zu zeigen, dass wir dazugehören.

Auch interessant

Kommentare