Limburger Stadtarchiv

Zeugnisse der alten Stadt

Dr. Hildegard Schirmacher hat die Entwicklung der Limburger Altstadt zu einem Vorzeigeprojekt der Stadtsanierung entscheidend mitgeprägt. Nun ist ihr Nachlass mit Fotos, Dias, Plänen, Akten und Manuskripten dem Stadtarchiv übergeben worden.

„Natürlich hat er auch bei uns geraucht, als er auf dem Sofa im Wohnzimmer saß“, berichtete Mathias Schirmacher über den Besuch von Helmut Schmidt im Haus Schirmacher am Domplatz 5. Am 8. September 1978 war das. Schirmachers hatten gerade das sanierte Haus am Domplatz bezogen, als Schmidt als damaliger Bundeskanzler der Stadt einen Besuch abstattete. Anlass waren die ersten sichtbaren Ergebnisse der Sanierung der Altstadt. Dr. Hildegard Schirmacher, zu der Zeit noch Dr. Ernst Schirmacher, hatte maßgeblichen Anteil daran.

Was sie in den vielen Jahren ihres Wirkens in und für die Stadt zusammengetragen hat, übergab Sohn Mathias Schirmacher nun dem Stadtarchiv. Fotos, Dias, Pläne, Akten und Manuskripte sind es, die es nun zu sichten und zu erfassen gilt. „Eine wertvolle Bereichung der Bestände“, sagte Bürgermeister Martin Richard (CDU), als er den Nachlass zusammen mit Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker entgegennahm.

Zweifel am Vorgehen

Was nun in den Besitz der Stadt überging, bezeichnet Richard als „Querschnitt der wichtigen Arbeit Schirmachers für die Altstadtsanierung Limburgs und die Baugeschichte“. Eine Geschichte, die zu einer vorbildlich sanierten Altstadt führte. Doch dieser Erfolg war keineswegs von vornherein klar, es gab da erhebliche Zweifel. Als Schirmacher das Konzept der erhaltenden Sanierung in Wiesbaden im Ministerium vorstellte, da wurde gleichzeitig auch das Konzept für die Sanierung der Altstadt von Dillenburg vorgestellt. Und die sah ganz anders aus. Das sollte viel abgerissen und neu aufgebaut werden. Und die Heimfahrt nach Limburg und die darauffolgenden Tage seien stark von Zweifeln geprägt gewesen, ob es der richtige Weg sei, die Altstadt als Ensemble zu erhalten.

Es ist der richtige Wege gewesen, das hat sich dann schnell herausgestellt, wobei es natürlich auch in Limburg zeitweise andere Vorstellungen gab und auch Widerstände zu überwinden waren. Doch Schirmacher hatte in Bürgermeister Josef Kohlmaier, Baudirektor Berthold Conradi oder auch dem Architekten Franz-Josef Hamm überzeugte Mitstreiter.

„Viel Material“, sagt Stadtarchivar Dr. Christoph Waldecker über den Nachlass. Die Sichtung werde einige Zeit in Anspruch nehmen. Doch aus dem, was er bisher in Augenschein genommen hat, wird klar: Es ist auf lange Zeit eine wichtige Fundgrube.

Letzter Wille erfüllt

Mit der Übergabe an die Stadt ist Mathias Schirmacher dem letzten Willen nachgekommen, denn es war testamentarisch verfügt, das Material über den Zustand und die Entwicklung der Altstadt dem Stadtarchiv zu übergeben und somit der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Und aus den Aufzeichnungen wird sicherlich auch hervorgehen, dass die Sanierung nach einem erfolgreichen Start zu einer Art Selbstläufer wurde, es ist mehr Bausubstanz erhalten geblieben als zunächst geplant.

Die Beschäftigung mit der Stadt zwischen Dom und Lahn setzte bei Schirmacher deutlich vor der Sanierung ein, die Dissertation, 1961 eingereicht, beschäftigt sich mit der Entstehung und Entwicklung des mittelalterlichen Limburg und zählt bis heute zu den Standardwerken über die Baugeschichte der Stadt.

Doch Schirmacher, die von 1997 an als Frau lebte und offiziell den Namen Hildegard führte, war der Stadt nicht nur beruflich verbunden. Die Stadt wurde mit dem Wohnsitz Domplatz 5 Wohnort und das Haus ist seit April dieses Jahres auch wieder Mittelpunkt der Familie, und für Limburg war sie auch ehrenamtlich in vielfacher Art und Weise engagiert: Als Initiatorin und langjährige Vorsitzende des Schlossvereins, als Mitglied und Vorsitzende im Denkmalbeirat der Stadt. Sie war und blieb aktiv, bis ein Sturz in der Altstadt ihr Schaffen abrupt beendete. Am 7. März dieses Jahres starb Hildegard Schirmacher. jl

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare