Lebensrettende Operation: Am OP-Tisch Chefärztin Dr. Patricia Schaub und der Leitende Oberarzt der Gefäßchirurgie, Christopher Ellermeier.
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Lebensrettende Operation: Am OP-Tisch Chefärztin Dr. Patricia Schaub und der Leitende Oberarzt der Gefäßchirurgie, Christopher Ellermeier.

Gefäßchirurgie

St.-Vincenz-Krankenhaus Limburg: Zufallsbefund rettet Patienten das Leben

Ein Patient leidet vermeintlich an einer Bauchspeicheldrüsenentzündung und kommt ins Krankenhaus in Limburg. Dort überlebt er nur dank einer Zufallsdiagnose.

Limburg – Eigentlich war es die Bauchspeicheldrüse. Plötzliche starke Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit und Erbrechen hatten Karl G. über die Notaufnahme in das Limburger St.-Vincenz-Krankenhaus gebracht. Diagnose: akute Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Doch dann wurde plötzlich ein "penetrierendes Aortenulcus" (PAU) entdeckt, wie es in der medizinischen Fachsprache heißt. Dass ist ein seltenes, lebensbedrohliches Geschwür der Hauptschlagader: Es zerstört ihre Gefäßwand und dünnt sie aus, bis es zum Riss kommt, durch den der Betroffene innerlich verbluten kann - eine lebensbedrohliche Entwicklung mit sehr schlechter Prognose. Und eine Herausforderung für das Team der Gefäßchirurgie.

Wie das Limburger Krankenhaus mitteilt, konnte Karl G. dank dieser Zufallsdiagnose gerettet werden - trotz seines hohen Alters, trotz diverser Vorerkrankungen und der komplexen Form des Geschwürs. In exakt 61 Minuten war er operiert, nach einer Nacht auf der Intensivstation kam der Patient auf die Normalstation und konnte am fünften Tag nach dem Eingriff entlassen werden. Die CT-Kontrolle hatte eine vollständige Ausschaltung des zufällig entdeckten Defekts gezeigt. Das ist nach Angaben des Krankenhauses nicht immer so: Nur acht von zehn Patienten überleben einen solchen Notfall.

Limburg: Zufallsdiagnose rettet Patienten im St.-Vincenz-Krankenhaus

Wie bei allen Aneurysmen ist auch ein PAU gerade deshalb so gefährlich, weil es zunächst nur wenig oder sogar gar keine Beschwerden verursacht. Hinzu kommt, dass ein PAU typischerweise klein ist, meist nur circa zwei Zentimeter. Durch diese punktuelle Belastung ist die Gefahr eines Risses der Hauptschlagader aber besonders groß.

Der Leitende Oberarzt Christopher Ellermeier führte die Operation gemeinsam mit Chefärztin Dr. Patricia Schaub durch. Die von ihnen eingesetzte Implantation einer Gefäßprothese schützt den Patienten nun vor dem Riss der Hauptschlagader: Der Blutfluss wird wieder in die richtigen Bahnen gelenkt, indem sich die Prothesen an den Enden und Außenseiten selbst entfalten. So wird die Hauptschlagader vom Blutdruck entlastet, was den in den meisten Fällen tödlichen Durchbruch der Arterie verhindern soll. Das Aneurysma wird also sozusagen von innen geschient.

Die PAU-Erkrankung entsteht meist bei langjährigem Bluthochdruck sowie massiver Verkalkung der Bauchschlagader. Ohnehin empfehlen die Fachgesellschaften, dass sich Männer ab 65 Jahren und Frauen mit Rauchervergangenheit ab 65 Jahren auf ein Bauchaorten-Aneurysma untersuchen lassen sollten.

St.-Vincenz-Krankenhaus in Limburg: Vorsorgeuntersuchung rettet Menschenleben

Männer und Frauen mit Aneurysma-Trägern in der Familie sollten sich ab dem 60. Lebensjahr zumindest einmalig einer Ultraschalluntersuchung der Hauptschlagader unterziehen. Diese Untersuchung kann nach Angaben des Krankenhauses einfach, schnell und mit hoher Aussagekraft durchgeführt werden. Abhängig vom Befund wird der behandelnde Arzt (Angiologe, Gefäßchirurg) ein Kontrollintervall empfehlen. Dies kann zwischen zehn Jahren bei völligem Normalbefund und wenigen Monaten bei entdecktem Aneurysma liegen.

Platzt ein Aneurysma, verspürt der Betroffene einen starken Schmerz im Brust- oder Bauchbereich. Die starken inneren Blutungen führen zu einem Kreislaufschock. Der Patient muss sofort operiert werden. Die Vorsorgeuntersuchung dagegen kann definitiv Leben retten, wie das Krankenhaus betont: Zahlreiche Todesfälle durch die meist tödlich verlaufenden Rupturen könnten so verhindert werden. (red)

Kritik gab es zuletzt daran, dass nicht alle Patienten im Krankenhaus in Limburg auf Corona getestet werden. Die Klinik stimmt sich mit dem Gesundheitsamt im Kreis Limburg-Weilburg ab.

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