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Platanen mit Radikalschnitt: So soll es nach dem Willen der Bürgerinitiative im Frühjahr nicht mehr auf dem Neumarkt aussehen.

Platanen auf dem Neumarkt

Bürgerinitiative gegründet: "Das Entfernen jedes gesunden Baumes ist verantwortungslos"

Die Platanen auf dem Neumarkt sollen weg - das hat am Dienstagabend die Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Die Platanen soll bleiben - dafür will sich jetzt eine Bürgerinitiative "massiv einsetzen".

Limburg - Die Entscheidung des Stadtparlaments war abzusehen, hat aber am Mittwoch viele Bürger aufgeschreckt und einige auch mobilisiert. Am Mittag meldete sich erstmals eine Bürgerinitiative (BI) zu Wort, die sich bereits in der vergangenen Woche mehr oder weniger privat gegründet und gestern Abend über das weitere Vorgehen beraten hat. Ihr Ziel ist es, die 40 Jahre alten Platanen auf dem Neumarkt zu erhalten. Das wollen die BI-Initiatoren um Angelika Seip und Frauke Ebel gegebenenfalls durch ein Bürgerbegehren erreichen.

"Der Erhalt der Bäume muss bei jeder Planung die oberste Priorität haben", heißt es in einem Aufruf. Die Devise laute "Gestalten und Erhalten".

Die Stadtverordneten beschlossen mit 26 Ja- und bei zwölf Gegenstimmen und einer Enthaltung, den Vorentwurf zur Umgestaltung des Neumarktes vom Planungsbüro Dutt & Kist als Grundlage für die Erarbeitung des endgültigen Konzepts zu verwenden. Das bedeutet, dass auch die 20 Platanen gefällt und durch 16 neue Bäume ersetzt werden. Alle Grünen- und FDP- sowie drei SPD-Vertreter und ein Linker stimmten gegen den von CDU und der Mehrheit der SPD-Fraktion getragenen Vorschlag des Ausschusses für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Verkehr.

Acht Jahre ohne Ergebnis

Fraktionsvorsitzender Dr. Sebastian Schaub hatte für die Grünen vergeblich um Rückverweisung in den Ausschuss gebeten. Er ärgert sich, dass nun schon acht Jahre lang ohne konkretes Ergebnis diskutiert werde. Bisher sei ihm noch keine Magistratsvorlage vorgelegt worden, auf dessen Grundlage ein fundierter Beschluss möglich wäre. Schaub wies auch darauf hin, dass es einen bisher nicht aufgehobenen Beschluss von 2016 gebe, bei der Neumarkt-Planung den Erhalt der 20 Platanen zu berücksichtigen. Es gebe bis heute keyin konkretes Nutzungskonzept, keine detaillierte Planung für den Platz, nur die Kostenschätzung eines Büros, sagte der Grünen-Sprecher. 

Platanen in voller Pracht: So wie gestern Mittag sollte es nach Wunsch vieler Bürger auf dem Neumarkt aussehen. Foto: Heidersdorf

Ein transparentes Verfahren sei verweigert worden. Dadurch gebe die Stadt in der Öffentlichkeit alles andere als ein gutes Bild ab. Schaub hätte es sich gewünscht, dass alle vorliegenden Konzepte zur Debatte stünden und nicht nur der mit 2,7 Millionen teuerste Vorentwurf. Die Platanen hält er für erhaltenswürdig. In anderen Städten würden beispielsweise befahrbare Baumscheiben eingesetzt, um Schädigungen des Wurzelwerkes zu verhindern.

Bürgermeister widerspricht

Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) widersprach. Aufgrund der Infolage sei das Thema entscheidungsreif. Es mache ihm sicherlich keinen Spaß, 40 Jahre alte Bäume entnehmen zu lassen. Auf der anderen Seite müsse aber auch berücksichtigt werden, dass dafür neue Bäume angepflanzt würden, die für das aktuelle Klima besser geeignet seien. Irgendwann müsse eine Entscheidung getroffen werden, sagte Hahn. Die könne auch lauten, die Bäume zu lassen und zu entsiegeln. Dann werde es dort aber problematisch, künftig weiter uneingeschränkt den Wochenmarkt und die dort bewährten Veranstaltungen durchzuführen.

Schlechte Diskussionskultur

CDU-Fraktionschef Dr. Christopher Dietz ärgerte sich über fehlende Diskussionskultur. Parkplätze und Bäume seien bei der Grundsatzentscheidung eigentlich nur Randthemen. Offenbar sei vielen Bürgern nicht klar genug gemacht worden, dass nicht nur Bäume entnommen, sondern ein wertvoller neuer Baumbestand auf dem Neumarkt gepflanzt werde. Dietz begründete die Haltung der CDU-Fraktion damit, dass die Stadt als Handels- und Gewerbestandort attraktiver gemacht werden müsse. Der Internethandel werde immer stärker und darum müsse die Stadt im Kampf gegen Leerstand dem mit einem attraktiven Neumarkt entgegentreten. Bisher werde der Platz völlig unter Wert verkauft. Er müsse ein Ort werden, wo man wieder gerne hingehe und sich aufhalte.

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SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Rompf ärgerte sich, dass Sebastian Schaub mit Unwahrheiten komme. Die nötigen Unterlagen hätten allen Fraktionen vorgelegen. Im Endeffekt gehe es darum, ob man gestalten oder erhalten wolle. Die SPD habe sich mehrheitlich für Ersteres entschieden. Nur Steine auszutauschen bringe es nicht. Die Bäume bei der Umgestaltung des Platzes stehen zu lassen, könnte ihre Standsicherheit erheblich gefährden. Die Flächen um ihre Wurzeln zu entsiegeln, würde auf dem Platz künftig zu Einschränkungen führen. Ein Konzept mit den Platanen sei bereits 2012 durchgefallen.

"Fantasielos und piefig"

FDP-Fraktionsvorsitzende Marion Schardt-Sauer kritisierte sowohl das Konzept an sich als auch die hohen Kosten. Was CDU, SPD und Bürgermeister unterstützten, sei "fantasielos und piefig". Da müsse man auch kritische Bürgermeinungen aushalten. In Südfrankreich gebe es beispielsweise wunderschöne Plätze mit Platanen. Statt Geld zu verschwenden und Bäume zu fällen, sei es besser, den Platz im Großen und Ganzen zu lassen und nur punktuell aufzuhübschen. rok / hei

Die Bürgerinitiative in Limburg

Das Entfernen der Platanen ist aus Sicht der Bürgerinitiative (BI) "eine "absolut nicht notwendige Maßnahme". Die Sprecher glauben, dass "die allermeisten Bürger" dieser Überzeugung sind und beziehen sich auf ein Baumgutachten von 2012. Darin werde klar erläutert, dass eine Neugestaltung des Neumarkts mit den bestehenden Platanen möglich und sinnvoll sei. Die Bäume seien erhaltensfähig und erhaltenswürdig. Die BI habe sich deshalb zum Ziel gesetzt, die über 40 Jahre alten und gesunden Platanen zu schützen.

Aus den Stellungnahmen der Stadt werde deutlich, dass offenbar bis heute keine Planung für den Neumarkt gemacht wurde, die sich ernsthaft mit dem Erhalt der Bäume beschäftigt habe. Die BI schließt dies aus der Aussage von Bürgermeister Hahn, wonach eine Nutzung des Platzes mit den Bäumen stark eingeschränkt sei. "In einer Stellungnahme heißt es: Viele andere Städte schützen schon seit Jahrzehnten ihre großen Bäume mit entsprechenden Baumschutzprogrammen, zum Beispiel Luftkammerplatten, die an den Belag anschließen können und ohne Einschränkung befahrbar sind. Wieso hat die Stadt bis heute keine adäquate Planung MIT den Bäumen vorgelegt, obwohl die Stadtverordneten dazu seit langer Zeit einen entsprechenden Arbeitsauftrag an den Magistrat vergeben haben?"

BI-Mitbegründerin Frauke Ebel: "Die Empörung in der Stadt über das aktuelle Geschehen ist deutlich zu spüren, und die Zahl unserer Unterstützer steigt von Tag zu Tag". "Wir fordern eine fach- und sachgerechte Pflege zum Erhalt der Bäume, auch in Bezug auf den Rückschnitt und die falsche Behandlung in der Vergangenheit" ergänzt Angelika Seip. "In Zeiten des Klimawandels und der Luftverunreinigung ist ein Entfernen eines jeden gesunden Baumes verantwortungslos und mit nichts zu rechtfertigen. Gerade Limburg leidet ohnehin schon unter der höchsten Stickstoffbelastung in Hessen." 

hei

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